Die Sparkassen in Hessen und Thüringen öffnen ihre Banking-App für den direkten Krypto-Handel. Ab Oktober 2026 können Kunden der 46 Institute in beiden Bundesländern Bitcoin und Ether kaufen und verwahren, ohne dafür eine externe Plattform zu nutzen. Das teilte der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen mit.
Das Wichtigste im Überblick:
- Ab Oktober 2026 können Kunden der 46 Sparkassen in Hessen und Thüringen Bitcoin und Ether direkt in der Sparkassen-App kaufen und verwahren
- Eine externe Krypto-Börse ist für den Handel nicht mehr nötig – Trading und Verwahrung laufen über die Sparkassen selbst
- Der Schritt folgt auf die kürzlich eingeführte ETF-Handelsfunktion S-Neo und ist Teil einer breiteren digitalen Neuausrichtung der Institute
- Die 46 Sparkassen erwarten für 2026 einen operativen Gewinn von rund 1,8 Milliarden Euro, ein Plus von gut 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr
Erstmals Krypto direkt in der Sparkassen-App
Nach Angaben des Verbands handelt es sich um den ersten direkten Kryptozugang, den deutsche Sparkassen in ihrer eigenen Banking-App anbieten. Zielgruppe sind Selbstentscheider – also Anleger, die ihre Investitionen eigenständig treffen und keine Beratung durch die Bank in Anspruch nehmen. Diese Positionierung ähnelt Bewegungen etablierter Finanzinstitute im Ausland, etwa dem jüngsten Schritt von Charles Schwab, der sein Krypto-Angebot um weitere Coins ausgeweitet hat.
Konkret stehen den Kunden Bitcoin und Ether zur Verfügung – gemessen an der Marktkapitalisierung die beiden größten Kryptowährungen überhaupt. Die Sparkassen übernehmen dabei sowohl den Handel als auch die Verwahrung der digitalen Coins, sodass Kunden kein separates Konto bei einer Kryptobörse eröffnen müssen. Zu Gebühren, Spreads oder einem möglichen genauen Starttermin innerhalb des Oktobers macht die Verbandsmitteilung bislang keine Angaben.
Wer statt des direkten Coin-Kaufs eine regulierte Alternative mit anderer Kostenstruktur sucht, findet in unserer Einordnung zu Bitcoin-ETPs wie dem Bitwise-Produkt einen Vergleichspunkt, der Kosten und Risiken solcher börsengehandelten Produkte gegenüberstellt.
Teil einer größeren digitalen Offensive
Der Krypto-Handel reiht sich in einen breiteren Umbau des Sparkassen-Angebots ein. Seit einigen Wochen können Kunden über die Funktion S-Neo bereits Wertpapiere wie ETFs direkt in der App kaufen und verkaufen. Der Verband beobachtet dabei ein wachsendes Interesse an digitalen Anlageformen generell.
Die Zahlen untermauern diesen Trend: Im ersten Halbjahr 2026 gingen die klassischen Kundeneinlagen der 46 Institute leicht auf 126,7 Milliarden Euro zurück, während das Kreditvolumen um knapp ein Prozent auf gut 96,7 Milliarden Euro zulegte. Für das Gesamtjahr rechnen die Sparkassen in Hessen und Thüringen mit einem operativen Gewinn von rund 1,8 Milliarden Euro – ein Plus von gut 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der regulatorische Rahmen für solche Angebote hat sich mit der MiCAR-Verordnung in den vergangenen Jahren deutlich verändert; wie dieser Rahmen etwa im Fall der MiCAR-Lizenzierung von Binance in der EU greift, zeigt, welchen Stellenwert regulierte Zulassungen für den Marktzugang großer Anbieter inzwischen haben.
Was noch offen bleibt
Bis zum tatsächlichen Start im Oktober fehlen noch zentrale Details: Weder Gebührenstruktur noch Spread-Höhe oder die genauen Verwahrungsmodalitäten sind von den Sparkassen offiziell bestätigt worden. Auch ob das Angebot künftig über Bitcoin und Ether hinaus erweitert wird oder auf weitere Bundesländer ausgedehnt werden soll, lässt sich aus der aktuellen Mitteilung nicht ableiten.
Anleger, die den Start in Hessen und Thüringen abwarten, sollten vor dem ersten Kauf auf die offizielle Preisinformation der jeweiligen Sparkasse achten. Bis diese vorliegt, bleibt unklar, wie sich das Angebot im direkten Kostenvergleich zu bestehenden Krypto-Börsen und -Apps positioniert.
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