Clearpool plant, institutionelle Kreditprodukte künftig nativ auf dem XRP Ledger anzubieten, und hat dazu am 11. September 2026 einen weitreichenden Vorschlag vorgelegt. Kernpunkt ist eine 1:1-Migration von CPOOL zu einem neuen Token namens CLEAR. Sowohl die Token-Umstellung als auch die technische Umsetzung auf XRPL sind bislang lediglich vorgeschlagen und müssen noch die jeweiligen Genehmigungsprozesse durchlaufen.
Das Wichtigste im Überblick:
- Clearpool will institutionelle Kreditinfrastruktur nativ auf dem XRP Ledger aufbauen
- Eine vorgeschlagene 1:1-Migration soll CPOOL durch CLEAR ersetzen
- Treasury-Rekapitalisierung, Migration und XRPL-Mainnet-Betrieb sind noch nicht final genehmigt
- Nach einer 14-tägigen Diskussionsphase soll eine Snapshot-Abstimmung folgen
Clearpool verknüpft XRPL-Ausbau mit Token-Migration
Clearpool bezeichnet den XRP Ledger als etabliertes Netzwerk, in dem institutionelle Kreditvergabe bislang weitgehend unentwickelt sei. Das Projekt will genau dort ansetzen und Kreditinfrastruktur direkt auf XRPL aufbauen, statt lediglich bestehende Produkte auf eine weitere Chain zu spiegeln.
Die vorgeschlagene 1:1-Migration soll bestehenden CPOOL-Haltern ihre Tokenanzahl beim Wechsel zu CLEAR erhalten. Als Gründe für die geplante Treasury-Rekapitalisierung nennt Clearpool erschöpfte Wachstumsreserven sowie eine CPOOL-Versorgung, die nahezu vollständig gevestet ist. Nach dem vorgeschlagenen Modell soll künftig die Hälfte der Protokollgebühren für Rückkäufe von CLEAR am offenen Markt verwendet werden, wobei diese Token dauerhaft aus dem Umlauf entfernt würden.
Der Vorschlag folgt auf eine bereits im August angekündigte Kreditinitiative mit Ripple und Cicada Partners, bei der Clearpool die technische Infrastruktur beisteuert. Laut Clearpool haben die eigenen Plattformen seit 2021 mehr als 965 Millionen US-Dollar an institutionellen Krediten vermittelt – ein Volumen, das die Frage aufwirft, wie sich ein vergleichbarer Kreditmarkt mit XRPL-eigenen Mechanismen weiterentwickeln lässt. Bevor jedoch irgendetwas davon umgesetzt wird, erhält die Community zunächst eine 14-tägige Diskussionsphase, an die sich eine Tokenholder-Abstimmung über Snapshot anschließen soll.
Clearpool: „expanding to the XRP Ledger“
Clearpool teilte den Plan am 11. September über den offiziellen Kommunikationskanal auf X mit. Das Projekt formulierte dort:
„Clearpool is entering its next growth phase, expanding to the XRP Ledger.“
Die Formulierung beschreibt ausdrücklich den Beginn einer nächsten Wachstumsphase – nicht den Abschluss einer bereits vollzogenen Migration. Das deckt sich mit dem Status des gesamten Vorschlags, der noch vor Governance- und Netzwerkfreigaben steht.
Technische und institutionelle Bedeutung des XRPL-Plans
Der geplante XRPL-Kreditmarkt soll auf zwei vorgeschlagenen Standards aufbauen: dem XLS-65 Single Asset Vault und dem XLS-66 Lending Protocol. Single Asset Vaults bündeln jeweils einen einzelnen Vermögenswert, während das Lending Protocol Kreditaufnahme, Zinsen, Rückzahlungspläne und Ausfallbedingungen standardisieren soll. Die geplanten Kredite sollen auf RLUSD lauten; Clearpool nennt daneben weitere institutionelle Stablecoins als vorgesehene Optionen.
Laut der von Ripple beschriebenen Architektur sollen Underwriting- und Compliance-Entscheidungen offchain bleiben, während vereinbarte Kreditbedingungen onchain standardisiert werden – ein Modell, das eher an klassische Kreditvergabe erinnert als an automatisierte, überbesicherte DeFi-Kredite. Wie stark sich ein solches Modell von der gängigen Nutzung eines DeFi-Protokolls im Alltag unterscheidet, zeigt sich vor allem daran, dass hier feste Laufzeiten und institutionelle Underwriting-Prozesse im Zentrum stehen statt permissionless Pools.
Beide XRPL-Änderungen benötigen vor einem Mainnet-Betrieb noch die Zustimmung der Netzwerk-Validatoren. Clearpool testet die Integration derzeit im Devnet, wo Transaktionen keinen monetären Wert tragen, während der geplante Mainnet-Betrieb Funktionen für Teilnehmer-Credentials und zugangsbeschränkten Zugriff nutzen soll. Details zur Roadmap und den geplanten Netzwerken listet Clearpool in der eigenen Dokumentation.
Implikationen und nächste Schritte
Für Anleger, die CPOOL halten oder den Vorschlag verfolgen, sind mehrere Fixpunkte relevant. Zunächst läuft die 14-tägige Community-Diskussion, bevor Tokenholder über Migration, Allokationen, Versorgungsschedule und Treasury-Rekapitalisierung per Snapshot abstimmen können. Parallel müssen die XRP-Ledger-Validatoren den Änderungen XLS-65 und XLS-66 zustimmen, bevor überhaupt ein Mainnet-Betrieb möglich wird.
Bis dahin bleibt der gesamte Vorschlag – Token, Treasury und XRPL-Produkt – ein Entwurf und keine beschlossene Änderung. Wer die Entwicklung beobachtet, sollte daher auf drei Ereignisse achten: das Ergebnis der Governance-Abstimmung, die Validator-Entscheidung über die XRPL-Amendments sowie den Übergang von Clearpools aktuellen Devnet-Tests zu einem tatsächlichen Mainnet-Produkt. Näheres zum Vorschlag findet sich im Clearpool-Governance-Forum.
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