Das US-Justizministerium hat rund 84 Millionen US-Dollar auf Bankkonten des Zahlungsdienstleisters Capstone eingefroren und eine zivilrechtliche Klage auf Vermögenseinzug eingereicht. Das Unternehmen aus Montana wickelte laut Gerichtsakten in großem Stil Transaktionen für Akteure der Kryptobranche ab und war über die Offshore-Bank EQIBank indirekt mit dem Stablecoin-Emittenten Tether verbunden. Die juristischen Vorwürfe richten sich dabei ausschließlich gegen Capstone – Tether und die Schwesterbörse Bitfinex wird kein formelles Fehlverhalten vorgeworfen.
Das Wichtigste im Überblick:
- US-Behörden froren rund 84 Millionen US-Dollar auf Konten von Capstone bei Wells Fargo und JPMorgan Chase ein
- Capstone soll Betrugsgelder von älteren Menschen in den USA innerhalb eines Tages in Tether umgewandelt und ins Ausland verschickt haben
- Tether nutzte EQIBank in Dominica für Bankgeschäfte, die wiederum Capstone für US-Dollar-Zahlungen beauftragte
- Laut Reuters richten sich die Vorwürfe ausschließlich gegen Capstone, nicht gegen Tether oder Bitfinex
US-Behörden frieren rund 84 Millionen Dollar von Capstone ein
Capstone operierte in Montana, einem Bundesstaat ohne spezielle Lizenzpflicht für Geldtransfers, und konnte dadurch zunächst ohne die üblichen Auflagen für Zahlungsdienstleister arbeiten. Behörden in Kalifornien reichten laut Financial Times nun eine weitreichende zivilrechtliche Klage auf Vermögenseinzug ein, nachdem das FBI die Wohnräume der Capstone-Betreiber in Sacramento durchsucht hatte.
Den Gerichtsunterlagen zufolge war Capstone in ein Betrugsnetzwerk verwickelt, das gezielt ältere Menschen in den USA täuschte. Unbekannte gaben sich am Telefon als FBI-Mitarbeiter aus, die angebliche Geldwäscheaktivitäten untersuchten, und überredeten die Opfer zu Überweisungen auf Capstone-Konten. Der Dienstleister tauschte die Gelder anschließend binnen eines Tages in Tether um und verschickte sie an Adressen im Ausland.
Um Zugang zum US-Bankensystem zu erhalten, gab Capstone gegenüber Wells Fargo und JPMorgan Chase an, ein reines IT-Unternehmen zu betreiben – Banken prüfen Technologiedienstleister bei Geldwäsche-Routinekontrollen weniger streng als klassische Zahlungsabwickler. Als der Bank Citi Auffälligkeiten auffielen, verlagerte Capstone rund 65 Millionen Dollar zu Wells Fargo, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Tether war über EQIBank indirekt mit Capstone verbunden
Tether, rechtlich mit Sitz in El Salvador, nutzt für seine Bankgeschäfte die EQIBank im karibischen Inselstaat Dominica. Diese wiederum beauftragte Capstone, um Zahlungen im US-Dollar-Raum abzuwickeln – ein Umweg, den laut EQIBank viele Banken in kleinen Gerichtsbarkeiten wählen, weil große US-Banken Konten für Krypto-Unternehmen häufig pauschal ablehnen.
Zwischen März und Dezember 2025 flossen mehr als 700 Millionen US-Dollar durch die Capstone-Konten bei Wells Fargo, ein Großteil davon an Entitäten im Namen von Tether und Bitfinex. Beide Unternehmen erklärten in einer Stellungnahme, sie seien lediglich Kunden der EQIBank gewesen und hätten zu keinem Zeitpunkt Kenntnis von den mutmaßlich illegalen Aktivitäten des Dienstleisters gehabt. EQIBank selbst wehrt sich vor Gericht gegen die Beschlagnahmung und argumentiert, von Capstone über dessen fehlende Lizenzen getäuscht worden zu sein.
Der Fall zeigt ein strukturelles Problem großer Krypto-Akteure: Obwohl Tether nach eigenen Angaben Reserven in Form von US-Staatsanleihen im Wert von 140 Milliarden Dollar verwaltet, ist das Unternehmen für grundlegende Transaktionen auf verschachtelte Netzwerke von Drittanbietern angewiesen. Wie umkämpft der Zugang zu regulierten Bankstrukturen für Stablecoin-Anbieter aktuell ist, zeigt sich auch daran, wie die aktuellen US-Regeln für Stablecoins Reserven und Kapitalanforderungen definieren sollen. Solche Fälle rücken auch die Frage in den Vordergrund, wie viel Vertrauen Nutzer Stablecoin-Anbietern angesichts solcher Infrastrukturrisiken tatsächlich entgegenbringen.
Was als Nächstes im Verfahren zu beobachten ist
Der zivilrechtliche Vermögenseinzug ist ein laufender rechtlicher Vorgang – aus den vorliegenden Angaben folgt nicht, dass die eingefrorenen Mittel bereits endgültig eingezogen wurden. EQIBank kündigte an, sich vor Gericht gegen die Beschlagnahmung zu wehren, während die Behörden zusätzlich Tether-Token im Wert von rund 1,2 Millionen US-Dollar beschlagnahmten.
Wie es mit der Verantwortung von Capstone und EQIBank weitergeht, dürfte sich erst im Verlauf des Gerichtsverfahrens klären. Der Fall reiht sich damit in eine breitere regulatorische Debatte ein, wie sie etwa der US-Regulierungsrahmen für Stablecoins mit klareren Vorgaben für Reserven und Emittenten adressieren soll.
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