Der jüngste Hack beim Solana-DeFi-Protokoll Drift sorgt erneut für Schlagzeilen und wirft ein kritisches Licht auf Sicherheits- und Compliance-Strukturen im Kryptomarkt. Angreifer konnten erhebliche Summen bewegen, wobei auch der Stablecoin USDC eine zentrale Rolle spielte.
Gerade Stablecoins gelten eigentlich als „sicherer Hafen“ innerhalb der Kryptoökonomie – doch der Fall zeigt, dass selbst hier Risiken bestehen, wenn Reaktionszeiten und Kontrollmechanismen nicht greifen. Besonders brisant: Während Blockchain-Transaktionen grundsätzlich transparent sind und gestohlene Gelder oft identifiziert werden können, entscheidet letztlich die Geschwindigkeit von Emittenten wie Circle darüber, ob Vermögenswerte eingefroren werden können.
Genau hier setzt nun scharfe Kritik an. Der bekannte On-Chain-Analyst ZachXBT wirft Circle wiederholtes Versagen vor – und spricht von hunderten Millionen US-Dollar, die durch verzögerte oder ausbleibende Maßnahmen rund um Stablecoins verloren gegangen sein könnten.
Das Wichtigste im Überblick:
- Scharfe Kritik an Circle nach dem Drift-Hack.
- Zahlreiche Beispiele zeigen, dass die Circle Compliance bei Hacks zu spät oder gar nicht reagiert.
- ZachXBT kritisiert Circle scharf, Bedeutung im Kryptomarkt bleibt groß.
ZachXBT erhebt schwere Vorwürfe gegen Circle
Der bekannte Blockchain-Analyst ZachXBT hat in einer ausführlichen Untersuchung zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen Circle offenbar nicht rechtzeitig auf Sicherheitsvorfälle reagiert haben soll. Seine Analyse umfasst mehrere Jahre und zeigt ein wiederkehrendes Muster: gestohlene USDC-Bestände wurden häufig nicht oder zu spät eingefroren – selbst dann, wenn klare Hinweise und sogar Anfragen von Behörden vorlagen.
Ein besonders prägnantes Beispiel ist der Hack der Börse Remitano im September 2023. Damals lagen rund 441.000 USDC über acht Stunden hinweg in bekannten Diebstahl-Adressen, ohne dass Circle eingriff. Zeitgleich reagierte Tether deutlich schneller und fror 1,4 Millionen USDT in denselben Wallets ein. Für viele Beobachter ist das ein klarer Hinweis auf Unterschiede in der operativen Reaktionsgeschwindigkeit der Stablecoin-Emittenten.
Ein weiterer Fall betrifft einen DeFi-Entwickler im November 2022, dem rund 20 Millionen US-Dollar gestohlen wurden. Auch hier verblieben über 500.000 USDC über einen Monat hinweg in einer identifizierten Diebstahl-Adresse – trotz gestellter Freeze-Anfragen. Parallel dazu fror Tether erneut entsprechende USDT-Bestände ein.
1/ Welcome to the Circle $USDC files.
$420M+ in alleged compliance failures since 2022, including fifteen cases of the US-regulated stablecoin issuer taking minimal action against illicit funds. pic.twitter.com/OiWZz5MrVM
— ZachXBT (@zachxbt) April 3, 2026
ZachXBT verweist zudem auf strukturelle Risiken, etwa im Zusammenhang mit nordkoreanischen IT-Arbeitern, die zwischen 2022 und 2025 Zahlungen in Millionenhöhe erhielten. USDC-Transfers standen laut seiner Analyse in indirekter Verbindung zu sanktionierten Adressen, ohne dass entsprechende Maßnahmen erfolgten.
Auch bei größeren Hacks, wie etwa dem Angriff auf Radiant Capital im Oktober 2024 oder dem Bybit-Hack 2025 durch die Lazarus Group, zeigt sich laut ZachXBT ein ähnliches Bild: USDC blieb teilweise über Stunden oder länger in bekannten Hacker-Wallets, während andere Emittenten schneller reagierten.
Besonders kritisch bewertet er zudem den Umgang mit sanktionierten Plattformen wie Garantex. Trotz OFAC-Sanktionen und internationaler Ermittlungen sollen über 200.000 USDC unbehelligt geblieben sein, während Tether gleichzeitig Millionenbeträge einfrieren konnte.
Über 420 Millionen Dollar betroffen
Sein Fazit fällt deutlich aus: Über 420 Millionen US-Dollar seien durch wiederholte Untätigkeit oder verspätete Reaktionen betroffen gewesen – wobei dies nur öffentlich bekannte Fälle seien. Die tatsächliche Summe dürfte deutlich höher liegen. Trotz dieser Kritik betont ZachXBT, dass er USDC selbst nutze und Circle grundsätzlich funktionierende Produkte entwickle. Dennoch stellt er eine zentrale Frage in den Raum: Für wen handelt Circle eigentlich – und werden die Interessen der Nutzer ausreichend geschützt?
🚨Do you understand what's happening with the "most regulated" stablecoin in crypto..
Circle runs $USDC.. marketed as the safe, compliant option.. their own terms say they can freeze any address they suspect of illicit activity..
Now look at what actually happened..
Drift… https://t.co/iDtd6RNTjK pic.twitter.com/lz9jF5eN7T
— Sjuul | AltCryptoGems (@AltCryptoGems) April 3, 2026
Auch der hiesige Analyst bringt seine Kritik auf den Punkt: Seit 2022 habe es mindestens 15 dokumentierte Fälle mit über 420 Millionen US-Dollar gegeben, in denen Circle nicht ausreichend reagierte – und das seien nur öffentlich bekannte Vorfälle. Besonders brisant: Ausgerechnet Tether, oft selbst kritisiert, habe in allen Fällen schneller gehandelt. Dabei verfüge Circle technisch über die Möglichkeit, USDC jederzeit einzufrieren – nutze diese aber zu selten. Seine Schlussfolgerung: Regulierung allein garantiert keine Sicherheit für Nutzer.
Große Bedeutung von USDC und Circle für den Stablecoin-Markt
Trotz der aktuellen Kritik bleibt die Rolle von Circle und dem Stablecoin USDC im Kryptomarkt enorm. Daten von rwa.xyz zeigen, dass Circle mit rund 72,1 Milliarden US-Dollar an Stablecoin-Volumen weiterhin der zweitgrößte Anbieter weltweit ist. Der Marktanteil liegt bei etwa 24,09 Prozent – nur hinter Tether, das mit 174,7 Milliarden US-Dollar und über 58 Prozent dominiert. Diese Zahlen unterstreichen, wie systemrelevant USDC für die gesamte Branche ist.
Auch ein Blick auf die einzelnen Stablecoins bestätigt die Relevanz: USDC kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 74,1 Milliarden US-Dollar und ist damit klar die Nummer zwei hinter USDT mit über 185 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig ist USDC auf zahlreichen Blockchains integriert und spielt eine zentrale Rolle in DeFi, bei institutionellen Anwendungen und im globalen Zahlungsverkehr.
Gerade deshalb wiegen die Vorwürfe schwer. Denn wenn ein derart bedeutender Akteur Schwächen in der Compliance zeigt, betrifft das nicht nur Einzelfälle, sondern potenziell das Vertrauen in den gesamten Markt. Umso wichtiger wäre es, dass Circle seine Prozesse verbessert und schneller auf Bedrohungen reagiert. Anleger und Nutzer können letztlich nur hoffen, dass sich das Unternehmen angesichts wachsender Kritik weiterentwickelt und seiner Verantwortung gerecht wird.
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