Ungarn hat eine der strengsten Krypto-Vorschriften Europas zurückgenommen: Das Parlament schaffte die obligatorische Drittanbieter-Validierung für Kryptowährungstransaktionen ab, kurz nachdem die budapester Plattform CoinCash als erstes Unternehmen des Landes eine Lizenz nach dem EU-Rahmenwerk MiCA erhalten hatte. Damit fällt eine zusätzliche Compliance-Ebene weg, die den heimischen Kryptomarkt nach Regierungsangaben spürbar belastet hatte.
Das Wichtigste im Überblick:
- Ungarn hebt die Pflicht zur externen Validierung von Krypto-Transaktionen auf
- Die Ungarische Nationalbank erteilte CoinCash am 20. Juli 2026 die erste MiCA-Autorisierung des Landes
- Das bisherige System verlangte Prüfungen zu Wallet-Besitz, Kundenidentität und Herkunft der Vermögenswerte
- Ungarn behält Lizenzierungs- und Compliance-Pflichten gemäß MiCA bei
Ungarn schafft Validierung auf Transaktionsebene ab
Das ungarische Parlament hat die Validierungspflicht abgeschafft, die 2024 im nationalen Kryptogesetz eingeführt wurde und am 1. Juli 2025 in Kraft trat. Bis dahin durften Krypto-Umrechnungen erst erfolgen, nachdem ein lizenzierter Prüfer bestimmte Kriterien bestätigt hatte.
- Herkunft der Vermögenswerte: Prüfung, woher die Krypto-Assets stammen
- Wallet-Besitz: Nachweis der Kontrolle über die betreffende Wallet
- Kundenidentität: Abgleich von Identität und Kundendaten vor Abschluss der Transaktion
Erst nach Ausstellung einer Konformitätserklärung durch den Validator konnte die Transaktion abgeschlossen werden. Mit der Aufhebung entfällt dieses Genehmigungsverfahren auf Transaktionsebene, während die weitergehenden Pflichten aus MiCA – Lizenzierung, Governance, Risikomanagement – unverändert bestehen bleiben. Auch die strafrechtlichen Bestimmungen des bisherigen Systems, einschließlich Sanktionen bei Verstößen gegen die Validator-Pflicht, wurden gestrichen.

Finanzminister nennt Marktstörungen als Grund
Finanzminister Kármán András erklärte laut der Quelle, die Validierungspflicht habe erhebliche Probleme auf dem ungarischen Kryptomarkt verursacht. Der zusätzliche bürokratische Aufwand habe mehrere Krypto-Dienstleister dazu veranlasst, ihre Geschäftstätigkeit in Ungarn auszusetzen oder ganz einzustellen.
Nach der Entscheidung, die zusätzliche Validierungsebene zu streichen, beginne sich der Markt laut dem Minister wieder zu erholen. Diese Einschätzung deckt sich mit der grundsätzlichen Frage, wie viel nationaler Spielraum unter einem eigentlich harmonisierten EU-Rahmen wie MiCA tatsächlich sinnvoll ist.
CoinCash wird erstes MiCA-lizenziertes Unternehmen Ungarns
Die regulatorische Änderung folgt kurz auf die Entscheidung der Ungarischen Nationalbank (MNB), Tiwala Solutions – dem Betreiber von CoinCash – am 20. Juli 2026 die erste ungarische MiCA-Zulassung zu erteilen. CoinCash hatte den Betrieb bereits im Dezember 2025 freiwillig eingestellt, um das Zulassungsverfahren abzuschließen.

Die Lizenz deckt ein breites Spektrum ab: Verwahrung, Krypto-zu-Fiat- und Krypto-zu-Krypto-Tausch, Übertragungen digitaler Vermögenswerte, Anlageberatung sowie Portfoliomanagement. Nach eigenen Angaben plant CoinCash, seine Dienste nun schrittweise wiederherzustellen und auszubauen – ein Prozess, der auch bei der Aufsicht über Krypto-Verwahrung unter MiCA zunehmend Standard wird.
Was die Aufhebung für den Markt bedeutet
Ungarn hatte mit der Kombination aus MiCA-Lizenzierung und eigener Validierungspflicht eines der strengsten Compliance-Systeme der EU geschaffen und zusätzlich die Übergangsfrist für Krypto-Dienstleister auf den 1. Juli 2025 verkürzt – ein Jahr vor der maximalen EU-Frist. Mit der jetzigen Aufhebung entfallen Anforderungen, die über den EU-Rahmen hinausgingen, während Lizenzierungs- und Governance-Standards nach MiCA bestehen bleiben.
Für Krypto-Unternehmen, die ungarische Kunden bedienen, dürfte das die betriebliche Reibung deutlich verringern. Statt einer Drittanbieter-Prüfung für jede einzelne Transaktion operieren sie künftig primär unter dem unternehmensweiten MiCA-Rahmen mit Fokus auf Lizenzierung, Risikomanagement und Verbraucherschutz. Wie unterschiedlich nationale Ansätze in der Praxis ausfallen können, zeigt sich im Vergleich mit deutlich restriktiveren Regimen außerhalb der EU, etwa den Krypto-Regeln in Russland.
Ausblick: Rückkehr internationaler Anbieter möglich
Die Änderung könnte Dienstleister, die ihre Aktivitäten in Ungarn zuvor eingeschränkt oder eingestellt hatten, zu einer Rückkehr in den Markt bewegen. Beobachtenswert bleiben mehrere Punkte:
- Weitere MNB-Lizenzen: Ob nach CoinCash zeitnah weitere Anbieter eine MiCA-Autorisierung erhalten
- EU-weite Angleichung: Ob andere Mitgliedstaaten ähnliche nationale Sonderregeln bis zur vollständigen MiCA-Umsetzung 2026 zurücknehmen
- Marktreaktion: Ob zuvor abgewanderte Krypto-Dienstleister tatsächlich nach Ungarn zurückkehren
Weitere Details zur Gesetzesänderung finden sich in der Berichterstattung von BYDFi.
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