Die SEC will mehr geeignete Geschäfte mit US-Staatsanleihen zentral abwickeln lassen – eine Änderung, die sich über Handels- und Finanzierungskosten bis zur Liquiditätsplanung von Stablecoin-Emittenten auswirken kann. Wie CryptoSlate berichtet, hängt für Nutzer nicht nur von den Reserven ab, ob ein Emittent Dollar auszahlen kann, sondern auch davon, wie schnell und zu welchen Konditionen er darauf zugreifen kann.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Die Clearingpflicht betrifft bestimmte Treasury-Geschäfte und nicht jeden Kauf von US-Staatsanleihen.
  • Netting kann Dealer entlasten, doch Sicherheiten, Gebühren und begrenzter Anbieterzugang können einen Teil des Vorteils aufzehren.
  • Eine effizientere Abwicklung könnte Rücknahmen erleichtern, bedeutet aber weder automatisch niedrigere Kosten noch eine neue Stablecoin-Gebühr.

Zentrale Abwicklung soll Treasury-Geschäfte absichern

Bei der zentralen Abwicklung steht eine Clearingstelle zwischen den Handelsparteien: Sie wird gegenüber jedem Verkäufer zum Käufer und gegenüber jedem Käufer zum Verkäufer. Fällt ein Teilnehmer aus, kann die Clearingstelle das erfasste Geschäft nach ihren Regeln abwickeln, statt dass die andere Seite ihre Ansprüche allein beim ausgefallenen Unternehmen durchsetzen muss.

Diese Absicherung benötigt finanzielle Ressourcen und kann beeinflussen, was Unternehmen für Handel und Finanzierung bezahlen. Für Stablecoin-Anbieter ist das relevant, weil sie Treasury-Wertpapiere oder daran anknüpfende Finanzierungsdienste nutzen können, um Reserven in Dollar umzuwandeln und Rücknahmen zu bedienen. Die SEC-Fristen liegen laut dem Bericht beim 31. Dezember 2026 für geeignete direkte Käufe und Verkäufe von Treasuries sowie beim 30. Juni 2027 für geeignete Repo-Geschäfte. SEC-Kommissar Mark Uyeda erklärte demnach am 22. September, die Behörde beabsichtige derzeit nicht, die Fristen zu verlängern.

Die Vorgaben erfassen bestimmte Geschäfte unter Beteiligung von Clearing-Mitgliedern. Sie bedeuten also nicht, dass künftig jeder Käufer einer US-Staatsanleihe jedes Geschäft über eine Clearingstelle leiten muss.

Der Hintergrund ist, dass der Besitz einer Anleihe nicht automatisch sofort verfügbares Bargeld bedeutet. Ein Fonds, der Dollar benötigt, bevor die Staatsanleihe fällig wird, kann sie verkaufen oder in einem Repo vorübergehend gegen Geld übertragen und später zurückkaufen. Das Repo funktioniert wirtschaftlich wie ein kurzfristiger, durch die Anleihe besicherter Kredit; Dealer, meist Banken oder Wertpapierfirmen, vermitteln und finanzieren einen großen Teil solcher Geschäfte.

Laut Fed-Forschung stieg das Volumen der Geschäfte, die in die Berechnung des SOFR einfließen, von rund einer Billion US-Dollar Anfang 2022 auf etwa drei Billionen. SOFR ist ein Referenzsatz für kurzfristige, durch Treasuries besicherte Kredite. Diese Zahlen bilden jedoch nur die in den Benchmark einfließenden Transaktionen ab und nicht den gesamten Repo-Markt. Wie Staatsanleihen als Sicherheiten für kurzfristige Finanzierung eingesetzt werden, zeigt den praktischen Zusammenhang zwischen Wertpapierbesitz und Liquidität.

Das Eccles Building, das Hauptgebäude der Federal Reserve in Washington, D.C.
Das Hauptgebäude der US-Notenbank Federal Reserve in Washington

Ein möglicher Vorteil des Clearings ist das sogenannte Netting: Gegenläufige Zahlungsverpflichtungen werden miteinander verrechnet. Muss ein Dealer beispielsweise 100 Dollar zahlen und erhält am selben Abrechnungstag 95 Dollar, könnte sich die Zahlung bei zulässiger Verrechnung über dieselbe Clearingstelle auf fünf Dollar reduzieren. Dadurch können weniger Mittel für die Abwicklung nötig sein. Ob Kunden günstiger finanzieren, hängt aber davon ab, wie stark die Dealer entlastet werden, welche Clearingkosten entstehen und ob Einsparungen weitergegeben werden.

Sicherheiten und Zugang bestimmen die tatsächlichen Kosten

Eine Clearingstelle braucht finanzielle Mittel und Sicherheiten, um mögliche Verluste bei einem Ausfall aufzufangen. Dazu zählt die sogenannte Margin: Bargeld oder zugelassene Wertpapiere, die ein Teilnehmer für seine Position bereithalten muss. Das Kapital bleibt damit gebunden, auch wenn das Unternehmen es an anderer Stelle einsetzen könnte. Eine Transaktion kann im Gesamtverlauf tragbar sein und dennoch kurzfristig zusätzliche Sicherheiten erfordern.

