Eine neue Visa-Umfrage liefert eine konkrete Zahl zum Vertrauensproblem von Stablecoins: Die Bereitschaft von US-Verbrauchern, sie zu nutzen, springt von 36 auf 56 Prozent, sobald hypothetische bankähnliche Absicherungen wie Betrugsschutz und Einlagensicherung ins Spiel kommen. Wichtig ist der Konjunktiv – solche Garantien existieren aktuell nicht, denn Stablecoins fallen nicht unter Einlagensicherungen wie die FDIC.
Das Wichtigste im Überblick:
- Visas Money-Travels-2026-Studie befragte gut 2.100 US-Erwachsene zu Stablecoin-Nutzung
- Hypothetischer Bankenschutz hebt die Nutzungsbereitschaft von 36 auf 56 Prozent
- 64 Prozent vertrauen eher dem Zahlungsanbieter als der zugrunde liegenden Technologie
- Visa meldet über 20 Milliarden Dollar annualisiertes Stablecoin-Abwicklungsvolumen
Stablecoin-Nutzung steigt im Schutzszenario auf 56 Prozent
Für die Studie Money Travels 2026 ließ Visa gut 2.100 US-Erwachsene befragen. Das zentrale Ergebnis: Sobald bankähnliche Absicherungen wie Betrugsschutz und Einlagensicherung als Szenario eingeführt werden, steigt die Bereitschaft zur Stablecoin-Nutzung von 36 auf 56 Prozent – ein Sprung von 20 Prozentpunkten allein durch die Aussicht auf mehr Sicherheit.
Entscheidend ist dabei weniger die Technologie selbst als der Anbieter dahinter. 64 Prozent der Befragten geben an, ihr Vertrauen hänge stärker vom Zahlungsdienstleister ab als vom zugrunde liegenden System. Kommt eine bestehende Finanzinstitution als Anbieter ins Spiel, steigt die Nutzungsbereitschaft immerhin von 36 auf 45 Prozent, während traditionelle Banken und globale Zahlungsnetzwerke mit 61 beziehungsweise 60 Prozent das größte Vertrauen unter möglichen Digitalwährungs-Anbietern genießen.
Die Ergebnisse unterstreichen damit vor allem die Bedeutung institutioneller Glaubwürdigkeit. Wenn Verbraucher Zahlungsdienstleistern und etablierten Finanzinstitutionen mehr Vertrauen entgegenbringen als der Technologie selbst, kann der Anbieter für die Bereitschaft zur Nutzung entscheidend sein. Die Studie beschreibt jedoch keine bestehende Absicherung, sondern ein hypothetisches Schutzszenario. Die höhere Nutzungsbereitschaft ist daher als Hinweis auf das Potenzial zusätzlicher Sicherheitsmechanismen zu verstehen, nicht als Nachweis einer bereits verfügbaren Lösung.
Vertrauen prägt auch internationale Überweisungen
Die Studie rückt neben der Stablecoin-Frage ein zweites, verwandtes Problem in den Fokus: Sicherheit bei Auslandsüberweisungen generell. Gut ein Drittel der Befragten hat bereits einen Betrugsversuch im Zusammenhang mit internationalen Geldtransfers erlebt – von gefälschten Nachrichten bis zu vorgetäuschten Investmentangeboten.
Fast jeder Vierte erhielt bereits KI-generierte Nachrichten, die echt wirkten, und 44 Prozent sorgen sich um Deepfakes, die Familienmitglieder imitieren. Die Folgen sind messbar: Rund jeder Fünfte, der Geld ins Ausland schickt, schränkt dafür die eigenen Ausgaben ein.
Für Visa als Betreiber globaler Zahlungsinfrastruktur ist das ein Signal, dass Vertrauen zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird – nicht nur bei Stablecoins, sondern im gesamten Remittance-Geschäft. Passend dazu meldete das Unternehmen erst vor wenigen Tagen ein annualisiertes Stablecoin-Abwicklungsvolumen von über 20 Milliarden Dollar, mehr als das 15-Fache des Vorjahreswertes, verteilt auf über 160 Kartenprogramme mit Stablecoin-Anbindung weltweit. Wie sich diese Dynamik bei einzelnen Partnern konkretisiert, zeigt etwa die Zusammenarbeit zwischen Dunamu und Visa bei Stablecoin-Diensten.
Was bei Stablecoin-Vertrauen jetzt zu beobachten ist
Die zentrale offene Frage bleibt, ob bankähnlicher Betrugsschutz und Einlagensicherungs-Mechanismen für Stablecoins überhaupt real umsetzbar werden. Die Visa-Umfrage beschreibt ausdrücklich ein Szenario, kein bestehendes Angebot – der Sprung von 36 auf 56 Prozent ist also ein Potenzial, kein aktueller Zustand.
Beobachtenswert ist deshalb, ob etablierte Finanzinstitutionen und globale Zahlungsnetzwerke ihren bestehenden Vertrauensvorsprung tatsächlich in konkrete Stablecoin-Produkte übersetzen. Die Umfrage zeigt, dass traditionelle Banken und globale Zahlungsnetzwerke unter möglichen Anbietern das höchste Vertrauen genießen. Zugleich macht das Schutzszenario deutlich, dass eine breitere Nutzungsbereitschaft an die Erwartung zusätzlicher Sicherheit geknüpft ist. Ob sich diese Erwartungen künftig in Angeboten und tatsächlicher Nutzung niederschlagen, bleibt offen.
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