Bitcoin notiert aktuell bei rund 63.369 US-Dollar, während im Hintergrund erneut Milliarden an gehebeltem Kapital im Markt stehen. Laut aktuellen Marktanalysen auf Basis von Coinglass-Daten summieren sich die offenen Bitcoin-Futures-Positionen auf schätzungsweise 48 Milliarden US-Dollar. Bei einem scharfen Kursbruch könnte dieses Umfeld eine Kettenreaktion von Zwangsverkäufen auslösen, wie sie der Markt seit Oktober 2025 bereits mehrfach erlebt hat.

Das Wichtigste im Überblick

  • Marktanalysen auf Basis von Coinglass-Daten taxieren das aktuelle Bitcoin-Futures-Open-Interest auf schätzungsweise rund 48 Milliarden US-Dollar.
  • Am 10. Oktober 2025 wurden gehebelte Positionen im Wert von über 19 Milliarden US-Dollar liquidiert; betroffen waren 1,6 Millionen Händler.
  • In den vergangenen 24 Stunden löste ein Kursrückgang laut Coinglass eine weitere Liquidationswelle von 1,7 Milliarden US-Dollar aus, bei der rund 404.000 Trader ihre Positionen verloren.

Wie eine Liquidationskaskade entsteht

Der Großteil der Krypto-Spekulation läuft nicht über den Spotmarkt, sondern über Perpetual Futures. Diese Derivatkontrakte ermöglichen es, mit einer Margin von 10.000 US-Dollar ein Engagement von 100.000 US-Dollar zu steuern. Bewegt sich der Kurs so weit gegen die Position, dass die Sicherheiten die Verluste nicht mehr decken, wird sie automatisch am offenen Markt verkauft.

Crypto futures trading terminal interface featuring a candlestick chart, order book, and login screen.
The Kraken Futures trading platform interface showing BTC/USD perpetual contracts.

Jeder Zwangsverkauf kann den Kurs weiter nach unten drücken und die Position des nächsten Traders unter dessen Margin-Schwelle bringen. So kann ein weiterer Zwangsverkauf ausgelöst werden. Reicht der Versicherungsfonds einer Börse nicht mehr aus, greifen Plattformen zum automatischen Deleveraging und schließen zwangsweise sogar profitable Gegenpositionen. Bei schweren Kaskaden können damit auch Gewinner gekürzt werden.

Neue Zwangsverkäufe binnen 24 Stunden

Wie schnell ein solches Szenario eintreten kann, zeigte sich zuletzt bei einem Rücksetzer von 2,5 Prozent bei Bitcoin und 5,5 Prozent bei Ethereum. Laut Coinglass löste die Bewegung eine Liquidationswelle von 1,7 Milliarden US-Dollar aus. Davon entfielen 1,62 Milliarden US-Dollar auf Long-Positionen. Rund 404.000 Trader waren betroffen; allein in den letzten vier Stunden des Ausverkaufs wurden Hebelprodukte im Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar liquidiert.

Die größte einzelne Zwangsliquidation betraf einen BTC-USDT-Swap im Wert von 12,74 Millionen US-Dollar auf der Börse OKX. Ähnliche Dynamiken beschreibt bereits die Analyse zum Bitcoin-Absturz unter 64.000 Dollar, bei der binnen einer Stunde über 100 Millionen Dollar an Positionen ausgelöscht wurden.

Der Hebel baut sich immer wieder auf

Der bislang größte Zwangsverkauf im Kryptomarkt fand am 10. Oktober 2025 statt, nachdem Präsident Trump einen Zoll von 100 Prozent auf chinesische Importe angekündigt hatte. Innerhalb von rund 24 Stunden wurden laut Bloomberg gehebelte Positionen im Wert von über 19 Milliarden US-Dollar von 1,6 Millionen Händlern liquidiert. Rund 16,7 Milliarden US-Dollar entfielen auf Long-Positionen. Market Maker schätzten laut Forbes, dass die tatsächliche Summe bei 30 bis 40 Milliarden US-Dollar gelegen haben könnte, weil einige Börsen ihre Zahlen verzögert offenlegen.

Donald Trump speaking at a podium with an American flag in the background
Donald Trump delivering a speech at the U.S. Capitol.

Am 1. Februar 2026 folgte mit „Black Sunday II“ innerhalb von 24 Stunden eine weitere Liquidationswelle von 2,2 Milliarden US-Dollar. Allein Long-Positionen in Ethereum verzeichneten dabei Verluste von 961 Millionen US-Dollar. Zwischen den einzelnen Einbrüchen baute sich der Hebel im Markt wieder auf, was auch die jüngste Einordnung zum steigenden Open Interest bei Bitcoin nahelegt.

Worauf Anleger achten können

Für die Einordnung des Liquidationsrisikos sind vor allem die Entwicklung offener Derivatepositionen, die Verteilung gehebelter Positionen und mögliche externe Auslöser relevant.

  • Open Interest: Ein weiterer Anstieg der offenen Positionen kann das Risiko für eine erneute Kaskade erhöhen.
  • Liquiditätscluster: Preisniveaus, an denen sich viele Long- oder Short-Positionen ballen, können bei starken Kursbewegungen Zwangsverkäufe verstärken.
  • Makro-Trigger: Externe Schocks können, wie im Oktober 2025, eine Kettenreaktion auslösen.

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Patrick Krauss
Patrick Krauss
Krypto-Analyst & Review-Faktenchecker

Patrick Krauss ist Krypto-Analyst und Autor bei 99Bitcoins und verantwortlich für das Faktenchecking von Krypto-Börsen- und Broker-Reviews. Er prüft sämtliche Inhalte auf fachliche Richtigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit und stellt sicher, dass Angaben zu Gebühren, Handelsbedingungen, Regulierung, Sicherheitsstandards und Risikohinweisen korrekt... Mehr lesen

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