Aztec Labs hat zk.money als selbstverwahrte Privacy-Wallet auf dem Aztec Network neu gestartet. Die Anwendung läuft auf einem Ethereum-Layer-2 und nutzt zum Start den Stablecoin DAI: Sobald Einzahlungen in das Netzwerk übertragen wurden, sollen Kontostände und Zahlungsdetails nicht mehr öffentlich einsehbar sein. Der Weg dorthin beginnt jedoch mit einer gewöhnlichen, öffentlich nachvollziehbaren Ethereum-Transaktion.
Das Wichtigste im Überblick:
- zk.money ist zurück und läuft nun auf dem Aztec Network statt auf der Infrastruktur der früheren Version.
- Zum Start unterstützt die Wallet DAI; der Privatsphärenschutz greift erst nach dem Transfer in das Layer-2.
- Einzelne Einzahlungen, Zahlungen und Abhebungen sind auf 2.500 US-Dollar begrenzt; das systemweite tägliche Einzahllimit beträgt 50.000 US-Dollar.
- Sanktionsprüfungen und Nutzungsbeschränkungen stehen einer weiterhin offenen Rechtsfrage gegenüber.
zk.money kehrt auf einer neuen Infrastruktur zurück
Die erste Version von zk.money startete 2021 und wurde 2023 eingestellt. Aztec Labs hat nach eigenen Angaben nichts aus dem alten Produkt übernommen. Dazu gehören auch zwei inzwischen stillgelegte Verträge, aus denen Angreifer im Juni jeweils rund 2,2 Millionen US-Dollar abziehen konnten. Das Unternehmen grenzt den Neustart damit ausdrücklich von den früheren Verträgen ab.
Die neue Wallet baut auf dem Aztec Network auf, einem Layer-2-Netzwerk für Ethereum. Nutzer zahlen zunächst DAI von einer Ethereum-Adresse an eine neue Adresse ein. Dieser erste Transfer bleibt auf Ethereum sichtbar; der zusätzliche Schutz beginnt erst, wenn die Mittel in das Aztec Network gelangen. Innerhalb der Wallet sollen weder Kontostände noch die Details der Transaktionen in einem öffentlichen Register offengelegt werden.
Für Zahlungen können Nutzer einen Namen wie kyle.zk.money beanspruchen, der auf dem Ethereum Name Service (ENS) basiert. Statt eine lange Wallet-Adresse weiterzugeben, lässt sich ein Link zum Senden oder Anfordern einer Zahlung teilen. Aztec Labs zufolge besitzen die Wallet-Verträge keinen Admin-Key, also keinen privilegierten Schlüssel, mit dem ein Betreiber die Verträge zentral steuern könnte. Das ist eine technische Eigenschaft des Produkts, aber keine Garantie dafür, dass jede Nutzung anonym bleibt.
Die frühere Version kam laut Unternehmens-FAQ in ihrem ersten Jahr auf mehr als 75.000 einzigartige Wallets und ein Transaktionsvolumen von über 100 Millionen US-Dollar. Für die neue Version nennt die primäre Berichterstattung DAI als Stablecoin zum Start. Eine Unterstützung von USDC oder USDT ist damit nicht belegt. Wer den kryptografischen Hintergrund verstehen möchte, findet eine Erklärung dazu, wie Zero-Knowledge-Proofs Daten schützen können.
Privatsphäre endet nicht bei der Technik
Joe Andrews, CEO von Aztec Labs, begründete den Ansatz mit dem Anspruch, persönliche Finanzdaten nicht durch jede On-Chain-Zahlung offenzulegen. Er erklärte, für den Neustart sollten von Anfang an Stablecoins verwendet werden; konkret ist es DAI. Andrews formulierte die Grundidee in einer Stellungnahme so: “Onchain transactions between two individuals shouldn’t mean publishing your financial history to the world,”
Die Privatsphäre ist allerdings mit Kontrollen und niedrigen Startlimits verbunden. Laut Andrews prüft das Frontend Einzahlungsadressen auf Sanktionen; unabhängige Relayer, die Transaktionen weiterleiten, kontrollieren sowohl die Adresse, von der eine Einzahlung kommt, als auch das Ziel einer Abhebung anhand einer Sanktionsrichtlinie. Dafür wird der Anbieter Predicate eingesetzt. Jede Einzahlung, Zahlung und Abhebung ist auf 2.500 US-Dollar begrenzt; das tägliche Einzahllimit von 50.000 US-Dollar gilt systemweit und nicht pro Nutzer.
