Die scheidende SEC-Kommissarin Hester Peirce hat auf der SIFMA Digital Assets Conference in New York gefordert, das bestehende KYC-Regime durch kryptografische Nachweisverfahren zu ersetzen. Zero-Knowledge-Proofs und attributbasierte Zertifikate könnten Fakten wie Alter oder Sanktionsstatus bestätigen, ohne dass Nutzer ihre vollständigen persönlichen Daten offenlegen müssen, argumentierte sie laut einem Bericht von Decrypt. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um Peirces persönliche Position, nicht um eine beschlossene Regel der Behörde – die Rede fiel nach ihren eigenen Angaben in ihre vorletzte Amtswoche als Kommissarin.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Peirce schlägt Zero-Knowledge-Proofs und attributbasierte Nachweise als Alternative zu umfassender KYC-Datensammlung vor
  • Sie kritisiert das aktuelle System als wachsenden Datenhaufen, der Verdächtige nicht leichter, sondern schwerer auffindbar macht
  • Jüngste Datenlecks bei Revolut und Trezor befeuern die Debatte um Sicherheitsrisiken durch zentrale KYC-Datenbanken
  • Die Äußerungen fallen in Peirces vorletzte Amtswoche als SEC-Kommissarin, eine formelle Regeländerung wurde nicht angekündigt

Zero-Knowledge-Proofs statt zentraler Datenspeicher

Der Kern von Peirces Vorschlag: Eine Zero-Knowledge-Proof verifiziert eine Tatsache, ohne die zugrunde liegenden Daten preiszugeben. Ein Nutzer könnte damit gegenüber einer Börse belegen, dass er volljährig ist oder nicht auf einer Sanktionsliste steht, ohne Name, Einkommen oder Adresse zu übermitteln. Dieselbe Technologie steht auch hinter privaten Kryptowährungsnetzwerken und -werten wie Zcash.

Peirce kritisierte das bestehende KYC/AML-Modell als Ansatz, bei dem Institutionen möglichst viele Informationen über möglichst viele Menschen sammeln, in der Hoffnung, darunter die wenigen Kriminellen zu finden. Je größer dieser Datenhaufen werde, desto schwerer werde es tatsächlich, die relevanten Fälle zu identifizieren. Als Alternative schlug sie vor, dass Firmen sich auf Verifizierungen durch Drittanbieter stützen, statt dieselben sensiblen Datensätze bei Dutzenden Institutionen jeweils erneut zu kopieren und zu speichern.

Datenlecks als Weckruf

Der Zeitpunkt der Rede ist kein Zufall. Der Fintech-Anbieter Revolut hatte zuvor Pässe und vollständige Bitcoin-Transaktionsverläufe von Kunden offengelegt, nachdem er eine betrügerische behördliche Datenanfrage bearbeitet hatte. Der Hardware-Wallet-Hersteller Trezor erlebte parallel Sicherheitsverletzungen bei einem Drittanbieter, die Zehntausende Kunden betrafen und in der Folge Phishing-Angriffe befeuerten.

Solche Vorfälle verstärken die Sorge vor sogenannten Wrench Attacks – physischen Übergriffen auf Krypto-Halter, deren Identität und Vermögenswerte durch geleakte Daten öffentlich geworden sind. Peirce, die als kryptofreundlichste Stimme der SEC gilt, warnte in diesem Zusammenhang vor sogenannten Datenmaximalisten, die pauschal davon ausgehen, dass mehr gesammelte Informationen immer besser seien. Sie verwies zudem auf die Innovation Exemption der SEC, die eine Woche vor ihrer Rede verkündet worden war und die tokenisierte Aktien im Rahmen automatisierter Marktmechanismen handelbar macht – ein Schritt, den SEC-Chef Paul Atkins als Zwischenstufe auf dem Weg zu dauerhafteren Regeln bezeichnet habe. Wie sich die Behörde insgesamt zur Verwahrung digitaler Vermögenswerte positioniert, bleibt dabei ein paralleler Baustein der laufenden Debatte.

Offene Fragen für Anleger und Branche

Peirces Vorschlag bleibt vorerst eine persönliche Position ohne formellen Regulierungsstatus. Offen ist, ob die SEC oder der Kongress tatsächlich einen Rahmen schaffen, der attributbasierte Verifizierung anstelle umfassender Identitätsspeicherung zulässt, und ob Firmen künftig auf portable kryptografische Nachweise oder externe Drittanbieter-Prüfungen zurückgreifen dürfen, statt redundante sensible Datensätze selbst vorzuhalten.

Ebenso unklar ist, wie sich die SEC-Initiativen rund um digitale Vermögenswerte insgesamt entwickeln – nachdem etwa der Clarity Act im Senat gescheitert ist, fehlt weiterhin eine übergreifende gesetzliche Grundlage, in die ein Konzept wie Peirces Vorschlag eingebettet werden könnte. Nach Einschätzung von Cryptopolitan handelt es sich vorerst um ein politisches Signal, nicht um eine verbindliche Weichenstellung – bis zur nächsten formellen Initiative bleibt der von Peirce beschriebene Datenpanoptikon-Zustand also unverändert bestehen.

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Patrick Krauss
Patrick Krauss
Krypto-Analyst & Review-Faktenchecker

Patrick Krauss ist Krypto-Analyst und Autor bei 99Bitcoins und verantwortlich für das Faktenchecking von Krypto-Börsen- und Broker-Reviews. Er prüft sämtliche Inhalte auf fachliche Richtigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit und stellt sicher, dass Angaben zu Gebühren, Handelsbedingungen, Regulierung, Sicherheitsstandards und Risikohinweisen korrekt... Mehr lesen

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