Bitcoin hat einen Großteil seiner anfänglichen Verluste nach der ersten Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve seit Juli 2023 wieder aufgeholt. Nach Angaben von Investing.com notierte die größte Kryptowährung am Mittwoch um 15:22 Uhr ET (19:22 Uhr GMT) 0,2 % höher bei 76.212,1 US-Dollar. Zuvor hatten sowohl die Entscheidung der Fed als auch das Scheitern eines wichtigen Krypto-Gesetzes im US-Senat Verkaufsdruck ausgelöst.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Fed erhöhte ihr Zielband einstimmig um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 % bis 4,00 %.
- Die aktualisierten Projektionen weisen einen medianen Leitzins von 4,1 % zum Jahresende 2026 aus und deuten auf mindestens eine weitere Anhebung hin.
- Der US-Senat verabschiedete den Clarity Act nicht; die Abstimmung endete mit 49 zu 50 Stimmen.
- Im breiteren Markt gaben mehrere Altcoins stärker nach als Bitcoin, darunter XRP mit einem Minus von 10 %.
Fed-Entscheidung: Erste Zinserhöhung seit über drei Jahren
Die Fed hob ihr Zielband für die Federal Funds Rate einstimmig um einen Viertelprozentpunkt auf 3,75 % bis 4,00 % an. Es war die erste Zinserhöhung seit Juli 2023. Laut Investing.com begründete Fed-Vorsitzender Kevin Warsh den Schritt mit einer sich festigenden US-Wirtschaft, einer im Sommer ausgebliebenen Verbesserung der Inflationstrends sowie geopolitischen Entwicklungen. Die Währungshüter seien zudem zu dem Schluss gekommen, dass die allgemeinen Finanzierungsbedingungen nicht restriktiv genug seien.
Für den Kryptomarkt richtet sich der Blick auf die aktualisierten Projektionen der Notenbank. Sie zeigen einen medianen Leitzins von 4,1 % zum Ende des Jahres 2026, was auf mindestens eine weitere Anhebung in diesem Jahr hindeutet. Zwölf Mitglieder des Federal Open Market Committee rechneten mit mindestens einem weiteren Schritt, vier mit zwei zusätzlichen Erhöhungen. Zwei Mitglieder erwarteten keine weiteren Anhebungen. Damit bleibt die weitere Entwicklung der Zinsen ein zentraler Faktor für die Marktstimmung.
Clarity Act scheitert im Senat
Bereits am Dienstag war Bitcoin laut Investing.com um mehr als 3 % gefallen, nachdem der US-Senat den Clarity Act nicht verabschiedet hatte. Die Abstimmung endete mit 49 zu 50 Stimmen. Für die erforderliche Mehrheit von 60 Stimmen fehlten damit elf Stimmen.
Der Gesetzentwurf sollte einen regulatorischen Rahmen für Kryptowährungen und digitale Vermögenswerte schaffen. Er war im Mai vom Bankenausschuss des Senats gebilligt worden, kam danach jedoch nicht weiter voran, weil die nötige Zustimmung im Senat nicht erreicht wurde. Das gescheiterte Votum schließt eine spätere Verabschiedung zwar nicht vollständig aus, kurzfristig erschien dieses Szenario laut Investing.com jedoch unwahrscheinlich.
Mehrere Krypto-Befürworter vertraten nach dem Votum die Ansicht, dass US-Aufsichtsbehörden wie die Securities and Exchange Commission und die Commodity Futures Trading Commission auch ohne einen Beschluss des Kongresses vergleichbare Regeln schaffen könnten. CFTC-Vorsitzender Michael Selig erklärte nach Angaben von Investing.com, seine Behörde werde den Präsidenten mit bestehenden gesetzlichen Befugnissen bei einer zukunftssicheren Regulierungsstruktur für Krypto-Assets unterstützen.
Altcoins fallen stärker als Bitcoin
Der breitere Kryptomarkt folgte am Mittwoch vor der Fed-Entscheidung überwiegend dem Abwärtstrend von Bitcoin. Ether verlor 2,1 % auf 2.390,07 US-Dollar, während XRP um 10 % einbrach. BNB, Solana und Cardano gaben um 1,4 %, 3,2 % beziehungsweise 5,5 % nach. Unter den Memecoins fiel Dogecoin um 3,7 %, während $TRUMP um fast 8 % sank.
Iliya Kalchev von Nexo Dispatch wertete die stärkeren Verluste bei regulierungsnahen Token und krypto-verbundenen Aktien laut Investing.com als Hinweis darauf, dass die Märkte das Senatsvotum vor allem als Rückschlag für einen bestimmten Bereich der Branche einordneten. Bitcoin zeigte sich im Vergleich dazu widerstandsfähiger.
Was als Nächstes zählt
In den kommenden Wochen wird entscheidend sein, ob die Fed die in ihren Projektionen angelegte weitere Zinserhöhung umsetzt und wie sich Inflation, Finanzierungsbedingungen und die Erwartungen am Anleihemarkt entwickeln. Die jüngste Entscheidung hat den Fokus auf die Frage gelenkt, ob die Geldpolitik länger restriktiv bleibt.
Auf regulatorischer Seite bleibt offen, ob der Clarity Act in einer späteren Senatssitzung erneut aufgegriffen wird. Ebenso bleibt abzuwarten, in welchem Umfang SEC und CFTC innerhalb ihrer bestehenden Befugnisse tätig werden. Für Bitcoin und andere Kryptowährungen dürften sowohl die weitere Zinspolitik als auch die regulatorische Entwicklung in den USA wichtige Impulse für die kurzfristige Marktstimmung liefern.
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