Der Fee-Switch soll aus dem Wachstum von USDe Rückkäufe für den Ethena-Token ENA finanzieren: Standard Chartered sieht den Kurs bis Ende 2028 bei 2 US-Dollar, gegenüber rund 0,28 US-Dollar als Ausgangsniveau der Prognose. Das entspricht ungefähr einer Ver siebenfachung – setzt aber voraus, dass sich das zuletzt geschrumpfte Geschäft mit dem synthetischen Dollar deutlich erholt.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Standard Chartered setzt für ENA ein Kursziel von 2 US-Dollar zum Jahresende 2028.
  • Die Prognose hängt davon ab, dass USDe von rund 4,9 auf 40 Milliarden US-Dollar wächst.
  • Der Fee-Switch greift erst ab 7,5 Milliarden US-Dollar USDe-Versorgung; die angenommene Rendite von 6 Prozent ist keine Garantie.

Die Kursziele steigen stufenweise – die Prognose bleibt anspruchsvoll

Die Bank hat die Berichterstattung zu ENA mit einem Ziel von 2 US-Dollar zum Jahresende 2028 aufgenommen. Davor nennt sie 0,42 US-Dollar für Ende 2026 und 1,10 US-Dollar für Ende 2027. Die Ziele sind Prognosen, keine kurzfristigen Kursmarken oder Hinweise auf einen bereits laufenden Aufwärtstrend.

Die gläserne Außenansicht des Hauptsitzes von Standard Chartered mit dem Firmenlogo über dem Eingang.
Hauptsitz von Standard Chartered in London

Vom Ausgangswert von etwa 0,28 US-Dollar aus wäre das Endziel mehr als 600 Prozent höher. Laut Standard Chartered könnte ENA damit bis 2028 auch die erwarteten Renditen von Bitcoin und Ethereum übertreffen. Die Primärquelle nennt jedoch keine Support- oder Widerstandszonen und liefert keine Volumendaten; die These stützt sich auf die erwarteten Einnahmen und Rückkäufe, nicht auf ein technisches Chartsignal.

Der zentrale Prüfstein ist deshalb die Entwicklung von USDe. Der Stablecoin überschritt nach seinem Start Ende 2023 zeitweise eine Versorgung von 10 Milliarden US-Dollar, fiel später aber auf rund 4,9 Milliarden. Die Bank kalkuliert damit, dass Ethena nicht nur den früheren Höchststand zurückerobert, sondern USDe bis 2028 auf 40 Milliarden US-Dollar ausbaut.

Der Fee-Switch soll Wachstum in ENA-Rückkäufe übersetzen

Der Bewertungsmechanismus beginnt bei einer Schwelle, die noch nicht erreicht ist: Der genehmigte Fee-Switch setzt ab einer USDe-Versorgung von 7,5 Milliarden US-Dollar ein. Von qualifizierten Nettoerlösen, die aus den erfassten Geschäftsbereichen an die Ethena Foundation fließen, sind 95 Prozent für Käufe von ENA vorgesehen. Damit hängt die Prognose nicht allein davon ab, dass USDe größer wird, sondern auch davon, ob daraus tatsächlich genügend anrechenbare Einnahmen entstehen.

Bei 40 Milliarden US-Dollar USDe könnten die jährlichen ENA-Käufe nach Berechnung der Bank ungefähr 23 Prozent der aktuellen Marktkapitalisierung des Tokens entsprechen – sofern der Preis unverändert bliebe. Standard Chartered hält eine solche Quote nicht für dauerhaft tragfähig: Mit steigender Bewertung würden die erwarteten Käufe bereits im Tokenpreis berücksichtigt, sodass ihr Anteil an der Marktkapitalisierung sinken könnte. Als Vergleich verweist die Bank auf Uniswap, wo die annualisierte Rückkaufquote nach Aktivierung des Fee-Switches bei etwa 3 bis 4 Prozent gelegen habe.

