Bitcoin hat innerhalb von 45 Stunden einen der größten Short Squeezes seit 2021 erlebt: Mehr als 3 Milliarden US-Dollar an gehebelten Positionen wurden zwischen dem 19. und 20. August liquidiert. Rund 2,77 Milliarden US-Dollar beziehungsweise etwa 92 Prozent entfielen auf Short-Positionen. Auslöser war laut dem Originalbericht eine Entscheidung des US-Finanzministeriums, die maximale Größe von Liquiditätsstützungs-Rückkäufen für länger laufende Anleihen zu verdoppeln. Bitcoin stieg daraufhin über einen sechs Wochen alten Widerstand bei rund 71.000 US-Dollar und erreichte während der Bewegung bis zu 79.600 US-Dollar.

Das Wichtigste im Überblick

  • Über 3 Milliarden US-Dollar an gehebelten Positionen wurden binnen 45 Stunden liquidiert; etwa 2,77 Milliarden US-Dollar davon betrafen Shorts.
  • Das Open Interest bei Bitcoin-Futures sank laut Originalbericht um rund 15 Prozent von etwa 353.500 auf 312.600 BTC und damit auf ein Monatstief.
  • Die Funding-Rates drehten nach dem Squeeze ins Positive, was auf eine vorübergehende Korrektur der bärischen Schieflage hindeutet.
  • Nach einem Glassnode-Langfristindikator lag der Anteil krypto-besicherter Positionen am gesamten Bitcoin-Open-Interest bei etwa 12 Prozent.

Der Short Squeeze im Detail

Shortseller hielten laut dem Originalbericht über Wochen hinweg auf großen Börsen 51 bis 52 Prozent des Open Interest. In einem gehebelten Markt kann eine solche Schieflage Kettenreaktionen verstärken: Steigende Kurse zwingen erste Short-Positionen zur Schließung, was den Kaufdruck erhöht und weitere Liquidationen auslösen kann.

Nach der Treasury-Ankündigung stieg Bitcoin über die Marke von rund 71.000 US-Dollar. Die daraus folgende Bewegung setzte nach Darstellung von Crypto Briefing eine Liquidationskaskade in Gang. Auf Bitcoin allein entfielen dem Bericht zufolge rund 1,67 Milliarden US-Dollar an Short-Liquidationen. Der Bericht bezeichnete die Bewegung als größten Short Squeeze seit Ende 2021.

Bitcoin price trading chart with green bullish trend indicators and technical analysis overlays

Open Interest als Gradmesser

Aufschlussreich ist neben dem Kurssprung die Entwicklung des Open Interest in Bitcoin-Futures. Es fiel laut dem Originalbericht um etwa 15 Prozent von rund 353.500 BTC auf 312.600 BTC. Ein sinkendes Open Interest während einer Kursrally kann darauf hindeuten, dass vor allem bestehende Positionen geschlossen wurden, statt dass neue Positionen aufgebaut wurden.

Die Funding-Rates drehten nach dem Squeeze ins Positive. Bei negativen Funding-Rates zahlen Short-Positionen Long-Positionen für das Halten ihrer Positionen; dies kann auf eine starke bärische Positionierung hindeuten. Die Rückkehr zu positiven Raten spricht laut Originalbericht dafür, dass sich dieses Ungleichgewicht zumindest vorübergehend verringert hat. Weitere Einordnungen zur Mechanik solcher Bewegungen bietet unsere Analyse zu Bitcoin-Liquidationen und Open Interest.

Was hinter dem 12-Prozent-Wert steckt

Die häufig zitierte Zahl von 12 Prozent beschreibt nicht den Rückgang des gesamten Futures-Open-Interest. Nach dem im Decrypt-Bericht wiedergegebenen Glassnode-Langfristindikator bezeichnet sie den Anteil des krypto-besicherten Bitcoin-Open-Interest über alle Börsen hinweg. Gemeint sind also Positionen, deren Sicherheiten in Bitcoin statt in Stablecoins hinterlegt werden.

Glassnode Bitcoin Cost Basis Distribution Heatmap chart showing supply distribution over time.
A Glassnode on-chain heatmap illustrating the distribution of Bitcoin’s cost basis.

Der bei Yahoo veröffentlichte Decrypt-Bericht ordnet die überwiegend stablecoin-basierte Besicherung als Marktstruktur ein, die sich über Jahre entwickelt habe. Derselbe Bericht trennt diese Entwicklung ausdrücklich vom aktuellen Short Squeeze: Der Wandel bei den Sicherheiten und die Liquidationsbewegung seien keine kausal verbundenen Ereignisse.

Auch die Funktionsweise der Besicherung ist für die Einordnung relevant. Laut dem Decrypt-Bericht bleibt der Wert von Stablecoin-besicherten Sicherheiten bei Bitcoin-Kursschwankungen in Dollar gerechnet stabiler, während bei krypto-besicherten Positionen ein fallender Bitcoin-Kurs zugleich den Wert der Sicherheit verringern kann. Dies kann bei krypto-besicherten Positionen Rückkopplungseffekte und Liquidationen verstärken. Der Bericht betont jedoch ebenfalls, dass Leverage unabhängig von der Art der Besicherung weitere Liquidationswellen nicht verhindert. Ähnliche Dynamiken zeigten sich bereits bei einer früheren Bitcoin-Short-Squeeze-Rallye.

Worauf Anleger jetzt achten sollten

Der Rückgang des BTC-denominierten Open Interest von 353.500 auf 312.600 BTC deutet nach der Einordnung des Originalberichts darauf hin, dass Positionen geschlossen und nicht in gleichem Umfang neue Long-Positionen eröffnet wurden. Für die weitere Entwicklung sind daher vor allem Open Interest, Funding-Rates und die Aktivität am Spotmarkt relevant.

  • Open-Interest-Trend: Steigt das Open Interest wieder bei positiven Funding-Rates, kann dies auf neue bullische Positionierung hindeuten.
  • Funding-Rate-Stabilität: Positive, aber moderate Funding-Rates können auf eine ausgeglichenere Marktpositionierung hindeuten.
  • Spot-Volumen: Bestätigt der Kassamarkt die Bewegung, liefert das einen zusätzlichen Hinweis darauf, ob die Rally über die Derivate-Dynamik hinaus getragen wird.

Bleibt das Open Interest dagegen flach, während der Kurs nachgibt, wertet der Originalbericht dies als mögliches Zeichen dafür, dass die Bewegung vor allem eine mechanische Bereinigung war und keine nachhaltige Veränderung der Marktstimmung.

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Patrick Krauss
Patrick Krauss
Krypto-Analyst & Review-Faktenchecker

Patrick Krauss ist Krypto-Analyst und Autor bei 99Bitcoins und verantwortlich für das Faktenchecking von Krypto-Börsen- und Broker-Reviews. Er prüft sämtliche Inhalte auf fachliche Richtigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit und stellt sicher, dass Angaben zu Gebühren, Handelsbedingungen, Regulierung, Sicherheitsstandards und Risikohinweisen korrekt... Mehr lesen

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