Der ISM-Preisindex für US-Dienstleistungen stieg im September auf 74,0 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Juli 2022. Zwar sanken die Wetten auf eine weitere Zinserhöhung im Oktober, doch steigende Langfristrenditen und deutlich schwächere ETF-Zuflüsse begrenzten die Entlastung für Bitcoin.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Der ISM Services PMI fiel von 55,4 auf 54,9, blieb aber den 27. Monat in Folge über der Expansionsschwelle.
  • Der Preisindex kletterte auf 74,0 Punkte; zugleich sank die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober laut Marktdaten auf unter 20 Prozent.
  • Bitcoin legte auf Wochensicht zu, während die Rendite zehnjähriger US-Anleihen stieg und die Zuflüsse in Spot-Bitcoin-ETFs stark zurückgingen.

Dienstleistungspreise steigen auf 74,0 Punkte

Der ISM Services PMI sank im September 2026 von 55,4 auf 54,9 Punkte. Werte über 50 signalisieren Wachstum: Der Dienstleistungssektor expandierte damit den 27. Monat in Folge, allerdings mit nachlassender Dynamik. Besonders deutlich fiel der Teilindex für die Geschäftstätigkeit, der von 61,7 auf 56,5 zurückging.

Das Gegengewicht zum langsameren Wachstum lieferte der Preisindex. Er stieg von 72,6 auf 74,0 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit Juli 2022, als er bei 74,5 gelegen hatte. Die Neuaufträge blieben mit 59,8 Punkten im Expansionsbereich; der Auftragsbestand stieg auf 56,6.

Steve Miller, Vorsitzender des ISM-Ausschusses für die Dienstleistungsumfrage, verwies auf Zölle und Treibstoffkosten als zentrale Probleme in den Lieferketten. Treibstoff wurde laut Bericht doppelt so oft genannt wie jeder andere einzelne Faktor. Damit rücken Kosten in den Vordergrund, die sich über Transport, Verteilung und Energieversorgung auch auf Dienstleistungen auswirken können. Die Inflationssorgen und steigende Zinserwartungen sind deshalb auch für die Nachfrage nach Bitcoin relevant.

Weniger Zinserhöhungswetten, aber höhere Renditen

Die schwachen Beschäftigungsdaten verschoben die kurzfristigen Zinserwartungen deutlich. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung am 28. Oktober fiel innerhalb einer Woche von ungefähr 70 auf unter 20 Prozent. Ein früherer Messwert von CME FedWatch hatte am 30. September noch 47,1 Prozent angezeigt, nach 70,9 Prozent eine Woche zuvor.

Gleichzeitig stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen laut dem Bericht auf etwa 5,27 Prozent. Das zeigt, dass der Markt eine mögliche Pause bei der nächsten Fed-Sitzung nicht mit dem Ende des Inflations- und Zinsrisikos gleichsetzt. Langfristige Renditen spiegeln neben Zinserwartungen auch Inflationserwartungen und eine Laufzeitprämie wider. Höhere Renditen können die Bewertung von Anlagewerten belasten, die stärker von künftigem Wachstum abhängen – darunter Bitcoin und Wachstumsaktien. Der Zusammenhang zwischen US-Inflationsdaten, Anleiherenditen und dem Bitcoin-Kurs bleibt damit ein wichtiger Faktor.

Eine durchweg negative Kursreaktion blieb allerdings aus: Bitcoin lag laut dem Wochenrückblick nahe 85.583 US-Dollar und rund 2,9 Prozent im Plus, nachdem der Kurs zwischenzeitlich 86.885 US-Dollar erreicht hatte. Ether notierte bei etwa 2.702 US-Dollar und gewann ungefähr 1,9 Prozent. Zugleich fielen die wöchentlichen Zuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs von 2,39 Milliarden auf 82,9 Millionen US-Dollar; Ethereum-Produkte verzeichneten Nettoabflüsse von 118 Millionen US-Dollar. Die Kursstärke ging also mit deutlich geringeren ETF-Zuflüssen einher.