Viele Kunden benötigen zudem einen Anbieter, der ihnen den Zugang zum Clearing ermöglicht. Die Fixed Income Clearing Corporation (FICC) bietet dafür unter anderem einen Sponsored Service: Ein zugelassenes Mitglied übernimmt operative Aufgaben und garantiert bestimmte Verpflichtungen seiner Kunden. Für diese Arbeit und das zusätzliche Risiko kann der Sponsor eigene Konditionen ansetzen. Bei einem weiteren FICC-Modell, Collateral-in-Lieu, müssen geeignete Geldgeber laut CryptoSlate unter den jeweiligen Bedingungen keine Initial Margin stellen.

Die gesamte Rechnung hängt daher nicht allein davon ab, ob Netting Transaktionen effizienter macht. Zu berücksichtigen sind auch Anbietergebühren und die Kosten, Sicherheiten verfügbar zu halten. Eine von der DTCC im Juli veröffentlichte Umfrage unter FICC-Mitgliedern verdeutlicht den möglichen Unterschied zwischen technischer Bereitschaft und tatsächlichem Zugang: 79 Prozent der antwortenden Netting-Mitglieder verfügten bereits über die nötigen Kontostrukturen, aber nur rund ein Drittel erwartete, Treasury-Cash-Clearing für Kunden anzubieten.

Die Zahlen beziehen sich auf die Umfrageteilnehmer und belegen nicht, dass Kunden ausgeschlossen werden. Sie zeigen jedoch, dass ein Händler, der die Vorgaben erfüllen kann, nicht zwangsläufig auch neue Kunden aufnehmen will. Bei wenigen verfügbaren Anbietern kann der Wettbewerb zudem schwächer ausfallen – und damit auch der Anreiz, mögliche Einsparungen weiterzugeben.

Rücknahmen hängen auch von Betriebszeiten ab

Emittenten dollarbasierter Stablecoins können einen Teil ihrer Reserven in kurzfristigen US-Staatsanleihen halten, die Erträge abwerfen und in einem großen Markt weiterverkauft werden können. Bei einer Rücknahme schuldet der Emittent dem berechtigten Kunden jedoch Dollar. Dafür braucht er entweder ausreichend Bargeld oder einen verlässlichen Weg, Reserveanlagen zu verkaufen beziehungsweise kurzfristig zu finanzieren.

Eine Reihe verschiedener Stablecoin-Logos vor einem glitzernden, goldenen digitalen Hintergrund.
Verschiedene dollarbasierte Stablecoins und Krypto-Token.

Wie leicht das gelingt, hängt auch von Banken, Fondsmanagern und weiteren Dienstleistern ab – unabhängig davon, ob der Emittent selbst handelt oder über Zwischenstellen arbeitet. Werden Treasuries effizienter oder günstiger verkauft und finanziert, kann das die Rücknahmeverwaltung erleichtern. Steigen die Kosten für den Zugang, kann sich die Reserveverwaltung verteuern; daraus folgt aber nicht automatisch eine neue Gebühr für Stablecoin-Nutzer. Der Zusammenhang zwischen Stablecoin-Reserven, Treasury-Verkäufen und Rücknahmen ist vor allem dann relevant, wenn viele Kunden gleichzeitig Dollar verlangen.

Eine Token-Übertragung kann rund um die Uhr stattfinden, eine Auszahlung des Emittenten auf ein Bankkonto ist damit aber nicht gleichzusetzen. Banken und Wertpapierdienstleister arbeiten nicht zwingend zu jeder Stunde, sodass der Emittent die Lücke zwischen jederzeit möglicher Übertragung und möglicher Dollarzahlung einplanen muss. Ein größerer sofort verfügbarer Bargeldbestand kann Rücknahmen erleichtern, aber geringere Erträge bringen. Eine stärkere Abhängigkeit vom Verkauf oder von der Finanzierung von Wertpapieren macht wiederum verlässliche Dienstleister wichtiger.

Für Anleger und Emittenten sind deshalb nicht nur der 31. Dezember 2026 und der 30. Juni 2027 als Clearing-Fristen relevant. Entscheidend ist auch, ob Netting tatsächlich mehr Dealer-Kapazität schafft, wie viele Anbieter Kunden aufnehmen und welche Gebühren sowie Sicherheiten sie verlangen. Ebenso wichtig bleibt, ob Stablecoin-Anbieter genügend Bargeld und belastbare Bank- und Wertpapierbeziehungen für Rücknahmen außerhalb üblicher Marktzeiten vorhalten. Die US-Vorgaben zu Stablecoin-Reserven und Banken bilden dabei einen zusätzlichen Teil des regulatorischen Umfelds.

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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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