StarkWare hat nach eigenen Angaben die erste quantenresistente Transaktion im Bitcoin-Mainnet bestätigt bekommen. Der StarkWare-Forscher Avihu Levy testete dabei sein Quantum Safe Bitcoin (QSB)-Schema live auf der Blockchain – ein konkreter Schritt von der theoretischen Idee zur praktischen Umsetzung, ohne dass Bitcoins Protokoll dafür verändert werden musste.
Das Wichtigste im Überblick:
- Die Transaktion wurde am Mittwoch im Bitcoin-Block 964.199 bestätigt und gab einen 10.000-Satoshi-Output aus
- QSB kombiniert hashbasierte Einmalsignaturen mit rechnerischen Suchvorgängen und soll Fälschungen selbst bei gebrochener elliptischer-Kurven-Kryptografie verhindern
- Die Ausführung kostete laut StarkWare-Sprecher Nathan Jeffay rund 150 bis 200 US-Dollar und mehrere Stunden Rechenzeit
- QSB-Transaktionen gelten als nicht standardkonform und müssen direkt über MARAs Slipstream-Dienst eingereicht werden
- StarkWare-CEO Eli Ben-Sasson sieht QSB als Sicherheitsnetz, während parallel an einem Soft Fork wie BIP-360 gearbeitet wird
Was bei dem Test genau passiert ist
Laut StarkWare wurde die Transaktion am Mittwoch im Bitcoin-Block 964.199 bestätigt. Onchain-Daten zeigen, dass dabei ein 10.000-Satoshi-Output ausgegeben wurde, der durch Levys QSB-Schema geschützt war. MARA Pool schürfte den entsprechenden Block, nachdem die Transaktion über den Slipstream-Dienst des Pools eingereicht worden war.
Levys Paper und Code-Repository beschreiben QSB als Kombination aus hashbasierten Einmalsignaturen und rechnerischen Suchvorgängen, die eine Autorisierung fest an eine bestimmte Transaktion binden. Diese Konstruktion soll Fälschungen verhindern, selbst wenn ein Quantencomputer die elliptische-Kurven-Kryptografie bricht, auf der Bitcoin heute basiert.
Ben-Sasson: Ein Soft Fork wird kommen
StarkWare-CEO Eli Ben-Sasson ordnet den Test als Übergangslösung ein, nicht als Endpunkt. Er sagte, ein Soft Fork solle stattfinden, und er glaube, dass er stattfinden werde, wobei QSB in der Zwischenzeit ein Sicherheitsnetz biete, während Schutzvorkehrungen auf Protokollebene entwickelt würden.

Diese Einordnung deckt sich mit Levys ursprünglicher Beschreibung von QSB als Notfallmaßnahme statt als Ersatz für strukturelle Lösungen. Bitcoin-Entwickler diskutieren parallel Vorschläge wie BIP-360, einen geplanten Soft Fork, der einen neuen Pay-to-Merkle-Root-Output-Typ einführen und zugleich den quantenanfälligen Key-Path-Spend von Taproot entfernen würde.
Warum das Quantenrisiko überhaupt real ist
Der Hintergrund für solche Tests liefert eine Einschätzung von Google-Forschern aus dem März, die davon ausgingen, dass ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer einen Bitcoin-Privatschlüssel theoretisch neun bis zwölf Minuten nach Sichtbarwerden des öffentlichen Schlüssels ableiten könnte. Google verwies darauf, dass dies einem Angreifer erlauben könnte, eine ausstehende Transaktion während des Bestätigungsfensters von Bitcoin zu ersetzen.

Levy stellte QSB daraufhin im April vor und schätzte damals, dass die Erzeugung einer solchen Transaktion GPU-Berechnungen im Wert von 75 bis 150 US-Dollar erfordern würde. Der jetzt abgeschlossene Live-Test lag mit 150 bis 200 US-Dollar laut Nathan Jeffay am oberen Ende dieser Schätzung und beanspruchte mehrere Stunden Rechenzeit – ein Hinweis darauf, dass QSB in der aktuellen Form noch kein Werkzeug für den breiten Alltagsgebrauch ist.
Grenzen: Nicht standardkonform, nicht netzwerkweit
Ein zentraler Punkt bleibt die technische Einschränkung: Levys Repository stuft QSB-Transaktionen gemäß den standardmäßigen Relay-Richtlinien von Bitcoin Core als nicht standardkonform ein. StarkWare erklärte, gewöhnliche Nodes würden solche Transaktionen daher vor ihrer Bestätigung nicht weiterverbreiten, weshalb sie direkt über MARAs Slipstream-Dienst eingereicht werden müssen.
QSB gilt zudem nur für einzelne Transaktionen und aktualisiert nicht die Kryptografie im gesamten Netzwerk. Wer sich grundsätzlich mit der Sicherheit von privaten Schlüsseln und Wallets auseinandersetzt, findet in unserem Beitrag zu einer neuen Coldcard-Wallet einen weiteren Blick darauf, wie die Branche auf Schwachstellen bei Signaturverfahren reagiert.
Was als Nächstes zu beobachten ist
Der Mainnet-Test zeigt vor allem, dass Bitcoins bestehende Konsensregeln punktuelle quantenresistente Ausgaben zulassen, ohne dass eine Protokolländerung nötig ist. Für Anleger und die breitere Community bleiben mehrere Fragen offen:
- BIP-360-Fortschritt: Ob und wann der vorgeschlagene Soft Fork mit dem neuen Pay-to-Merkle-Root-Output von der Bitcoin-Entwicklergemeinschaft weiter vorangetrieben wird.
- Kosten-Entwicklung: Ob Levy oder andere Forscher QSB-Varianten entwickeln, die den Rechenaufwand und damit die Kosten von aktuell rund 150 bis 200 US-Dollar senken.
- Praktische Relevanz: Ob Mining-Pools über Slipstream-ähnliche Dienste hinaus breitere Unterstützung für nicht standardkonforme, quantenresistente Transaktionen anbieten.
Quelle: cointelegraph.de
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