Das US-Repräsentantenhaus hat am 16. September 2026 einen konkreten Schritt in der Krypto-Steuerpolitik gemacht: Das House Ways and Means Committee verabschiedete den Digital Asset Tax Certainty Act (H.R. 10357) mit 38 zu 5 Stimmen. Nur einen Tag zuvor war der breiter angelegte CLARITY Act im Senat an einer Verfahrensabstimmung gescheitert – mit 49 zu 50 Stimmen verfehlte der Cloture-Antrag die nötigen 60 Stimmen für den Beginn einer Debatte. Beide Vorgänge sind noch nicht abgeschlossen: Der Steuerentwurf braucht weiterhin die Zustimmung des Plenums und des Senats, und die Senatsabstimmung zum CLARITY Act war rein verfahrenstechnisch, keine endgültige Sachentscheidung.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Der Digital Asset Tax Certainty Act (H.R. 10357) passierte das House Ways and Means Committee mit 38-5 Stimmen
  • Netzwerk- und Transaktionsgebühren bis 10 US-Dollar sollen keine Gewinn- oder Verlustrealisierung mehr auslösen
  • Der Entwurf regelt Stablecoins, Wash-Sales, Krypto-Lending, Mining und Staking sowie Broker-Meldepflichten
  • Das Joint Committee on Taxation erwartet netto 500 Millionen US-Dollar Bundeseinnahmen von 2027 bis 2036
  • Der CLARITY Act scheiterte im Senat mit 49-50 an der Cloture-Abstimmung – 11 Stimmen fehlten zu den nötigen 60

US-Repräsentantenhaus bringt Digital Asset Tax Certainty Act voran

Nach mehr als einem Jahr parteiübergreifender Arbeit hat der Ausschuss den Entwurf während eines Markups am 16. September verabschiedet, wie aus der offiziellen Ausschussmitteilung hervorgeht. Die 38-5-Abstimmung verschiebt den Entwurf lediglich aus dem Ausschuss und macht ihn für eine Beratung im Plenum des Repräsentantenhauses zugänglich – eine endgültige Verabschiedung ist das noch nicht.

Kern des Entwurfs ist eine Ausnahme für qualifizierende Netzwerk- und Transaktionsgebühren bis zu 10 US-Dollar: Wer digitale Vermögenswerte zur Begleichung solcher Gebühren nutzt, soll dabei keinen Gewinn oder Verlust realisieren müssen. Das ist keine allgemeine Steuerbefreiung für alltägliche Krypto-Käufe, sondern eine eng gefasste Erleichterung – bestimmte Händler, Broker, Dealer, Transaktionsvalidatoren und Steuerpflichtige mit mehr als 5.000 Transfers im Vorjahr könnten davon ausgeschlossen bleiben. Weitere Details zu Gebühren- und Wash-Sale-Regeln hat unsere frühere Analyse des Entwurfs bereits eingeordnet. Zusätzlich adressiert der Entwurf Stablecoins, Krypto-Lending, Mining, Staking, Broker-Meldepflichten und konstruktive Verkäufe sowie vereinfachte Bilanzierungsmethoden für weit gehandelte digitale Vermögenswerte.

Steuerliche Auswirkungen und Einnahmeschätzung

Der bestehende steuerliche Hintergrund bleibt relevant: Die IRS behandelt digitale Vermögenswerte weiterhin als Eigentum, wodurch Verkauf, Tausch oder Zahlung einen Kapitalgewinn oder -verlust auslösen können. Genau hier setzt der neue Entwurf an, indem er die Wash-Sale-Regeln – bislang nur für Wertpapiere geltend – auf gehandelte digitale Vermögenswerte ausweitet und separate Regeln für Mining- und Staking-Einkünfte schafft.

Laut einer Schätzung des Joint Committee on Taxation würde der vollständige Entwurf zwischen Fiskaljahr 2027 und 2036 netto 500 Millionen US-Dollar an Bundeseinnahmen erzielen. Die Ausweitung der Wash-Sale-Regel soll dabei rund 1,71 Milliarden US-Dollar einbringen, während die Gebührenausnahme die Einnahmen um schätzungsweise 2,37 Milliarden US-Dollar reduzieren würde. Der Entwurf integriert zudem den FULL HOUSE Act, der einen Abzug für Glücksspielverluste bis zur Höhe der Gewinne wiederherstellen soll – eine Reaktion auf eine frühere Änderung, die den zulässigen Abzug auf 90 Prozent der Gewinne begrenzt hatte.

