Conduit Technology verklagt Tether wegen rund 2,76 Millionen USDT, die seit September 2025 in einer Firmen-Wallet blockiert sind. Die am 5. Oktober 2026 beim Bundesgericht im südlichen Bezirk von New York eingereichte Klage stellt nicht Tethers technische Möglichkeit zum Einfrieren infrage, sondern die rechtliche Grundlage dafür in diesem konkreten Fall. Nach Darstellung von Conduit hätten brasilianische Behörden die Wallet nicht ausdrücklich zur Sperrung benannt.
Das Wichtigste im Überblick:
- Conduit fordert Zugang zu rund 2,76 Millionen USDT, die seit dem 24. September 2025 blockiert sind.
- Das Unternehmen behauptet, die Wallet habe eigenes Betriebskapital enthalten und sei von brasilianischen Behörden nicht zur Sperrung gemeldet worden.
- Der Fall dreht sich um Tethers rechtliche Befugnis zum Einfrieren, nicht um die technische Kontrolle des Emittenten über USDT.
Conduit verlangt Zugang zu eigenen Unternehmensmitteln
Conduit zufolge enthielt die betroffene Treasury-Wallet eigenes Betriebskapital und kein Geld von Kunden. Das Unternehmen behauptet, Tether habe den Zugang eingeschränkt, obwohl weder eine gerichtliche Anordnung noch eine direkte behördliche Aufforderung gegen diese Wallet vorgelegen habe.
Die zeitliche Abfolge ist ein zentraler Teil der Klage: Conduit gibt an, seine Geschäftsbeziehung mit Onix am 22. April 2025 beendet zu haben. Die später eingefrorene Wallet sei erst am 20. Mai eingerichtet worden; weder Onix noch ein mit dem Unternehmen verbundenes Finanzintermediär hätten sie besessen, mit Geld bestückt oder für Transaktionen genutzt.
Am 24. September 2025 setzte Tether die Adresse nach Conduits Darstellung auf die Blacklist. Ende September 2026 befanden sich laut Klage weiterhin etwa 2,76 Millionen USDT darin. Conduit verlangt die Wiederherstellung des Zugangs, mindestens 2,76 Millionen US-Dollar Schadensersatz sowie möglichen Strafschadensersatz und weitere vom Gericht festzusetzende Entschädigung.
Zu den geltend gemachten Ansprüchen zählen unrechtmäßige Aneignung, ungerechtfertigte Bereicherung, Verletzung treuhänderischer Pflichten und mutmaßliche Verstöße gegen ein US-Bundesgesetz zu Computerbetrug. Außerdem fordert Conduit eine Abrechnung möglicher Erträge aus den Reserven, die Tether den eingefrorenen Token zuordnet, und die Rückgabe von Einnahmen, die nach Auffassung des Gerichts dem Unternehmen zustehen. Tether hatte sich zu den Vorwürfen bis zum 7. Oktober 2026 nicht öffentlich geäußert.
Der Streit berührt damit ein breiteres Verwahrungs- und Gegenparteirisiko bei Krypto-Guthaben: Wer Stablecoins hält, ist auf die Regeln und technischen Möglichkeiten des Emittenten angewiesen.
Technische Kontrolle ist nicht gleich rechtliche Befugnis
Anders als bei Bitcoin kann Tether USDT an ausgewählten Adressen technisch blockieren und Transfers verhindern. Die veröffentlichten Bedingungen des Unternehmens sehen Sperren vor, wenn Gesetze oder Behörden sie verlangen, eine Adresse mit Ermittlungen verbunden ist oder Tether Einschränkungen nach eigenen Richtlinien für angemessen hält.
Conduit bestreitet nicht, dass Tether die technische Kontrolle besitzt. Die Klage stellt vielmehr die Frage, ob die Vertragsbedingungen und die konkreten Umstände dem Emittenten ausreichend rechtliche Grundlage gaben, gerade diese Unternehmensmittel einzufrieren. Das ist für Anleger eine wichtige Unterscheidung: Die Verfügbarkeit von USDT hängt nicht allein von der Blockchain ab, sondern auch davon, ob der Emittent eine Adresse sperrt.
Im Hintergrund steht eine brasilianische Polizeiermittlung aus dem Jahr 2024 gegen den Finanzintermediär Bull Intermediação de Negócios und das verbundene Unternehmen Onix. Laut Conduit übermittelten die Ermittler dem T3 Financial Crime Unit von Tether eine Liste verdächtiger Krypto-Adressen; die eigene Treasury-Wallet sei darin nicht enthalten gewesen. Conduit behauptet, T3 habe die Adresse stattdessen aufgrund eigener Analysen ausgewählt.
Die zugrunde liegende brasilianische Eingabe lag der US-Klage jedoch nicht öffentlich bei. Die Schilderung der behördlichen Rolle beruht daher auf Conduits Darstellung und ist bislang nicht unabhängig anhand des Dokuments überprüfbar. Tether hat nach eigenen Angaben im April das Einfrieren von mehr als 344 Millionen US-Dollar in USDT unterstützt, die mit zwei von US-Behörden ins Visier genommenen TRON-Adressen verbunden waren. Ein weiterer Rechtsstreit betrifft rund 42,4 Millionen US-Dollar in USDT auf zehn Ethereum-Adressen, die im Oktober 2025 eingefroren wurden; er hat andere Kläger und geht auf eine separate Ermittlung zurück.
Auch behördliche Maßnahmen gegen eingefrorene USDT verdeutlichen, wie relevant die Zusammenarbeit zwischen Emittent und Strafverfolgern für die tatsächliche Verfügbarkeit von Stablecoins ist. Für Nutzer steht dabei neben dem Vertrauen in den Token selbst auch das Vertrauen in die Entscheidungen seines Emittenten auf dem Spiel.
Die nächsten Schritte betreffen Tethers Begründung
Als Nächstes müssen die Klage zugestellt und die beklagten Tether-Gesellschaften zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Je nach ihrer Reaktion kann das Verfahren zunächst mit Anträgen zur Abweisung oder anderen frühen Anträgen weitergehen; auch eine Beweisaufnahme wäre möglich, bevor das Gericht die Ansprüche inhaltlich prüft.

Für den weiteren Verlauf ist entscheidend, ob Tether die Grundlage der Sperre erläutert und Conduits Darstellung zur Rolle der brasilianischen Behörden bestreitet. Ebenso muss das Gericht gegebenenfalls klären, wie weit die vertraglichen Befugnisse des Emittenten reichen und ob Conduit Anspruch auf Schadensersatz oder Erträge aus den Reserven hat. Bis dahin bleiben die Vorwürfe unbewiesene Behauptungen aus der Klageschrift.
Warum Sie 99Bitcoins vertrauen können
99Bitcoins wurde 2013 gegründet und verfügt über ein Team von Experten, deren Erfahrung bis in die Anfänge der Kryptozeit zurückreicht.
Wöchentliche Recherche
100k+Monatliche Leser
Experten
2000+Krypto-Projekte unter die Lupe genommen
