Bridgewater-Gründer Ray Dalio warnt, dass die US-Staatsschulden innerhalb der kommenden zehn Jahre auf 55 bis 60 Billionen US-Dollar ansteigen könnten. In einer LinkedIn-Analyse vom 21. August rät der Investor dazu, das Portfolio verstärkt mit Gold und in kleinerem Umfang mit Bitcoin gegen eine mögliche Währungsentwertung abzusichern.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Ray Dalio erwartet US-Staatsschulden von 55 bis 60 Billionen Dollar innerhalb von zehn Jahren
  • Der Bridgewater-Gründer empfiehlt 10 bis 15 Prozent Gold plus eine kleine Bitcoin-Position
  • Die gesamte US-Staatsverschuldung überschritt am 18. August erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar

Dalios Schuldenprognose und die Empfehlung für Gold und Bitcoin

In seiner Analyse verknüpft Dalio steigende Schulden, eine nachlassende Nachfrage nach Staatsanleihen und die geldpolitische Ausweitung zu einem Szenario, in dem klassische Währungen an Wert verlieren, während knappe Vermögenswerte relativ gewinnen. Nach Dalios Einschätzung dürften nicht-staatlich geschaffene Geldformen wie Gold und Bitcoin in diesem Umfeld vergleichsweise gut abschneiden, da sie sich der beliebigen Vermehrung durch Zentralbanken entziehen.

Ray Dalio wearing a blue suit and striped tie, gesturing with one finger raised during an interview
Investor Ray Dalio discussing financial strategies during an interview.

Als Grundlage für den Bitcoin-Bezug nennt Dalio die feste Emissionsregel und die Obergrenze von 21 Millionen Coins. Eigenschaften wie Knappheit, Portabilität und Selbstverwahrung sprechen aus seiner Sicht für die Kryptowährung als Wertspeicher, auch wenn die hohe Volatilität kurzfristige Stabilität ausschließt.

US-Schulden erstmals über 40 Billionen Dollar

Die Gesamtverschuldung der USA erreichte zum Geschäftsschluss am 18. August 40,05 Billionen Dollar und überschritt damit erstmals die Marke von 40 Billionen – innerhalb von nur fünf Monaten war fast eine weitere Billion hinzugekommen. Das Congressional Budget Office (CBO) rechnet laut seiner Projektion für das Fiskaljahr 2026 mit einem Defizit von 1,9 Billionen Dollar bei Ausgaben von 7,4 Billionen und Einnahmen von 5,6 Billionen Dollar. Bis 2036 soll die von der Öffentlichkeit gehaltene Schuld auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen.

Dalio geht nach Berücksichtigung des kürzlich verabschiedeten Haushaltsgesetzes davon aus, dass unabhängige Beobachter die Schulden in zehn Jahren bei 55 bis 60 Billionen Dollar sehen. Sollte sich der fiskalische Kurs nicht ändern, hält er eine ausgewachsene Schuldenkrise in etwa drei Jahren – plus minus zwei – für möglich, wie er in der Zusammenfassung seines Buchs „How Countries Go Broke: The Big Cycle“ darlegt. Wie sich Zinserwartungen und Fed-Politik bereits jetzt auf steigende US-Renditen und den Bitcoin-Kurs auswirken, zeigt die aktuelle Marktentwicklung.

Treasury-Rückkäufe befeuern die Debasement-Debatte

Zusätzlichen Auftrieb erhielt die Diskussion durch das US-Finanzministerium, das am 19. August seine liquiditätsstützenden Anleiherückkäufe ausweitete. Laut der Mitteilung des Treasury steigt das maximale Kaufvolumen für bestimmte 10- bis 30-jährige Anleihen von 2 auf mindestens 4 Milliarden Dollar pro Operation, gültig vom 9. September bis 4. November. Die Ausweitung befeuerte den sogenannten Debasement-Trade, bei dem Anleger Fiat-Währungen und Anleihen meiden und stattdessen knappe Vermögenswerte bevorzugen – auch wenn Treasury-Rückkäufe technisch keine quantitative Lockerung der Fed darstellen und für sich genommen kein neues Geld schaffen.

The exterior of the US Department of the Treasury building in Washington, D.C., featuring a statue of Albert Gallatin.
The US Department of the Treasury building in Washington, D.C.

Wo Dalio bei Bitcoin zurückhaltend bleibt

Trotz seiner Empfehlung bleibt Dalios Haltung zu Bitcoin gemessen und keineswegs uneingeschränkt. Er verweist weiterhin auf Risiken im Code der Kryptowährung, mögliche staatliche Eingriffe, die Transparenz von Transaktionen sowie die Möglichkeit, dass Zentralbanken Bitcoin dauerhaft nicht als Reserveasset akzeptieren. Gold bleibt für ihn das etabliertere monetäre Gut – im Mai hatte er zudem argumentiert, dass die Korrelation von Bitcoin zu Tech-Aktien dessen Rolle als sicherer Hafen schwächt, sobald Anleger volatile Positionen zur Verlustabsicherung verkaufen.

Damit hat sich Dalios Position seit 2020 spürbar verschoben, als er noch am Nutzen von Bitcoin als Geld zweifelte und vor staatlichen Restriktionen warnte, sollte die Kryptowährung staatliche Währungen bedrohen. Heute rät er zu breiter Diversifikation über Anlageklassen und Länder mit soliden Bilanzen hinweg, zu einer Untergewichtung von Anleihen und einer Übergewichtung von Gold sowie einer kleinen Bitcoin-Position – wie Unternehmen diesen Gedanken bereits in die Praxis umsetzen, zeigt der Trend zu Bitcoin als strategischer Unternehmensreserve.

Was Anleger jetzt im Blick behalten sollten

  • CBO-Updates: Künftige Haushalts- und Langfristprognosen zeigen, ob die tatsächliche Verschuldung Dalios Zeitrahmen bestätigt oder verfehlt.
  • Treasury-Emissionen: Weitere Ausweitungen der Rückkäufe oder neue Finanzierungsinstrumente könnten die Debasement-These verstärken.
  • Bitcoin-Korrelation: Ob sich Bitcoin bei künftigen Marktschocks als Absicherung oder als risikoreiches Tech-Asset verhält, bleibt der zentrale Testpunkt für Dalios These.

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Patrick Krauss
Patrick Krauss
Krypto-Analyst & Review-Faktenchecker

Patrick Krauss ist Krypto-Analyst und Autor bei 99Bitcoins und verantwortlich für das Faktenchecking von Krypto-Börsen- und Broker-Reviews. Er prüft sämtliche Inhalte auf fachliche Richtigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit und stellt sicher, dass Angaben zu Gebühren, Handelsbedingungen, Regulierung, Sicherheitsstandards und Risikohinweisen korrekt... Mehr lesen

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