Die US-Regierung hat laut Arkham Intelligence am 7. Oktober beschlagnahmte Kryptowährungen im Wert von rund 470 Millionen Dollar zu mutmaßlichen Coinbase-Prime-Adressen bewegt. Die Transfers umfassen Bitcoin, Wrapped Bitcoin und USDT – belegen aber weder einen Verkauf noch eine unmittelbar bevorstehende Liquidation.
Das Wichtigste im Überblick:
- Arkham ordnet die Transfers Wallets der US-Regierung und Beschlagnahmungen im Zusammenhang mit dem Bitfinex-Hack sowie Alameda Research zu.
- Coinbase Prime kann der Verwahrung oder Verwaltung dienen; On-Chain-Daten zeigen nicht, ob die Vermögenswerte in US-Dollar umgetauscht wurden.
- Die Reservepolitik sieht Ausnahmen für gerichtlich oder gesetzlich erforderliche Verfügungen vor, etwa zur Entschädigung von Opfern.
Was hinter dem Transfer von 470 Millionen Dollar steckt
Arkham zufolge stammten die bewegten Vermögenswerte aus Wallets unter Kontrolle der US-Regierung. Der Blockchain-Analysedienst brachte sie mit Beschlagnahmungen im Zusammenhang mit dem Bitfinex-Hack von 2016 und Alameda Research in Verbindung, dem Handelsunternehmen, das zuvor von FTX-Gründer Sam Bankman-Fried kontrolliert wurde.
Die Zieladressen werden als wahrscheinlich zu Coinbase Prime gehörend eingestuft. Coinbase Prime bietet institutionelle Verwahrungs- und Handelsdienste; ein Transfer dorthin ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einer Einzahlung zum sofortigen Verkauf. Die öffentlich sichtbaren Blockchain-Daten weisen keinen Tausch in US-Dollar nach.

Als Erklärungen kommen neben einer späteren Liquidation auch eine Änderung der Verwahrung, interne Wallet-Verwaltung oder Schritte in laufenden Verfallverfahren infrage. Die Bewegung allein erlaubt keine sichere Aussage darüber, welche dieser Möglichkeiten zutrifft. Auch ein Verbleib der Token bei Coinbase Prime oder eine erneute Weiterleitung an andere Wallets ist denkbar.
Damit gilt dieselbe wichtige Unterscheidung wie bei anderen Transfers an Verwahrer: Eine Bewegung zu Coinbase Prime ist ein On-Chain-Ereignis, aber noch kein bestätigter Verkauf. Für Anleger, die mögliche staatliche Verkaufsbestände beobachten, ist daher entscheidend, ob auf den Transfer nachweisbare Verkäufe oder eine offizielle Bestätigung folgen.
Reservepolitik und Beschlagnahmungen sind nicht dasselbe
Der Vorgang fällt in eine politisch sensible Zeit. Die Trump-Regierung richtete im März 2025 eine Strategic Bitcoin Reserve ein, in der eingestellte Bitcoins grundsätzlich als staatlicher Reservebestand gehalten werden sollen. Daraus folgt jedoch nicht, dass sämtliche von Behörden beschlagnahmten Coins automatisch Teil dieser Reserve sind.
Die in der Primärquelle beschriebene Regelung lässt Verfügungen zu, wenn Gerichte oder Gesetze sie verlangen. Dazu können die Rückgabe von Vermögenswerten oder Erlösen an verifizierte Opfer, Maßnahmen der Strafverfolgung und andere gesetzliche Pflichten im Zusammenhang mit eingezogenen Vermögenswerten gehören. Der rechtliche Zweck einer konkreten Wallet-Bewegung ist aus der Transaktion allein nicht ersichtlich.
Im Bitfinex-Komplex beschlagnahmten US-Behörden 2022 rund 95.000 BTC aus Wallets, die Ilya Lichtenstein und Heather Morgan kontrollierten. Lichtenstein räumte später den Hack ein; bei dem Angriff auf die Kryptobörse waren 2016 rund 119.754 Bitcoin gestohlen worden. Die beschlagnahmten Vermögenswerte stehen im Zusammenhang mit konkurrierenden Ansprüchen aus Einziehung und Rückerstattung, wodurch ihre Behandlung von der eines bereits in die Reserve übertragenen Bitcoin-Bestands abweichen kann.
Auch bei Alameda kommt eine Entschädigung von Geschädigten als möglicher rechtlicher Zusammenhang infrage: Im Verfahren gegen Bankman-Fried genehmigte der Richter die Verwendung wiedererlangter Einziehungserlöse zur Entschädigung von Opfern. Das macht eine Rückerstattung zu einer möglichen Erklärung für einen Teil der Bewegungen, bestätigt aber nicht, dass genau dies hier der Anlass war. Beschlagnahmungen durch US-Behörden können je nach Verfahren und Zweck unterschiedliche rechtliche Wege nehmen.
Frühere Verkaufsfragen und die nächsten Anhaltspunkte
Die Aufmerksamkeit knüpft an eine frühere Debatte um Bitcoin aus dem Samourai-Wallet-Strafverfahren an. Bitcoin Magazine thematisierte im Januar einen möglichen Verkauf von rund 6,3 Millionen Dollar in Bitcoin, die im Zusammenhang mit Schuldeingeständnissen an das Justizministerium übergegangen waren. Senatorin Cynthia Lummis stellte daraufhin die Frage, warum die Regierung solche Coins veräußern sollte, wenn die Reservepolitik auf deren Erhalt zielt.
Der US Marshals Service wies die damaligen Verkaufsberichte zurück und erklärte gegenüber DL News, die betreffenden Bitcoins nicht verkauft zu haben. Zugleich verwies die Behörde auf ein mehrstufiges Genehmigungsverfahren für die Liquidation eingezogener Vermögenswerte. Das Weiße Haus hatte frühere staatliche Bitcoin-Verkäufe mit einem entgangenen Wert von mehr als 17 Milliarden Dollar beziffert; das war eine Argumentation der Regierung, keine unabhängig bestätigte Schadensberechnung.
Für die Einordnung der aktuellen Transfers zählt, ob die Vermögenswerte bei Coinbase Prime verbleiben, an andere Verwahrungs-Wallets gehen oder nachweislich in US-Dollar umgetauscht werden. Ebenso entscheidend wäre eine belastbare Angabe dazu, ob Verwahrung, Opferentschädigung oder eine andere gesetzlich erlaubte Verfallmaßnahme dahintersteht. Erst eine bestätigte Liquidation würde die Verkaufsfrage beantworten.
Besonders folgenreich wäre ein bestätigter Verkauf von Bitcoin, der bereits der Strategic Bitcoin Reserve zugeordnet ist und nicht unter eine der genannten Ausnahmen fällt: Das würde neue Fragen zur Umsetzung der staatlichen Akkumulationspolitik aufwerfen. Solange weder eine solche Zuordnung noch ein Verkauf belegt ist, bleibt der Transfer ein Anlass zur Beobachtung, aber kein Nachweis für einen staatlichen Bitcoin-Abverkauf. Transfers von Bitcoin zu Coinbase Prime sollten deshalb nicht automatisch als Verkäufe gelesen werden.
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