Bitcoin steht nach dem Anstieg auf 87.400 US-Dollar unter kurzfristigem Korrekturdruck: Laut CryptoQuant sind die nicht realisierten Gewinne kurzfristiger Trader auf 33 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 21 Monaten gestiegen. Zugleich bleibt der übergeordnete Trend laut dem Analysedienst bullish – doch abnehmende Nachfrage und zunehmende Gewinnmitnahmen sprechen gegen eine Fortsetzung der Rallye ohne Verschnaufpause.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Die nicht realisierte Gewinnmarge kurzfristiger Bitcoin-Trader liegt bei 33 Prozent – dem höchsten Wert seit Dezember 2024.
  • CryptoQuant nennt rund 80.000 US-Dollar als erste Unterstützung, gefolgt von etwa 71.000 und 67.000 US-Dollar.
  • Nach Einschätzung des Anbieters wäre ein Rücksetzer bei haltenden Unterstützungen eine Konsolidierung, keine bestätigte Trendwende.

Bitcoin bei 87.400 US-Dollar: Rallye verliert an Schwung

Der Bitcoin-Kurs erreichte laut dem am Dienstag, 29. September 2026, veröffentlichten Bericht ein Achtmonatshoch von 87.400 US-Dollar. Zugleich schloss BTC in der Vorwoche erstmals über seinem gleitenden 365-Tage-Durchschnitt. CryptoQuant wertet diesen Ausbruch als Bestätigung eines neuen Bullenmarkts; der eigene Bitcoin Bull Score Index des Anbieters steht bei 90 von 100 Punkten und signalisiert damit ein äußerst bullishes Umfeld.

Eine goldene physische Münze mit dem Bitcoin-Logo vor einem schwarzen Hintergrund.
Eine goldene Bitcoin-Münze.

Das positive Bild wird jedoch von nachlassender Dynamik getrübt. CryptoQuant verweist auf sinkende Nachfrage am Spotmarkt und gebremstes Wachstum der Futures-Nachfrage. Konkrete Angaben zum Handelsvolumen enthält der Bericht nicht; die Warnung stützt sich vor allem auf On-Chain-Daten und die Entwicklung der Nachfrageindikatoren.

Für Anleger ist deshalb nicht allein entscheidend, dass Bitcoin über einem langfristigen Durchschnitt liegt. Ebenso wichtig ist, ob der Markt nach dem starken Anstieg neue Käufer findet oder ob kurzfristige Halter ihre Buchgewinne realisieren und damit zusätzliches Angebot auf den Markt bringen.

33 Prozent Buchgewinn: Was das On-Chain-Signal bedeutet

Die nicht realisierte Gewinnmarge kurzfristiger Trader erreichte laut CryptoQuant 33 Prozent – den höchsten Stand seit Dezember 2024. Nicht realisierte Gewinne sind Wertzuwächse, die im Bestand stecken, aber noch nicht durch einen Verkauf gesichert wurden. Je größer dieser Puffer wird, desto mehr Anlass kann für Anleger entstehen, Gewinne mitzunehmen, besonders wenn die Rallye an Tempo verliert.

Das Signal ist kein präziser Zeitmesser für einen Kursgipfel. Es beschreibt vielmehr ein Umfeld, in dem Verkaufsanreize zunehmen. CryptoQuant-Forschungsleiter Julio Moreno verwies zusätzlich auf realisierte Gewinne von 25.700 BTC am 22. September – laut Bericht der größte Tageswert des Jahres 2026. Das spricht dafür, dass Halter nahe den jüngsten Höchstständen tatsächlich Gewinne sicherten.

Auch bei Altcoins zeigen die Daten laut Moreno verstärkte Zuflüsse zu Börsen. Die kumulierte Zahl entsprechender Transaktionen über sieben Tage stieg auf 76.000, den höchsten Wert seit dem 17. Oktober 2025; die Zahl der Einzahlungsadressen erreichte 51.000. Laut CryptoQuant war der Anstieg breit verteilt und nicht nur auf wenige große Wallets zurückzuführen. Börsenzuflüsse können Verkaufsabsichten anzeigen, belegen aber für sich genommen keinen tatsächlichen Verkauf.

