Strategy schätzt den steuerlichen Bilanzierungsvorteil nach der Bitcoin-Rallye auf 4,1 Milliarden US-Dollar: Zum 30. September lag der Fair Value der Bestände wieder über ihren Anschaffungskosten. Der Effekt verringert den geschätzten Steueraufwand, ist aber kein entsprechender Mittelzufluss.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Strategy beziffert den Steuerbilanzierungsvorteil auf geschätzte 4,1 Milliarden US-Dollar.
  • Der Effekt beruht auf einer Anpassung der Steuerbilanz und bedeutet keine zusätzlichen Einnahmen.
  • Die Kostenbasis eines Bitcoin-ETFs ist nicht automatisch der Break-even seiner einzelnen Anteilseigner.

Strategy meldet geschätzten Steuerbilanzierungsvorteil

Laut einer am 5. Oktober eingereichten Mitteilung schätzte Strategy den Income-Tax-Benefit auf 4,1 Milliarden US-Dollar. Auslöser war der Bewertungsvergleich zum 30. September: Der beizulegende Zeitwert der Bitcoin-Bestände lag über den Anschaffungskosten. Strategy kehrte eine latente Steuerforderung im Zusammenhang mit Bitcoin um und löste die damit verbundene Bewertungsrücklage auf. Dadurch sinkt der geschätzte Steueraufwand.

Die Zahlen stammen aus einer von der Unternehmensführung erstellten Schätzung. KPMG hatte sie weder geprüft noch einer prüferischen Durchsicht unterzogen. Der ausgewiesene Vorteil ist daher als vorläufige Managementangabe zu verstehen, nicht als abschließend testiertes Ergebnis.

Zum 4. Oktober um 16 Uhr Eastern Time meldete Strategy einen Bestand von 848.000 BTC zu einem durchschnittlichen Kaufpreis von 75.440,70 US-Dollar je Bitcoin, einschließlich Gebühren und Aufwendungen. Dieser Bestand und seine Kostenbasis beziehen sich auf einen späteren Stichtag als der Bilanzvergleich zum 30. September. Die beiden Angaben sollten deshalb nicht gleichgesetzt werden. Strategys umfangreiche Bitcoin-Käufe und der Bestand des Unternehmens bilden den Hintergrund des Effekts; sie lassen sich auch im Kontext seiner Bitcoin-Treasury und des Rekordbestands einordnen.

Das Bitcoin-Symbol in Weiß auf einem abstrakten orangefarbenen Hintergrund.
Symbol der Kryptowährung Bitcoin – Foto: PerfectHue / CC0

Entscheidend ist die Trennung zwischen Buchwert und Liquidität: Eine höhere Bewertung kann die ausgewiesene Steuerposition verändern, ohne dass Strategy Bitcoin verkauft oder dafür Geld erhält. Das Ergebnis hängt damit unmittelbar von der Bewertung der Bestände zum jeweiligen Stichtag ab.

Kostenbasis bei Treasuries und ETFs ist nicht gleich Anleger-Break-even

Bei einem Vergleich mit Bitcoin-ETFs kommt es darauf an, welche Position betrachtet wird. Für BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) schätzte ein Modell die durchschnittlichen Anschaffungskosten der noch gehaltenen Bitcoin zum 2. Oktober auf 81.188 US-Dollar je BTC. BlackRocks Bestandsdatei wies am 5. Oktober rund 806.038 BTC aus; die Fondsseite meldete für diesen Tag knapp 69 Milliarden US-Dollar Nettovermögen und einen Bitcoin-Referenzwert von 85.694,41 US-Dollar.

Diese Fondskennzahlen sind jedoch nicht der persönliche Einstandspreis eines Anteilseigners. Wer IBIT-Anteile zu einem anderen Marktpreis gekauft hat, erreicht seinen Break-even zu einem anderen Bitcoin-Kurs als jemand, der zu einem späteren oder früheren Zeitpunkt eingestiegen ist. Fondsbestand, Kostenbasis der zugrunde liegenden Bitcoin und Kaufpreis individueller ETF-Anteile sind drei unterschiedliche Größen.

Auch Strategys Finanzierung und die Entwicklung seiner Bitcoin-Bestände sind getrennte, aber zusammenhängende Aspekte der Treasury-Strategie. Aktienemissionen und Bitcoin-Käufe bei Strategy helfen, diese Kapitalstruktur zu verstehen. Vergleichbare Bewertungsfragen stellen sich auch bei anderen Unternehmen mit Bitcoin-Treasury, etwa Strategy und Strive.

ETF-Rücknahmen sind nicht automatisch Bitcoin-Verkäufe

Am 5. Oktober verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs zusammengerechnet Nettoabflüsse von 89,8 Millionen US-Dollar; IBIT meldete für dieselbe Sitzung Zuflüsse. Das zeigt unterschiedliche Flussrichtungen an einem Handelstag, belegt aber nicht, dass ein Überschreiten der Kostenbasis die Entscheidungen ausgelöst hat.

Im ersten Halbjahr erwarb IBIT 157.501 BTC und veräußerte 192.970 BTC im Zusammenhang mit Anteilrücknahmen. Zu solchen Rücknahmen zählen auch Übertragungen in Bitcoin. Direkt beim Fonds können nur autorisierte Teilnehmer Anteile schaffen oder zurückgeben. Bei einer Rücknahme gegen Bitcoin erhält der Teilnehmer BTC; ob er diese anschließend am Markt verkauft, hängt von seiner eigenen Entscheidung ab. Für die Marktwirkung zählen daher tatsächliche Transaktionen und der Umgang mit übertragenen Coins – nicht allein ein gemeinsames Preisniveau oder eine Kostenbasis.

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Patrick Krauss
Patrick Krauss
Krypto-Analyst & Review-Faktenchecker

Patrick Krauss ist Krypto-Analyst und Autor bei 99Bitcoins und verantwortlich für das Faktenchecking von Krypto-Börsen- und Broker-Reviews. Er prüft sämtliche Inhalte auf fachliche Richtigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit und stellt sicher, dass Angaben zu Gebühren, Handelsbedingungen, Regulierung, Sicherheitsstandards und Risikohinweisen korrekt... Mehr lesen

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