Diese Leitplanken sind vor dem Hintergrund der Strafverfahren gegen Entwickler von Privacy-Software relevant. Die Mitgründer von Samourai Wallet, Keonne Rodriguez und William Lonergan Hill, erhielten im November 2025 Haftstrafen von fünf beziehungsweise vier Jahren. Die Vorwürfe betrafen unter anderem das Ermöglichen von Privacy-Funktionen in einer nicht verwahrenden Bitcoin-Wallet.
Auch die Aufhebung der Sanktionen gegen Tornado Cash im März 2025 beendete das damit verbundene Strafverfahren nicht. Roman Storm wurde im August 2025 wegen Verschwörung zum Betrieb eines nicht lizenzierten Geldtransfergeschäfts verurteilt; bei den Vorwürfen der Geldwäsche und Sanktionsverstöße konnte sich die Jury nicht einigen. Eine Wallet wie zk.money bewegt sich deshalb in einem regulatorischen Umfeld, in dem die US-Rechtslage für solche Angebote nach der Berichterstattung vom 29. September 2026 nicht abschließend geklärt ist. Der Vergleich mit Privacy-orientierten Kryptowährungen wie Zcash hat Grenzen: zk.money schützt Zahlungen mit einem Stablecoin, der weiterhin in das Finanzsystem eingebunden ist.
Verträge, Nutzungsbedingungen und offene Fragen
Auf Fragen zu möglichen rechtlichen Risiken verwies Aztec Labs auf die Abschnitte 3 und 7 der Nutzungsbedingungen. Sie behandeln unter anderem die nicht verwahrende Architektur und Erklärungen zur Geldwäscheprävention. Die rechtliche Einheit, die in den Bedingungen genannt wird, ist allerdings Obsidion Labs Limited und nicht Aztec Labs. Laut Abschnitt 3 ist Obsidion keine Partei der Übertragungen und betreibt oder profitiert nicht von den Relayern.
Die Bedingungen schließen außerdem Personen aus, die sich im Vereinigten Königreich oder in New York aufhalten oder dort ihren Wohnsitz haben, sowie Nutzer aus sanktionierten Ländern. Solche Beschränkungen sind keine vollständige technische Sperre: Wer VPN-Dienste nutzt, kann geografische Prüfungen unter Umständen umgehen. Die Wallet ist nicht verwahrend, doch das allein klärt nicht, wie Behörden die Rolle der Entwickler oder der beteiligten Infrastruktur bewerten.
Auch die Transaktionsgrenzen sind im sogenannten Portal-Contract festgeschrieben. Eine Erhöhung würde einen neuen Portal-Contract voraussetzen; Nutzer müssten anschließend selbst entscheiden, ob sie zu ihm wechseln. Damit sind die Limits nicht einfach eine Einstellung, die Aztec Labs kurzfristig für alle Konten anheben kann. Während Ethereum-Layer-2-Netzwerke zusätzliche Funktionen ermöglichen, bleiben ihre konkreten Grenzen und Sicherheitsannahmen für Nutzer entscheidend. Entwicklungen rund um Ethereums Skalierungspläne, darunter das geplante Hegotá-Upgrade, sind ein eigener Teil dieser größeren Debatte.
Für Nutzer zählt deshalb nicht nur, dass Zahlungen nach dem Wechsel ins Aztec Network weniger öffentlich nachvollziehbar sein sollen. Entscheidend sind ebenso der sichtbare Einzahlungsschritt, die Sanktionsprüfung, die Vertragsgestaltung und die Frage, ob Regulierer ein solches Modell akzeptieren. zk.money verbindet private Stablecoin-Zahlungen mit klaren Einschränkungen; ob diese Kombination rechtlich Bestand hat, ist mit dem Neustart noch nicht entschieden.
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