Die Lido-DAO diskutiert, die automatisierten LDO-Käufe des NEST-Mechanismus an das für 2027 bewilligte Grant-Budget zu koppeln. Anlass ist eine Schwäche im Ausgabenmodell: Eine niedrigere Schwelle kann mehr Käufe ermöglichen, ohne dass dadurch die tatsächliche Profitabilität der DAO steigt.
Das Wichtigste im Überblick:
- Lido-Beitragende erwägen, die NEST-Kaufschwelle an das Ausgabenbudget für 2027 zu binden.
- Am 13. Oktober lag der Ausgabenzähler bei minus 564.230,96 US-Dollar; der geprüfte Allocator hatte keine Käufe finanziert.
- Ein jährlicher Reset erhöhte die modellierten Käufe um rund acht Prozent, verbesserte aber nicht den zugrunde liegenden Gewinn.
Lido diskutiert eine budgetgebundene Kaufschwelle
Die Debatte begann mit einem Vorschlag des Governance-Beitragenden Kuzmich vom 7. Oktober. Er stellte zur Diskussion, NESTs Einnahmenschwelle an genehmigte Ausgaben zu binden oder den negativen Ausgabenzähler regelmäßig zurückzusetzen. Jenya_K unterstützte am 9. Oktober, die Budgetkopplung im Grant-Antrag für 2027 zu prüfen, betonte aber, die Höhe müsse aus einer detaillierten Planung der tatsächlichen Ausgaben hervorgehen.
NEST vergleicht die erfassten Staking-Einnahmen mit einer täglichen Basis von 109.589 US-Dollar, entsprechend etwa 40 Millionen US-Dollar pro Jahr. Die Hälfte der Differenz fließt in einen fortlaufenden Zähler: Einnahmen unterhalb der Basis drücken ihn ins Minus, und spätere Mehreinnahmen müssen dieses Defizit zunächst ausgleichen, bevor Käufe beginnen können.
Ein negativer Zähler bedeutet daher nicht zwingend, dass die DAO keine Vermögenswerte hält; umgekehrt belegt ein positiver Zähler für sich genommen keinen bilanziellen Gewinn. Beim letzten erfassten Stand am 13. Oktober betrug der Zähler minus 564.230,96 US-Dollar, und eine Zuteilung wurde übersprungen. Der Allocator hielt rund 41,12 stETH, doch die geprüfte Transferhistorie wies keine ausgehenden Transfers aus.
Auch bei verfügbarem Zählerstand und finanzierten stETH gelten Grenzen: höchstens 50.000 US-Dollar pro Tag und 10 Millionen US-Dollar innerhalb eines festen Zeitraums von 365 Tagen. Zudem muss eine Zuteilung mindestens 1.000 US-Dollar betragen.
Die Modellrechnung trennt Käufe von tatsächlichem Gewinn
Die am 11. Oktober überarbeitete Modellierung berücksichtigt Staking-Rückvergütungen anders und rechnet Gewinne ohne angenommene Einnahmen aus der Treasury. Sie simuliert 1.000 mögliche ETH-Kursverläufe über zwölf Monate. Die ausgewiesenen Kaufhäufigkeiten sind Ergebnisse dieser Annahmen, keine gemessenen Wahrscheinlichkeiten für künftige Käufe.
Bei einer jährlichen Schwelle von 40 Millionen US-Dollar liegen die durchschnittlichen modellierten Käufe bei 2,32 Millionen US-Dollar, der Median jedoch bei null. Eine Rechnung, in der die tatsächlichen Ausgaben jeweils der gewählten Schwelle entsprechen, ergibt für 35 Millionen US-Dollar durchschnittliche Käufe von 3,35 Millionen und für 30 Millionen US-Dollar 4,71 Millionen.
Der niedrigere Schwellenwert verbessert in dieser Rechnung zwar den Gewinn vor Käufen, doch dieser Effekt stammt aus geringeren angenommenen Ausgaben und nicht aus dem Kaufmechanismus selbst. Bei 30 Millionen US-Dollar Ausgaben sinkt der modellierte durchschnittliche Gewinn ohne Treasury-Einnahmen von den ursprünglich veröffentlichten 10,7 Millionen auf 8,08 Millionen US-Dollar. Zugleich steigt unter den simulierten Verläufen mit Käufen der Anteil der Fälle mit Verlust von 12,6 auf 22,2 Prozent.
Der Unterschied ist für LDO-Anleger relevant: Ein Kaufsignal aus NEST ist nicht gleichbedeutend mit einem operativen Überschuss. Wer die Einordnung von Lido und stETH verfolgt, muss deshalb auch die regulatorische Behandlung von Liquid-Staking-Token von der Frage trennen, wie viel Geld die DAO tatsächlich verdient.
Reset erhöht modellierte Käufe, nicht die Profitabilität
Ein jährlicher Reset würde einen negativen Zähler zum Jahreswechsel verwerfen, während positives Guthaben erhalten bliebe. In der korrigierten Vergleichsrechnung steigen die durchschnittlichen Käufe damit von etwa 2,6 Millionen auf 2,8 Millionen US-Dollar je modelliertem 365-Tage-Zeitraum – ein Plus von rund acht Prozent. Bei vierteljährlichen Resets liegt der Wert bei ungefähr 2,9 Millionen.
Allerdings enden unter dem Reset-Modell mehr Zeiträume mit Käufen zugleich mit einem Verlust: Der Anteil steigt von 19,5 Prozent bei fortgeschriebenem Zähler auf 30 Prozent bei jährlichem Reset. Ein Reset lockert also die Ausgabebremse, schafft aber keine zusätzlichen Einnahmen. Der bestehende Allocator besitzt laut der Analyse keine direkte Reset-Funktion; Änderungen an der Schwelle erhalten den angesammelten Zählerstand und gelten künftig.
Für den Grant-Prozess 2027 stehen damit die tatsächliche Ausgabenplanung, die passende NEST-Schwelle und die Finanzierung möglicher Käufe im Zusammenhang. Die vorliegenden Unterlagen nennen dabei unterschiedliche Budgetmarken: 43,8 Millionen US-Dollar im Grant-Antrag für 2026, 41 Millionen als Referenz im Halbjahresbericht und prognostizierte Jahresausgaben von 37,7 Millionen. Sie werden nicht ausdrücklich miteinander abgeglichen und sind nicht mit NESTs Einnahmenbasis von rund 40 Millionen gleichzusetzen.
Auch weitere Erlöse müssen sauber abgegrenzt werden: Jenya_K verwies darauf, dass Rückvergütungen des Community Staking Module bereits in der Finanzberichterstattung enthalten sind und bei einer erneuten Anrechnung doppelt gezählt würden. Gekaufte LDO gehen im Treasury-Modell an die DAO zurück; eine automatische Verbrennung oder Auszahlung an Tokenhalter ist nicht vorgesehen. Über eine Liquiditätsnutzung müsste die DAO gesondert entscheiden.
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