Der neutrale RSI von 50,2 signalisiert, dass sich Zcash nach der Rallye abgekühlt hat, während der Kurs am Donnerstag bei 1.333,50 US-Dollar rund 21 Prozent unter seinem Hoch lag. Trotz eines ETF-Nettoabflusses von 30,25 Millionen US-Dollar spricht die übergeordnete Chartstruktur bislang nicht für einen bestätigten Trendbruch.
Das Wichtigste im Überblick:
- ZEC notierte bei 1.333,50 US-Dollar und damit rund 21 Prozent unter dem Hoch von 1.698 US-Dollar.
- Grayscales Zcash-ETF ZCSH verzeichnete am 30. September einen Nettoabfluss von 30,25 Millionen US-Dollar; die kumulierten Nettozuflüsse lagen dennoch bei fast 268 Millionen US-Dollar.
- Ein Tagesschluss unter 1.233 US-Dollar wäre ein wichtiges Warnsignal. Bei einer Rückeroberung von 1.410,72 US-Dollar wäre die Rallye-These laut Chartanalyse wieder gestärkt.
Zcash korrigiert nach einem Anstieg von 253 Prozent
Die Momentaufnahme vom 1. Oktober zeigt einen Tagesverlust von 7,29 Prozent. ZEC war zuvor von 480,72 US-Dollar auf 1.698 US-Dollar gestiegen – ein Plus von rund 253 Prozent. Ein Rückgang um etwa ein Fünftel wirkt vor diesem Hintergrund erheblich, ist nach einem derart steilen Anstieg aber nicht automatisch ein Signal für das Ende der Rallye.
Entscheidend sind die Kursmarken: Ein Tagesschluss unter 1.233 US-Dollar würde laut der im Ausgangsbericht ausgewerteten Chartanalyse die sogenannte Golden Zone ins Spiel bringen, einen Bereich, der für die weitere Korrektur relevant sein könnte. Eine Rückeroberung von 1.410,72 US-Dollar würde dagegen dafür sprechen, dass ZEC den Aufwärtstrend wieder aufnimmt.
Der Relative Strength Index (RSI) liegt bei 50,2. Der Indikator misst das Verhältnis jüngster Aufwärts- und Abwärtsbewegungen auf einer Skala von 0 bis 100; ein Wert um 50 gilt als neutral. ZEC erscheint damit nach den zuvor überkauften Werten weder überdehnt noch bereits deutlich überverkauft.
Chart und ETF-Daten zeigen zwei Seiten des Marktes
Der Average Directional Index (ADX) steht bei 52. Er misst die Stärke eines Trends, nicht dessen Richtung; Werte über 25 gelten üblicherweise als Hinweis auf einen starken Trend. Der hohe Wert stützt daher nicht für sich genommen die Annahme, dass der Kurs weiter steigen muss: Der ADX reagiert verzögert und kann nach einem steilen Anstieg auch während fallender Kurse hoch bleiben.
Auch die gleitenden Durchschnitte sprechen vorerst für eine intakte Struktur. Der exponentielle gleitende Durchschnitt über 50 Tage liegt weiterhin über seinem Pendant über 200 Tage; bei der Berechnung werden jüngere Kurse stärker gewichtet. Erst ein anhaltender, schneller Rückgang könnte die beiden Linien einander annähern und einen möglichen Trendwechsel deutlicher sichtbar machen.
Ein früherer Rücksetzer liefert einen Vergleich, aber keine Garantie für eine Wiederholung: Im Juni fiel ZEC von 635 US-Dollar zeitweise bis auf 309 US-Dollar, nachdem eine kritische Schwachstelle im Shielded Pool bekannt geworden war. Danach stieg der Kurs wieder über 1.600 US-Dollar. Der damalige Verlauf zeigt, dass heftige Korrekturen und spätere Erholungen bei Zcash bereits zusammen auftraten.
