Der Vorsitzende des Ways-and-Means-Ausschusses im US-Repräsentantenhaus, Jason Smith, hat am Montagabend einen 114-seitigen Gesetzentwurf zur Krypto-Besteuerung vorgelegt. Der Digital Asset Tax Certainty Act (H.R. 10357) würde Netzwerk- und Transaktionsgebühren unter 10 US-Dollar von der Steuer befreien – allerdings nicht für Wallets mit mehr als 5.000 Transfers im Vorjahr. Der Ausschuss berät den Text am Mittwoch, dem 16. September, um 10 Uhr Ortszeit im sogenannten Markup-Verfahren.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Gebühren unter 10 US-Dollar sollen künftig steuerfrei sein – betrifft Swaps, Bridges und Transfers.
  • Wallets mit über 5.000 Transfers im Vorjahr sind von der Ausnahme ausgeschlossen.
  • Wash-Sale-Regeln sollen die Lücke schließen, die aktives Loss-Harvesting bei Krypto bislang ermöglicht.
  • Mining- und Staking-Vorschriften stehen laut Punchbowl News vor dem Streichen oder einer Fünf-Jahres-Kappung.
  • Berichten zufolge dürfte das Gesetz 2026 wegen begrenzter Sitzungszeit vor November nicht mehr verabschiedet werden.

Was der Gesetzentwurf konkret ändert

Der Entwurf bündelt mehrere Einzelthemen: De-minimis-Transaktionen, Gewinn- und Verlustverrechnung, Transfers, Wash-Sale-Regeln sowie Vorschriften für Mining, Staking und Broker. Nach Angaben von Bloomberg Government übernimmt der Text Bausteine aus früheren Vorlagen der Abgeordneten Steven Horsford und Max Miller.

Die praktisch spürbarste Änderung betrifft fast jeden Krypto-Nutzer: Jeder Swap, jede Bridge-Transaktion und jeder Transfer auf einer Blockchain verursacht eine Gebühr, und genau diese Gebühren unter 10 Dollar sollen künftig kein Steuerereignis mehr auslösen. Wer allerdings mehr als 5.000 Transfers im Vorjahr durchgeführt hat, fällt aus der Ausnahme heraus – die Regel zielt damit erkennbar auf hochfrequente Trader und automatisierte Strategien. Für deutsche Anleger, die sich mit den steuerlichen Regeln für Krypto-Gewinne im eigenen Land vergleichen wollen, zeigt sich hier ein deutlicher Unterschied im Ansatz.

Parallel dazu würde H.R. 9172 Wash-Sale- und Constructive-Sale-Regeln auf digitale Assets ausweiten, mit einer Ausnahme für qualifizierte US-Dollar-Stablecoins. Laut dem Bericht wird der geschätzte Einnahmeeffekt dieser Regel auf 2,074 Milliarden US-Dollar über die Haushaltsjahre 2026 bis 2036 taxiert. Die Begleitvorlage H.R. 9175 würde Mining- und Staking-Einkommen aus neu erzeugten Token bis zum Verkauf steuerlich aufschieben, mit geschätzten Kosten von 2,956 Milliarden US-Dollar über denselben Zeitraum.

Warum die Regeln für Krypto-Nutzer relevant sind

Bislang können Krypto-Trader einen Vermögenswert mit Verlust verkaufen, ihn sofort zurückkaufen und den steuerlichen Verlust trotzdem geltend machen – eine Lücke, die Aktienanlegern nicht offensteht. Genau diese Praxis soll durch die neuen Wash-Sale-Regeln beendet werden, mit der genannten Ausnahme für Dollar-Stablecoins.

Die Gebührenbefreiung wird im Bericht ausdrücklich als Unterstützung für den alltäglichen Zahlungsverkehr mit Kryptowährungen eingeordnet, da kleine Zahlungen sonst jedes Mal ein eigenes Steuerereignis auslösen würden. Für aktive Trader, die über regulierte Plattformen handeln, bleibt die Frage der Verwahrung und Abwicklung von Krypto-Assets ein wichtiger Faktor, da sich Meldepflichten und Kostenstrukturen je nach Anbieter unterscheiden.

Weniger klar ist die Zukunft der Mining- und Staking-Vorschriften. Punchbowl News berichtete am 13. September, dass republikanische Ausschussmitglieder ernsthaft erwägen, diese Passagen zu streichen – ein Streitpunkt, der besonders mit Horsford als wichtigstem demokratischen Krypto-Befürworter im Ausschuss verknüpft ist. Im Raum stehen drei Optionen: den Steueraufschub beibehalten, ihn komplett entfernen oder ihn auf fünf Jahre begrenzen.

Worauf es beim Markup ankommt

Die Beratung folgt auf eine Anhörung am 9. Juni, bei der Vertreter von Coinbase, Fidelity, Coin Center und dem Tax Law Center der NYU Law School Stellung nahmen. Entscheidend wird am Mittwoch, ob der Steueraufschub für Mining und Staking bestehen bleibt, wegfällt oder eine Fünf-Jahres-Grenze erhält, und ob Horsford sowie weitere Demokraten dem Text überhaupt zustimmen.

Ebenfalls offen ist, ob die 10-Dollar-Schwelle oder die 5.000-Transfer-Grenze im Zuge von Änderungsanträgen noch verschoben wird. Der Markup fällt zudem auf denselben Tag, an dem der Finanzdienstleistungsausschuss über die Strategic-Bitcoin-Reserve-Vorlage abstimmt, und liegt nur einen Tag nach der Cloture-Abstimmung zum CLARITY Act im Senat. Berichten zufolge dürfte der Digital Asset Tax Certainty Act angesichts der begrenzten Sitzungszeit im Repräsentantenhaus vor November aber noch nicht 2026 zum Gesetz werden.

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Patrick Krauss
Patrick Krauss
Krypto-Analyst & Review-Faktenchecker

Patrick Krauss ist Krypto-Analyst und Autor bei 99Bitcoins und verantwortlich für das Faktenchecking von Krypto-Börsen- und Broker-Reviews. Er prüft sämtliche Inhalte auf fachliche Richtigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit und stellt sicher, dass Angaben zu Gebühren, Handelsbedingungen, Regulierung, Sicherheitsstandards und Risikohinweisen korrekt... Mehr lesen

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