Starknet prüft, seine Abhängigkeit von Ethereum zu beenden und als eigenständige Layer-1 weiterzuarbeiten – mit dem Ziel, bis 2027 ein quantenresistentes Netzwerk aufzubauen. Der Vorschlag ist bislang nicht beschlossen, fiel aber mit einem starken Anstieg des STRK-Kurses zusammen.
Das Wichtigste im Überblick:
- Starknet erwägt seit dem 8. Oktober den Wechsel von einer Ethereum-Layer-2 zu einer unabhängigen Layer-1.
- Als Ziel nennt das Projekt 2027 für ein vollständig quantenresistentes Netzwerk; einen genehmigten Migrationsplan gibt es nicht.
- Am 11. Oktober lag STRK laut CoinGlass auf Sieben-Tage-Sicht 116,7 Prozent im Plus; am 15. Oktober steht ein Token-Unlock an.
Starknet erwägt eine eigene Basis-Blockchain
Am 8. Oktober erklärte Starknet, einen Wechsel zur Layer-1 aktiv zu prüfen. Das Projekt verbindet die mögliche Eigenständigkeit mit dem Anspruch, bis 2027 das erste vollständig quantenresistente Netzwerk zu werden. Auch Decrypt berichtete über die Überlegung und das genannte Ziel; eine endgültige Entscheidung oder ein verbindlicher Zeitplan ist damit nicht verbunden.
Derzeit arbeitet Starknet als Layer-2 auf Ethereum: Transaktionen werden außerhalb der Haupt-Blockchain verarbeitet, während Ethereum weiterhin wichtige Aufgaben bei Abwicklung und Datenverfügbarkeit übernimmt. Ein Wechsel würde diese Sicherheitsabhängigkeit ersetzen und Starknet mehr Kontrolle über die eigene technische Entwicklung geben. Zugleich müsste das Netzwerk selbst ein Modell für Sicherheit und Abwicklung bereitstellen, das bislang von Ethereum mitgetragen wird.
Damit würde Starknet einen anderen Weg einschlagen als Layer-2-Projekte, deren Entwicklung auf Ethereum aufbaut. Wie technische Änderungen an solchen Netzwerken ausgestaltet werden, zeigt auch die Weiterentwicklung von Ethereum-Layer-2-Netzwerken. Für Starknet steht allerdings nicht nur ein Upgrade zur Debatte, sondern möglicherweise ein grundlegender Wechsel der Architektur.
Quantenresistenz hängt auch von Ethereum ab
StarkWare-Chef Eli Ben-Sasson begründet die Prüfung mit der Sorge, dass Fortschritte bei Quantencomputern und künstlicher Intelligenz bestehende kryptografische Verfahren künftig unter Druck setzen könnten. Das ist eine Begründung für frühzeitige Vorsorge, kein Nachweis dafür, dass heutige Blockchain-Signaturen bereits gebrochen werden können. Der mögliche L1-Wechsel soll Starknet außerdem erlauben, seine Sicherheitsentwicklung weniger von Entscheidungen auf Ethereum abhängig zu machen.
Starknets ZK-STARK-Beweissystem beruht auf kryptografischen Hash-Funktionen statt auf den elliptischen Kurven, die leistungsfähige Quantencomputer grundsätzlich angreifen könnten. Programmierbare Konten bieten Nutzern zudem die Möglichkeit, alternative Signaturverfahren einzusetzen, ohne dafür das gesamte Netzwerk umzustellen. Diese Eigenschaften lösen jedoch nicht automatisch sämtliche Risiken, die aus der Verbindung mit Ethereum entstehen.
Eine im Juni veröffentlichte StarkWare-Roadmap unterscheidet zwischen Änderungen, die Starknet selbst vornehmen kann, und Abhängigkeiten von Ethereum. Zu den externen Punkten zählen die Bridge-Infrastruktur und Ethereum-basierte Datenverpflichtungen; sie bleiben an kryptografische Komponenten außerhalb von Starknets direkter Kontrolle gebunden. Die ersten beiden Phasen der Roadmap liegen laut CryptoSlate im Einflussbereich Starknets, während die dritte von Änderungen auf Ethereum abhängt.
Auch Ethereum arbeitet an einer eigenen Quantenresistenz. Der Protocol-Cluster der Ethereum Foundation setzte für Schutzmaßnahmen über Ausführungs-, Konsens- und Datenebene hinweg Dezember 2029 als Ziel. Ein möglicher Starknet-Wechsel würde damit auf einen schnelleren eigenen Zeitplan zielen. Die Weiterentwicklung der Ethereum-Infrastruktur, etwa durch den Einsatz rekursiver STARKs, ist dabei ein zusätzlicher technischer Bezugspunkt – sie ist aber nicht gleichbedeutend mit einer bereits abgeschlossenen Umstellung auf Quantenresistenz.
STRK-Rally trifft auf anstehenden Token-Unlock
Eine CoinGlass-Momentaufnahme vom 11. Oktober um 20:28 Uhr UTC bezifferte den STRK-Kurs auf 0,1190 US-Dollar. Das entsprach einem Plus von 17,7 Prozent binnen 24 Stunden und 116,7 Prozent auf Sieben-Tage-Sicht. Die Daten zeigten außerdem ein offenes Futures-Interesse von rund 258,5 Millionen US-Dollar, ein Futures-Handelsvolumen von 3,5 Milliarden US-Dollar und Liquidationen von etwa 14,8 Millionen US-Dollar innerhalb eines Tages.
CoinMarketCap-Daten vom 11. Oktober wiesen ein Handelsvolumen von ungefähr 720 Millionen US-Dollar und eine Marktkapitalisierung von rund 892 Millionen US-Dollar aus. Am 15. Oktober können laut dem im CryptoSlate-Bericht angeführten Vesting-Zeitplan bis zu 127 Millionen STRK freigegeben werden. Beim CoinGlass-Kurs vom 11. Oktober entspräche die Höchstmenge rund 15,1 Millionen US-Dollar beziehungsweise 1,27 Prozent des ursprünglichen Gesamtangebots von zehn Milliarden Token. Eine Freigabe macht Token übertragbar, belegt aber nicht, dass Empfänger verkaufen werden.
Als Nächstes kommt es darauf an, ob Starknet einen konkreten Plan für eine unabhängige Layer-1 vorlegt und erklärt, wie es Bridge- und Datenabhängigkeiten von Ethereum ersetzen will. Ebenso offen sind das endgültige Sicherheits- und Abwicklungsmodell sowie ein möglicher Zeitplan; die Erklärung vom 8. Oktober enthält dazu keinen Beschluss. Fortschritte auf Ethereum in Richtung des Ziels für Dezember 2029 könnten außerdem beeinflussen, wie groß der praktische Vorteil eines früheren Alleingangs wäre.
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