Eine Renditeannahme von 6 Prozent spielt in der zugrunde liegenden Modellierung eine Rolle, ist aber ausdrücklich eine illustrative Annahme und keine Zusage. Das ist wichtig, weil Ethena nicht den gesamten Ertrag der Vermögenswerte hinter USDe als eigene Einnahme verbuchen kann. Wer die Berechnung nachvollziehen will, sollte außerdem berücksichtigen, dass neue Ertragsquellen wie Aktien-Perpetuals für die USDe-Deckung erst zeigen müssen, wie gut sie sich im größeren Maßstab tragen.

Standard Chartered sieht den Mechanismus als Grundlage für das Kursziel, nicht als bereits laufenden Rückkaufmotor. Solange USDe unter der Schwelle von 7,5 Milliarden US-Dollar bleibt, ist die erste Stufe der vorgesehenen Einnahmenzuweisung nicht erreicht. Die Prognose muss daher an konkreten Zwischenschritten gemessen werden – beginnend mit dem Wiederaufbau der Stablecoin-Versorgung.

Das Aufwärtsszenario braucht neue Erträge – und belastbare Nachfrage

Für das bullische Szenario muss USDe zunächst die 7,5-Milliarden-Schwelle überschreiten und anschließend wieder über sein früheres Niveau von 10 Milliarden US-Dollar hinauswachsen. Auf dem Weg zum Ziel von 40 Milliarden US-Dollar sollen neben der ursprünglichen Handelsstrategie auch DeFi-Kredite, institutionelle Kredite, liquide Stablecoins, Real-World-Assets sowie Basisgeschäfte mit Aktien und Rohstoffen Erträge liefern. Ethena baut zudem White-Label-Stablecoins und Ethena Pay aus; die Zahlungs-App eröffnet einen weiteren möglichen Anwendungsbereich für USDe.

Die Bank verbindet diese Expansion mit einem starken Wachstum tokenisierter Vermögenswerte: Der Markt soll laut ihrer Schätzung von rund 350 Milliarden auf 4 Billionen US-Dollar bis Ende 2028 steigen. Blockchainbasierte Real-World-Assets könnten im selben Zeitraum von etwa 40 Milliarden auf 2 Billionen US-Dollar wachsen. Ein größerer Markt würde Ethena zusätzliche Sicherheiten und Renditequellen eröffnen. Die Ausweitung von Ethena Pay auf Zahlungen passt in diese Strategie, ersetzt aber nicht den Nachweis, dass das Kerngeschäft genügend USDe-Nachfrage anzieht.

Dem steht ein substanzielles Umsetzungsrisiko gegenüber. Die Erträge aus der ursprünglichen Basisstrategie – dabei werden Spot-Kryptoanlagen mit Short-Positionen in Perpetual Futures kombiniert – sind mit sinkenden Funding-Raten zurückgegangen. Standard Chartered beziffert die gemischte Rendite der Strategien derzeit auf rund 5,2 Prozent. Auch wenn neue Quellen die Abhängigkeit vom Krypto-Handel verringern, müssen sie große zusätzliche Einlagen aufnehmen können, ohne dass ihre Renditen deutlich sinken.

Hinzu kommt ein möglicher Zielkonflikt: Je mehr Protokollmarge für ENA-Käufe reserviert wird, desto weniger kann für die Rendite von sUSDe-Haltern übrig bleiben. Werden die Auszahlungen dadurch weniger attraktiv, könnte das wiederum die Einlagen bremsen, die für das Wachstum von USDe benötigt werden. Außerdem sind die höheren Stufen der Umsatzabschöpfung bislang nicht in jener Größenordnung erprobt, die der Prognose zugrunde liegt. Das 2-Dollar-Ziel ist deshalb ein langfristiges, voraussetzungsreiches Szenario und keine unmittelbare Kursaussage.

Für Anleger ist die Marke von 7,5 Milliarden US-Dollar USDe der wichtigste kurzfristige Prüfpunkt. Danach wären die Rückkehr über 10 Milliarden und der Nachweis skalierbarer Renditequellen entscheidend, bevor 40 Milliarden US-Dollar als belastbare Wachstumsannahme gelten können. Erst wenn Ethena diese Schritte mit wettbewerbsfähigen Erträgen verbindet, wird das Rückkaufmodell hinter dem ENA-Ziel von 2 US-Dollar für Ende 2028 überzeugender.

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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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