Die Solana Foundation hat Solana DvP gestartet: einen offenen Standard, mit dem Finanzinstitutionen Wertpapier und Zahlung auf der Blockchain gemeinsam abwickeln sollen. J.P. Morgan gab nach Angaben der Foundation Input zu institutionellen Abwicklungspraktiken; der entscheidende Anspruch lautet, mehrtägige Abläufe durch eine atomare Transaktion mit Finalität in Sekunden zu ersetzen.
Das Wichtigste im Überblick:
- Solana DvP ist ein Open-Source-Escrow-Programm mit standardisierter Schnittstelle für Delivery-versus-Payment.
- Asset und Zahlung sollen gemeinsam abgewickelt werden – oder beide Vorgänge scheitern.
- J.P. Morgan unterstützte die Entwicklung mit Input, ist laut Primärquelle aber nicht als Betreiber des Programms genannt.
Solana DvP: Ein offener Standard für atomare Abwicklung
Solana DvP ist ein Open-Source-Escrow-Programm mit einer standardisierten API, also einer Schnittstelle, über die Institutionen die Abwicklung in ihre Systeme einbinden können. Es steht unter der MIT-Lizenz. Diese erlaubt die Nutzung und Weiterentwicklung des Programms, ohne dass dafür eine proprietäre Lösung oder Lizenzgebühr erforderlich ist.
Das Kürzel DvP steht für Delivery-versus-Payment, auf Deutsch etwa Lieferung gegen Zahlung. Dabei wechseln ein Vermögenswert und das dafür geschuldete Geld gleichzeitig den Besitzer. Solana DvP soll beide Seiten in einer einzigen atomaren Transaktion abwickeln: Wird eine Seite nicht erfüllt, kommt auch die andere nicht zustande.
Das unterscheidet den Ansatz von üblichen Abläufen, bei denen Clearinghäuser, Zentralverwahrer und Verwahrer mehrere Schritte koordinieren. Solche Prozesse können ein bis zwei Tage dauern und Kapital in der Zwischenzeit binden. Der neue Standard soll die Abwicklung auf Sekunden verkürzen und zugleich verhindern, dass eine Partei bereits gezahlt hat, während die vereinbarte Lieferung noch aussteht.
Bislang waren institutionelle On-Chain-Geschäfte häufig auf eigens entwickelte Smart Contracts angewiesen. Ein gemeinsamer Standard könnte den Aufwand für solche Einzellösungen verringern und die technische Grundlage für wiederkehrende Abwicklungen vereinheitlichen. Die Solana Foundation gibt an, dass das Programm externe Sicherheitsprüfungen durchlaufen hat.
Unterstützt werden SPL Token und Token-2022. Der Token-2022-Standard ermöglicht unter anderem Erweiterungen, die für regulierte Emittenten relevant sein können: Ein „permanent delegate“ kann bestimmte Verwaltungsrechte erhalten, pausierbare Token lassen sich bei Bedarf stoppen, und Transfer-Hooks können zusätzliche Regeln bei einer Übertragung ausführen. Diese Funktionen erweitern die technischen Möglichkeiten, ersetzen aber nicht die Prüfung, ob ein konkretes Produkt regulatorische Anforderungen erfüllt.
J.P. Morgans Beitrag und die Bedeutung für Institutionen
J.P. Morgan war laut Primärquelle an der Entwicklung beteiligt, indem die Bank Input zu institutionellen Abwicklungspraktiken gab. Daraus folgt nicht, dass sie das Programm betreibt oder selbst Transaktionen darüber abwickelt. Rhodel D’souza, bei J.P. Morgan für digitale Vermögenswerte im Markets-Bereich verantwortlich, bezeichnete einen gemeinsamen offenen Standard für atomare DvP-Abwicklungen als grundlegende Infrastruktur, die institutionelle Marktteilnehmer benötigen.
Catherine Gu, Head of Product for Digital Assets bei der Solana Foundation, argumentierte, die atomare Abwicklung beseitige das im traditionellen Finanzwesen angelegte Gegenparteirisiko. Außerdem solle Solana DvP Institutionen einen offenen Standard auf öffentlicher Infrastruktur bieten, dessen Finalität in Sekunden statt Tagen erreicht werde. Das ist das zentrale Versprechen des Projekts; wie zuverlässig es sich im laufenden Betrieb umsetzen lässt, muss sich in der tatsächlichen Nutzung erweisen.
Der Start fällt in eine Phase, in der tokenisierte Vermögenswerte auf Solana bereits institutionelle Anwendungsfälle umfassen. Die Primärquelle nennt tokenisierte Geldmarkt- und Treasury-bezogene Produkte von BlackRock auf Solana und Ethereum sowie tokenisierte US-Aktien, die Kraken über sein xStocks-Angebot Kunden außerhalb der USA zugänglich macht. Solana DvP setzt damit nicht bei einem abstrakten Anwendungsfall an: Der Standard zielt auf die Abwicklung von Vermögenswerten, die bereits als Token auf öffentlichen Blockchains ausgegeben werden.
Für Anleger ist die Infrastruktur relevant, weil eine standardisierte Abwicklung ein Hindernis für institutionelle On-Chain-Angebote reduzieren könnte. Tokenisierte Aktien sind ein Beispiel dafür, wie traditionelle Wertpapiere auf Solana verfügbar gemacht werden; entscheidend bleibt aber nicht nur die Ausgabe eines Tokens, sondern auch eine verlässliche Abwicklung von Handel und Zahlung. Ähnliche Fragen zu Sicherheiten und Abwicklungsprozessen stellen sich bei tokenisierten Staatsanleihen und On-Chain-Repos.
Datenschutz und Praxiseinsatz bleiben entscheidend
Ein offener Standard auf einer öffentlichen Blockchain bringt auch eine Frage mit sich: Nicht jede Institution möchte Handelsdetails für alle Netzwerkteilnehmer sichtbar machen. Die Solana Foundation plant deshalb zusätzliche Datenschutzfunktionen, mit denen Abwicklungen vertraulich gehalten werden können. Im Primärinhalt werden diese Funktionen als geplant beschrieben, nicht als bereits verfügbar.
Der nächste wichtige Prüfstein ist, ob Finanzinstitutionen die standardisierte Schnittstelle und die unterstützten Token-Funktionen in realen Abwicklungsprozessen einsetzen. Die externe Sicherheitsprüfung ist ein relevanter Entwicklungsschritt, aber keine Garantie für reibungslose Nutzung oder institutionelle Akzeptanz. Für Solana wäre ein erfolgreicher Praxiseinsatz ein weiterer Baustein im Wettbewerb um die Infrastruktur tokenisierter Finanzprodukte; für Anleger ist er zunächst ein technologisches Signal und keine unmittelbare Aussage über den SOL-Kurs.
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