Was der Rückschlag für den CLARITY Act bedeutet

Während der Steuerentwurf im Repräsentantenhaus Fahrt aufnimmt, steckt der CLARITY Act im Senat fest. Am 15. September lehnte die Kammer den Cloture-Antrag zum Verfahren für H.R. 3633 mit 49 zu 50 Stimmen ab – elf Stimmen fehlten zu den erforderlichen 60, um überhaupt in die Debatte einzusteigen. Wichtig ist die Unterscheidung: Es handelte sich um eine Verfahrensabstimmung, nicht um eine endgültige Entscheidung über den gesamten Marktstrukturentwurf.

Anders als der steuerfokussierte H.R. 10357 soll der CLARITY Act regeln, wie digitale Vermögenswerte und Marktintermediäre beaufsichtigt werden – inklusive einer klareren Aufgabenteilung zwischen SEC und CFTC sowie erweiterten CFTC-Befugnissen für Spotmärkte mit digitalen Rohstoffen. Vor der Abstimmung hatten sich Streitpunkte um Krypto-Interessen des Präsidenten, Schutzregeln für DeFi-Entwickler und Stablecoin-Rewards zugespitzt, wie unsere Einordnung des Senatsrückschlags und die vorangegangene Analyse zur Ethik-Debatte zeigen. Auch die Frage, wie Stablecoin-Rewards und Bankeninteressen zusammenhängen, bleibt zentral für die weiteren Verhandlungen.

Nächste Schritte für beide Gesetzesvorhaben

Für den Digital Asset Tax Certainty Act steht als Nächstes die Beratung im Plenum des Repräsentantenhauses an. Damit der Entwurf den Schreibtisch des Präsidenten erreicht, müssten Repräsentantenhaus und Senat anschließend identischen Gesetzestext billigen – ein Prozess, der noch offen ist.

Beim CLARITY Act nennt der offizielle Senatsdatensatz bislang keinen Termin für eine erneute Abstimmung. Senator Thom Tillis wechselte nach Bekanntwerden des Ergebnisses auf die unterlegene Seite und wahrte sich damit nach Senatsregeln die Möglichkeit, eine erneute Prüfung zu beantragen. Bis eine Einigung steht, können Bundesbehörden ihre Regulierungsarbeit im Rahmen ihrer bestehenden Zuständigkeiten fortsetzen – ein Punkt, den auch unsere Analyse zu Stablecoin-Rewards und Bankeninteressen vertieft. Weitere Hintergründe zu den Gebührenregeln liefert zudem der Bericht zur ursprünglichen Fassung des Steuerentwurfs.

Warum Sie 99Bitcoins vertrauen können

10+ Jahre

99Bitcoins wurde 2013 gegründet und verfügt über ein Team von Experten, deren Erfahrung bis in die Anfänge der Kryptozeit zurückreicht.

90hr+

Wöchentliche Recherche

100k+

Monatliche Leser

50+

Experten

2000+

Krypto-Projekte unter die Lupe genommen

Google News Icon
Folgen Sie 99Bitcoins in Ihrem Google News Feed.
Erhalten Sie die neuesten Updates, Trends und Einblicke direkt auf Ihr Gerät.
Jetzt abonnieren
Patrick Krauss
Patrick Krauss
Krypto-Analyst & Review-Faktenchecker

Patrick Krauss ist Krypto-Analyst und Autor bei 99Bitcoins und verantwortlich für das Faktenchecking von Krypto-Börsen- und Broker-Reviews. Er prüft sämtliche Inhalte auf fachliche Richtigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit und stellt sicher, dass Angaben zu Gebühren, Handelsbedingungen, Regulierung, Sicherheitsstandards und Risikohinweisen korrekt... Mehr lesen

Kostenloser Bitcoin-Crashkurs

  • Von über 100.000 Lesern genutzt
  • Eine E-Mail pro Tag, sieben Tage lang.
  • Kurz und lehrreich, garantiert!

Investieren ohne Kompromisse.

  • 0 % Provision: Aktien & ETFs provisionsfrei handeln.
  • 3,5 % Zinsen p.a.: Auf Ihr freies Guthaben.
  • 1 App für alles: Aktien, Krypto, ETFs & Sparpläne.
Investieren ohne Kompromisse.
Nach oben