Auf der Nachfrageseite steht der ETF-Abfluss. Grayscale startete den Zcash-ETF ZCSH am 25. August; bis Mitte September hatte der Fonds 233 Millionen US-Dollar an Nettozuflüssen angesammelt. Am 30. September flossen 30,25 Millionen US-Dollar netto ab. Die kumulierten Nettozuflüsse seit dem Start lagen anschließend trotzdem noch bei fast 268 Millionen US-Dollar – der einzelne Abflusstag belegt also noch keine längerfristige Kapitalflucht.
Zusätzlichen Druck auf die Stimmung kann der Bitget-Hack ausüben. Bei dem Angriff am 24. September wurden rund 387 Millionen US-Dollar gestohlen; die Schätzung stieg, als Überweisungen über die Zcash- und Tron-Blockchains berücksichtigt wurden. Der On-Chain-Ermittler ZachXBT meldete, dass 2.746 ZEC im Wert von etwa 3,9 Millionen US-Dollar aus hackbezogenen Adressen in den Shielded Pool verschoben wurden, der Absender, Empfänger und Beträge verbirgt.

Bitgets CEO brachte den Angriff mit nordkoreanischen Hackergruppen in Verbindung, eine endgültige Zuschreibung lag laut Ausgangsbericht jedoch nicht vor. Der Bericht bewertet den Hack zudem nicht als wahrscheinlichen Auslöser des Tagesrückgangs. Für die Wahrnehmung von Zcash bei institutionellen Anlegern und die regulatorische Debatte bleibt die Nutzung seiner Datenschutzfunktion durch hackbezogene Gelder dennoch ein Belastungsfaktor.
Auch das makroökonomische Umfeld war am 1. Oktober uneinheitlich: Bitcoin gab einen zwischenzeitlichen Anstieg auf 85.600 US-Dollar wieder ab. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen schloss bei 5,29 Prozent; zugleich sank laut CME FedWatch die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober auf unter 50 Prozent. Diese Momentaufnahme liefert keinen eindeutigen Rückenwind für den Kryptomarkt.
Bull- und Bear-Szenario: Die nächsten Marken zählen
Im Bull-Szenario bleibt der Rückgang eine Korrektur nach einer außergewöhnlich starken Rallye. Dafür sprechen der neutrale statt überverkaufte RSI, der 50-Tage-EMA oberhalb des 200-Tage-EMA und die weiterhin positiven kumulierten ETF-Zuflüsse. Eine Rückeroberung von 1.410,72 US-Dollar würde diese Lesart stärken; der Anstieg über 1.600 US-Dollar nach dem Einbruch im Juni zeigt, dass eine Erholung nach einem starken Rücksetzer möglich ist.
Das Bear-Szenario gewinnt an Gewicht, wenn weitere ETF-Abflüsse auf den aktuellen Rücksetzer folgen und sich der Kurs der Schwelle von 1.233 US-Dollar nähert. Ein Tagesschluss darunter wäre das zentrale technische Warnsignal der Analyse. Gleichzeitig könnte eine anhaltend schnelle Abwärtsbewegung die beiden gleitenden Durchschnitte zusammenführen; der ADX von 52 wäre in diesem Fall kein Gegenargument, weil er die Richtung nicht angibt.
Nach den verfügbaren Daten spricht mehr für eine laufende Korrektur oder Konsolidierung als für einen bereits bestätigten Zusammenbruch. Die Rallye-These bleibt jedoch an Bedingungen geknüpft: 1.233 US-Dollar markiert die wichtige Unterseite, während 1.410,72 US-Dollar als Schwelle für einen erneuten Aufwärtsversuch gilt. Der ETF-Abfluss und die Folgen des Hacks erhöhen die Unsicherheit, ohne die längerfristige Trendstruktur bislang eindeutig zu kippen.
Anleger, die ZEC im Portfolio halten oder einen Einstieg erwägen, sollten die hohe Volatilität berücksichtigen und Kursmarken nicht als Garantie für eine bestimmte Entwicklung verstehen. Für deutsche Privatanleger können zudem Haltedauer und individuelle Umstände für die steuerliche Behandlung von Krypto-Veräußerungen relevant sein.
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