Das Bitcoin-Symbol in Weiß auf einem orangefarbenen, wirbelnden Hintergrund.
Symbol der Kryptowährung Bitcoin – Foto: PerfectHue / CC0

Schwache Beschäftigung trifft auf hartnäckige Kosten

Die Arbeitsmarktdaten sprechen für Vorsicht: Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg im September nur um 29.000, während die Werte der beiden Vormonate zusammen um 60.000 nach unten revidiert wurden. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,2 Prozent. Auch der Beschäftigungsindex des ISM erholte sich zwar von 47,8 auf 50,1, lag damit aber nur knapp über der Schwelle, die Wachstum von Rückgang trennt.

Gleichzeitig beschränkte sich der Kostendruck nicht auf Dienstleistungen. Im verarbeitenden Gewerbe stieg der ISM-Preisindex von 71,1 auf 77,9, während der Gesamtindex mit 54,5 nach 54,6 im August nahezu unverändert blieb. Offizielle Inflationsdaten liefern einen weiteren Prüfpunkt: Der PCE-Preisindex lag im August 3,4 Prozent über dem Vorjahreswert, der Kernindex ohne Lebensmittel und Energie bei 3,0 Prozent. Die monatlichen Zuwächse betrugen 0,3 beziehungsweise 0,2 Prozent.

Damit stehen schwache Neueinstellungen und anhaltender Preisdruck nebeneinander. Das erschwert die Abwägung der Federal Reserve: Eine schwächere Beschäftigung spricht für Zurückhaltung, während hartnäckige Preise gegen eine schnelle Lockerung sprechen. Für Bitcoin zählt dabei nicht nur, ob die nächste Zinserhöhung ausbleibt, sondern auch, ob langfristige Renditen weiter steigen. Die Konjunkturdaten und Fed-Termine als Treiber der Zinserwartungen können deshalb die Marktstimmung rasch verändern.

Fed-Protokoll und Oktober-Sitzung im Fokus

Das Protokoll der September-Sitzung sollte am 7. Oktober veröffentlicht werden; die nächste Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed war für den 27. und 28. Oktober angesetzt. Bei der Entscheidung am 16. September hatte die Notenbank den Zielkorridor auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Laut dem Bericht fiel die Abstimmung einstimmig aus; 16 von 18 Teilnehmern rechneten demnach mit mindestens einer weiteren Erhöhung in diesem Jahr.

Das beleuchtete Hauptgebäude der Federal Reserve in Washington D.C. bei Dämmerung.
Hauptgebäude der Federal Reserve in Washington D.C. – Foto: bettrichard873

Für Anleger ist die Kombination entscheidend: Nachlassende Zinserhöhungswetten können risikoreiche Anlagen kurzfristig stützen, wie Bitcoins Wochenplus zeigt. Solange jedoch die Dienstleistungspreise hoch bleiben, die ETF-Zuflüsse schwach sind und die Rendite zehnjähriger Anleihen steigt, ist daraus keine klare Entwarnung abzuleiten.

Warum Sie 99Bitcoins vertrauen können

10+ Jahre

99Bitcoins wurde 2013 gegründet und verfügt über ein Team von Experten, deren Erfahrung bis in die Anfänge der Kryptozeit zurückreicht.

90hr+

Wöchentliche Recherche

100k+

Monatliche Leser

50+

Experten

2000+

Krypto-Projekte unter die Lupe genommen

Google News Icon
Folgen Sie 99Bitcoins in Ihrem Google News Feed.
Erhalten Sie die neuesten Updates, Trends und Einblicke direkt auf Ihr Gerät.
Jetzt abonnieren
Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

Kostenloser Bitcoin-Crashkurs

  • Von über 100.000 Lesern genutzt
  • Eine E-Mail pro Tag, sieben Tage lang.
  • Kurz und lehrreich, garantiert!

Investieren ohne Kompromisse.

  • 0 % Provision: Aktien & ETFs provisionsfrei handeln.
  • 3,5 % Zinsen p.a.: Auf Ihr freies Guthaben.
  • 1 App für alles: Aktien, Krypto, ETFs & Sparpläne.
Investieren ohne Kompromisse.
Nach oben