34,4 Prozent der gesamten Ethereum-Versorgung liegen inzwischen in Staking-Verträgen fest – ein neuer Rekordwert. Allein in der vergangenen Woche flossen laut On-Chain-Daten netto über 1,4 Millionen ETH zusätzlich in den Beacon-Chain-Vertrag, wodurch der gestakte Bestand auf 41,4 Millionen ETH kletterte.

Das Wichtigste im Überblick:

  • 41,4 Mio. ETH (34,4 % der Gesamtversorgung) sind gestakt, Anfang des Jahres waren es noch rund 30 Prozent
  • Die Basisrendite (Consensus-APR) ist auf rund 2,78 % verdünnt, die Gesamtrendite inklusive Execution-Layer-Belohnungen liegt bei 3,3 bis 3,8 %
  • Ethereum-Forscher haben mit EIP-8361 einen Vorschlag eingebracht, der die Validator-Belohnungen ab einer Staking-Quote von 50 % auf null senken würde

Institutionelles Kapital treibt den Anstieg

Der Sprung von rund 30 auf 34,4 Prozent seit Jahresbeginn geht laut der ausgewerteten Marktdaten maßgeblich auf Spot-Ethereum-ETFs wie BlackRocks iShares Ethereum Trust und Grayscales Ethereum Mini Trust zurück. Verwahrer wandeln die zufließenden Bestände systematisch in On-Chain-Staking-Positionen um, um die Rendite der zugrunde liegenden Produkte zu optimieren – ein Trend, der sich mit BlackRocks jüngsten Plänen für Ethereum deckt.

Graphic featuring BlackRock logo, 3D ETF text, and Ethereum cryptocurrency symbols

Hinzu kommen Liquid-Staking-Token wie Lidos stETH, die die 32-ETH-Mindestschwelle für Solo-Validatoren umgehen, sowie das Restaking-Ökosystem rund um EigenLayer und ether.fi, das zusätzliche Renditeprämien auf die Basisrendite legt. Die Nachfrage übersteigt inzwischen sogar die technische Kapazität des Netzwerks: Neue Validatoren müssen wegen des sogenannten Churn-Limits teils tage- bis wochenlang in einer Warteschlange verharren, bevor ihre Einlagen aktiv werden.

Konzentrationsrisiko und verdünnte Rendite

Mit steigender Staking-Quote sinkt die Basisrendite pro Validator, da das Protokoll einen festen ETH-Pool auf eine wachsende Zahl von Teilnehmern verteilt. Aktuell liegt sie bei etwa 2,78 Prozent, durch Priority-Fees und MEV kommen Validatoren aber auf eine Gesamtrendite von 3,3 bis 3,8 Prozent. Laut Daten von Token Terminal, ausgewertet von MSB Intel, kontrolliert allein Lido rund 28 Prozent des gesamten gestakten ETH-Bestands – ein Konzentrationsgrad, der zusammen mit Coinbase und Binance regulatorische Angriffsflächen schafft und dem dezentralen Anspruch des Netzwerks widerspricht.

Gleichzeitig verdrängt der wachsende Staking-Anteil frei handelbares ETH aus den Orderbüchern der Börsen. Wer nicht stakt, verliert durch die programmatische Emission zusätzlicher Token schleichend an Kaufkraft – ein Effekt, der intern bereits als „Unstaking-Tax“ diskutiert wird und die Diskrepanz zwischen fundamentalem Netzwerkwachstum und Kursentwicklung weiter befeuern könnte.

EIP-8361 soll die Spirale bremsen

Als Reaktion haben Ethereum-Foundation-Forscher, darunter Justin Drake und Jerome de Tychey, am 4. August 2026 den Vorschlag EIP-8361 („Tapered Issuance Burn“) eingebracht. Er sieht vor, Validator-Belohnungen ab einer Staking-Quote von 50 Prozent – umgerechnet rund 60,25 Millionen ETH – vollständig zu verbrennen, mit einem 18-monatigen linearen Übergang bis zur Nullgrenze.

Justin Drake speaking at a Deconomy event while wearing an Ethereum logo t-shirt
Justin Drake of the Ethereum Foundation speaking at a Deconomy conference.

Grayscales Research-Chef Zach Pandl sieht darin eine sinnvolle Weiterentwicklung der Tokenomics, die künftig für einen deflationären Angebotsdruck sorgen könnte. Aave-Gründer Stani Kulechov warnt dagegen, dass eine volatile, gegen null tendierende Staking-Rendite die Zinskurven in DeFi-Kreditmärkten destabilisieren und Solo-Staker mit fixen Betriebskosten benachteiligen würde.

Was als Nächstes zu beobachten ist

  • Governance-Fenster: Die öffentliche Debatte um EIP-8361 läuft mindestens bis November 2026, bevor über eine Aufnahme in ein künftiges Upgrade entschieden wird.
  • Hegotá-Upgrade: Bei Konsens könnte der Vorschlag frühestens im zweiten Quartal 2027 live gehen.
  • Liquiditätslage: Sinkt das frei handelbare Angebot weiter, könnte dies die Volatilität an Spotmärkten erhöhen – ein Faktor, der sich auch in Kennzahlen wie dem TVL-Rückgang auf Layer-2-Netzwerken widerspiegeln könnte.

Quelle: KuCoin, MSB Intel

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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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