Die US-Derivateaufsicht CFTC lockert die Vorgaben für Anbieter von Handelssoftware: Unternehmen, die Nutzer lediglich technisch mit regulierten Derivatefirmen oder Börsen verbinden, müssen sich unter bestimmten Voraussetzungen nicht mehr als Einführungsbroker registrieren. Für Krypto-Wallets und andere Apps öffnet sich damit ein leichterer Weg zu regulierten Derivaten und Prognosemärkten.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Die CFTC befreit reine Softwareanbieter, die Nutzer nur technisch mit regulierten Handelsplätzen verbinden, von der Pflicht zur Registrierung als Einführungsbroker
  • Voraussetzung ist eine passive Rolle: Anbieter dürfen keine Handelsentscheidungen treffen oder Aufträge aktiv steuern
  • Die Regel baut auf einer Ausnahme für den Wallet-Anbieter Phantom vom März aus
  • Der Schritt folgt zwei Tage nach dem Scheitern des Clarity Act im US-Senat

Was die CFTC genau ändert

Die neue No-Action-Position gilt ausschließlich für Anbieter, die sich auf eine passive Rolle beschränken. Wer Nutzeraufträge lediglich weiterleitet, ohne selbst über deren Ausführung zu entscheiden oder Kundengelder zu verwalten, fällt künftig nicht automatisch unter die strengeren Pflichten eines klassischen Finanzvermittlers.

Damit zieht die CFTC eine klare Grenze zwischen reiner Software und einem regulierten Broker. Die Regel knüpft an eine Ausnahme an, die der Wallet-Anbieter Phantom bereits im März erhalten hatte: Er durfte Nutzer unter Auflagen mit regulierten Terminhandelsfirmen und Börsen verbinden, ohne selbst als Einführungsbroker zugelassen zu sein. Diesen Ansatz öffnet die Behörde nun für weitere Anbieter, wie aus der Mitteilung der CFTC hervorgeht.

Digital Chamber begrüßt den Schritt

Cody Carbone, CEO der Digital Chamber, ordnet die Entscheidung als wichtigen Fortschritt ein. In einem Beitrag erklärt er:

„Dies beseitigt eine wichtige regulatorische Unklarheit, die Softwareinnovationen auf den Derivatemärkten bisher gehemmt hat“

Aus Sicht der Branche profitieren vor allem Wallets und Handels-Apps, die ihren Nutzern Zugang zu Onchain-Derivaten oder Prognosemärkten geben wollen, ohne dieselben regulatorischen Pflichten wie klassische Auftragsvermittler erfüllen zu müssen.

Warum das Timing entscheidend ist

Die Entscheidung kommt nur zwei Tage nach dem Rückschlag für den Clarity Act im Senat. Danach hatten CFTC-Chef Michael Selig und SEC-Chef Paul Atkins angekündigt, die Krypto-Regulierung auch ohne neues Gesetz voranzutreiben. Die Behörde setzt mit der neuen Position nun einen ersten Teil dieser Ankündigung um.

Das zeigt, wie sich der regulatorische Kurs in den USA verschiebt: Statt eines umfassenden gesetzlichen Rahmens entstehen punktuelle Ausnahmen und Auslegungen einzelner Behörden. Die erweiterte Rolle der CFTC in der US-Kryptoaufsicht gewinnt dadurch an Gewicht, auch wenn ein einheitliches Gesetz bislang fehlt.

Was Anleger jetzt im Blick behalten sollten

Für Nutzer von Wallets und Handels-Apps bedeutet die Regel zunächst mehr Auswahl, aber keine automatische Sicherheit. Die Erleichterung gilt strikt nur für Anbieter, die tatsächlich passiv bleiben – wer aktiv Handelsentscheidungen trifft oder Kundengelder hält, bleibt registrierungspflichtig. Wie einzelne App-Funktionen regulatorisch eingeordnet werden, hängt oft von Details ab, wie auch der Beitrag zu den regulatorischen Pflichten einzelner App-Funktionen zeigt.

  • Formale Regelsetzung: Die No-Action-Position gilt nur, bis die CFTC eine dauerhafte Regel zur Registrierungspflicht von Softwareanbietern erlässt.
  • Angebotserweiterung: Wallets könnten in den kommenden Monaten verstärkt Zugang zu Derivaten und Prognosemärkten integrieren.
  • Politisches Nachspiel: Ob der Kongress den Clarity Act überarbeitet erneut vorlegt, bleibt offen und dürfte den weiteren Regulierungskurs mitbestimmen.

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Patrick Krauss
Patrick Krauss
Krypto-Analyst & Review-Faktenchecker

Patrick Krauss ist Krypto-Analyst und Autor bei 99Bitcoins und verantwortlich für das Faktenchecking von Krypto-Börsen- und Broker-Reviews. Er prüft sämtliche Inhalte auf fachliche Richtigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit und stellt sicher, dass Angaben zu Gebühren, Handelsbedingungen, Regulierung, Sicherheitsstandards und Risikohinweisen korrekt... Mehr lesen

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