Die Division of Corporation Finance der US-Börsenaufsicht SEC hat am Freitag, den 25. September, ein Staff-FAQ veröffentlicht, das zwischen zwei möglichen Einstufungen für Staking-Token unterscheidet – ohne Coinbases cbETH oder Lidos stETH namentlich zuzuordnen. Im Zentrum steht die Frage, wer die zugrunde liegenden ETH kontrolliert und welcher Weg zurück zum liquiden Asset führt.

Das Wichtigste im Überblick:

  • SEC-Mitarbeiter unterscheiden zwischen Quittungen, die als „digital tool“ gelten können, und protokollbasierten Token, die als „digital commodity“ eingestuft werden könnten
  • Weder cbETH noch stETH werden im FAQ namentlich klassifiziert – die Antworten bleiben konditional und unverbindlich
  • Bei cbETH folgt auf das Unwrapping ein separater Unstaking-Antrag bei Coinbase, bevor ETH verfügbar wird
  • stETH nutzt eine protokollinterne Warteschlange, die durch Validator-Exits verlangsamt werden kann
  • In beiden Fällen kann der Marktpreis des Token vom Wert der zugrunde liegenden ETH-Position abweichen

Die SEC unterscheidet zwischen Quittung und Protokoll-Token

Das FAQ definiert eine Quittung über die Rechte, die sie verbrieft: Sie bestätigt, dass ein Asset hinterlegt wurde und der Einleger Eigentümer bleibt. Der Emittent darf das hinterlegte Asset laut dieser Beschreibung nicht übertragen, verleihen, verpfänden oder anderweitig verwenden. Fällt ein Token unter diese Definition und ist das zugrunde liegende Krypto-Asset selbst kein Wertpapier, kann er als „digital tool“ gelten.

Ein von einem Protokoll ausgegebener Liquid-Staking-Token kann dagegen selbst zur „digital commodity“ werden, wenn sein Wert an ein funktionierendes Krypto-System sowie Angebot und Nachfrage gekoppelt ist. Das Wort „kann“ ist dabei entscheidend: Keine der beiden Kategorien wird einem konkreten Produkt allein deshalb zugewiesen, weil es als Staking-Token bezeichnet wird. Genau diese konditionale Sprache greift die Argumentation aus der SEC-Leitlinie zur Einordnung von Token als Wertpapiere auf, die bereits im März eine ähnliche Differenzierung vorgenommen hatte.

Zwei unterschiedliche Rückgabewege

Coinbase beschreibt in seinen Nutzungsbedingungen, dass gestakte ETH und Rewards, die als cbETH verpackt sind, treuhänderisch von Coinbase gehalten werden, ohne dass das Eigentum übergeht. Ein berechtigter Halter kann cbETH entpacken, muss dafür ein Konto in gutem Stand haben und die Staking-Voraussetzungen erfüllen. Das Entpacken liefert zunächst gestakte ETH abzüglich Gebühren und Slashing-Verlusten – für tatsächlich verfügbare, unstaked ETH ist ein weiterer Antrag samt Ethereums eigenem Unstaking-Prozess nötig.

Lidos stETH funktioniert nach einem anderen Modell: Ein Halter reicht einen Rücknahmeantrag über das Protokoll ein, der in eine Warteschlange eintritt. Laut Lidos Risikohinweisen kann diese Warteschlange durch begrenzte Kapazität und die Geschwindigkeit von Ethereum-Validator-Exits verlangsamt werden. Alternativ lässt sich stETH jederzeit am Sekundärmarkt verkaufen – schneller, aber abhängig von verfügbaren Käufern, wobei sich Spreads und ein Abschlag zum ETH-Kurs bei angespannter Liquidität ausweiten können.

Warum eine Kategorie das Exit-Risiko nicht klärt

Eine frühere Stellungnahme der SEC vom August 2025 beschrieb Liquid-Staking-Token bereits als übertragbaren Nachweis für hinterlegte Assets und aufgelaufene Rewards, blieb dabei aber auf die beschriebenen Konstruktionen begrenzt. Restaking oder Arrangements, bei denen ein Anbieter Staking-Entscheidungen kontrolliert oder Rewards garantiert, wurden explizit ausgeklammert. Fällt eine Konstruktion aus dieser Beschreibung heraus, bedeutet das für sich genommen noch keine Wertpapiereinstufung.

Für Anleger bleibt damit die praktische Frage entscheidend, wer die Kontrolle über die Einlage behält und welcher Weg zur Rücknahme führt – eine Frage, die eng mit den Verwahrungs- und Kontrollregeln der SEC für Krypto-Assets verknüpft ist. Ähnliche Nachrangigkeit von Exit-Wegen bei fragmentierter Liquidität greift auch der Bericht zu DeFi-Risiken der europäischen Aufsichtsbehörden EBA und ESMA auf, der auf vergleichbare Engpässe bei liquiden Staking-Produkten verweist.

Marktreaktion bleibt verhalten

Am Markt zeigte sich bislang keine große Reaktion auf das FAQ. ETH notierte zuletzt bei 2.651,29 US-Dollar, ein Minus von 2,05 Prozent auf 24-Stunden-Sicht. cbETH lag bei 3.855,38 US-Dollar (plus 1,15 Prozent) und stETH bei 3.603,48 US-Dollar (plus 1,52 Prozent) – beide Derivate bewegten sich damit unabhängig von der ETH-Bewegung, was die im FAQ beschriebene Preisdivergenz zwischen Token und zugrunde liegender Position praktisch illustriert.

Eine Hand hält eine gläserne Kugel mit dem Ethereum-Logo vor einem blau hinterlegten Hintergrund.
Das Logo von Ethereum.

Was Anleger jetzt beobachten sollten

  • Coinbase-Bedingungen: Berechtigung und Bearbeitungszeiten für das Unwrapping direkt bei Coinbase prüfen, statt eine sofortige Umwandlung anzunehmen.
  • Lido-Warteschlange: Aktuelle Länge der Withdrawal-Queue beobachten, bevor ein Protokoll-Exit als kurzfristig realisierbar eingeplant wird.
  • Preisabweichung: Sekundärmarktpreis von cbETH oder stETH gegen den ETH-Kurs abgleichen, insbesondere bei angespannter Liquidität.

Das FAQ selbst bleibt eine unverbindliche Stellungnahme der SEC-Mitarbeiter und begründet keine neuen Pflichten. Für Halter von cbETH und stETH ändert sich mechanisch zunächst nichts – die Kernfrage, wie schnell und zu welchem Preis eine Position tatsächlich in ETH zurückgeführt werden kann, bleibt jedoch produktspezifisch und unabhängig von jeder regulatorischen Kategorie zu klären.

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Patrick Krauss
Patrick Krauss
Krypto-Analyst & Review-Faktenchecker

Patrick Krauss ist Krypto-Analyst und Autor bei 99Bitcoins und verantwortlich für das Faktenchecking von Krypto-Börsen- und Broker-Reviews. Er prüft sämtliche Inhalte auf fachliche Richtigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit und stellt sicher, dass Angaben zu Gebühren, Handelsbedingungen, Regulierung, Sicherheitsstandards und Risikohinweisen korrekt... Mehr lesen

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