Ähnliche Mechanismen stehen hinter der Einordnung von Gewinn- und Verlustdaten im SOPR-Indikator. Auch ein hoher Anteil profitabler Coins kann die Bereitschaft zu Gewinnmitnahmen erhöhen, wie die Analyse zu Verkaufsdruck und profitablen Bitcoin einordnet. Solche Kennzahlen liefern Kontext, aber keine Gewissheit über den nächsten Kursschritt.

Nachfrage kühlt ab – diese Marken sind entscheidend

Neben der hohen Profitabilität sieht CryptoQuant ein Nachfrageproblem. Die sogenannte Spotnachfrage – also die Nachfrage nach Bitcoin am Kassamarkt – sei innerhalb der vergangenen 30 Tage um 170.000 BTC geschrumpft. Das Wachstum der spekulativen Futures-Nachfrage, die Moreno als wichtigsten Treiber der jüngsten Rallye bezeichnet, fiel dem Bericht zufolge von 164.000 BTC am 14. September auf 16.000 BTC am 29. September.

Ein Smartphone mit einer Kryptowährungs-Trading-App, die einen Bitcoin-Kurschart anzeigt.
Kryptowährungs-Handel auf einem Smartphone.

Sollte die Korrektur einsetzen, nennt Moreno drei Unterstützungszonen. Sie orientieren sich an langfristigen Durchschnittskursen und einem On-Chain-Referenzpreis, nicht an einer Garantie, dass der Markt dort dreht:

  • Rund 80.000 US-Dollar: der gleitende 365-Tage-Durchschnitt und laut CryptoQuant die erste wichtige Unterstützung.
  • Rund 71.000 US-Dollar: der gleitende 200-Tage-Durchschnitt als weitere mögliche Auffangzone.
  • Rund 67.000 US-Dollar: der On-Chain-Realisierungspreis der Trader, also ein aus ihren Transaktionsdaten abgeleiteter Referenzwert.

Die genannten Marken geben einen Rahmen für das Risikomanagement, sind aber keine Kursziele mit sicherem Halt. Ein Rückgang in diese Bereiche wäre laut Moreno innerhalb eines jungen Bullenmarkts eine gesunde Konsolidierung, solange die Unterstützungen halten. Eine Einordnung der Frage, wann On-Chain-Daten den Aufwärtstrend stützen, bietet auch der Blick auf CryptoQuant-Signale zum Bitcoin-Bullenmarkt.

Fazit: Korrekturrisiko steigt, Bullenmarkt ist nicht widerlegt

Das kurzfristige Bild spricht eher für eine Abkühlung als für eine ungebremste Fortsetzung der Rallye: hohe Buchgewinne, ein starker Tag realisierter Gewinne und nachlassendes Nachfragewachstum erhöhen das Risiko eines Rücksetzers. Gleichzeitig bestätigt der Bericht keinen Bärenmarkt; der Ausbruch über den 365-Tage-Durchschnitt und ein Bull Score von 90 bleiben klare Gegenargumente zu einer bereits vollzogenen Trendwende.

Für die weitere Einordnung ist die Zone um 80.000 US-Dollar der erste entscheidende Prüfstein. Hält sie, passt eine Konsolidierung zur Einschätzung eines jungen Bullenmarkts. Bricht sie, rücken 71.000 und anschließend 67.000 US-Dollar in den Blick – und die Frage, ob die Nachfrage ausreicht, um den übergeordneten Trend zu stabilisieren.

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Patrick Krauss
Patrick Krauss
Krypto-Analyst & Review-Faktenchecker

Patrick Krauss ist Krypto-Analyst und Autor bei 99Bitcoins und verantwortlich für das Faktenchecking von Krypto-Börsen- und Broker-Reviews. Er prüft sämtliche Inhalte auf fachliche Richtigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit und stellt sicher, dass Angaben zu Gebühren, Handelsbedingungen, Regulierung, Sicherheitsstandards und Risikohinweisen korrekt... Mehr lesen

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