Das US-Justizministerium hat zwei ehemalige Robinhood-Ingenieure wegen Commodity Fraud und Wire Fraud angeklagt. Hefu Chai und Huaisong „Jerry“ Xiang sollen vertrauliche Informationen über bevorstehende Krypto-Listings genutzt haben, um zwischen 2025 und 2026 mit Perpetual-Futures auf Hyperliquid Gewinne zu erzielen.
Das Wichtigste im Überblick:
- DOJ klagt Hefu Chai und Huaisong „Jerry“ Xiang wegen Commodity Fraud und Wire Fraud an
- Beide sollen laut Anklage jeweils mehr als 50.000 US-Dollar durch Trades vor Robinhood-Listings erzielt haben
- Zugang zu vertraulichen Listing-Terminen über einen privaten Slack-Kanal für „Coin Aware Individuals“
- Höchststrafen: 10 Jahre nach dem Commodity Exchange Act, 20 Jahre wegen Wire Fraud
- Beide Beschuldigten gelten bis zu einer Verurteilung als unschuldig
DOJ erhebt Anklage wegen Geschäften vor Robinhood-Listings
Laut dem US-Justizministerium (DOJ) sollen Chai und Xiang Zugang zu einem privaten Slack-Kanal gehabt haben, der geplante Listing-Termine enthielt. Robinhood hatte beide als sogenannte „Coin Aware Individuals“ eingestuft – eine interne Kategorie, die Mitarbeitern mit Zugriff auf sensible Listing-Informationen besondere Handelsbeschränkungen auferlegt.
Die Staatsanwaltschaft wirft beiden vor, mit diesem Wissen Long-Positionen in Hyperliquid-Perpetuals eröffnet und diese erst geschlossen zu haben, nachdem die jeweiligen Token nach ihrem Debüt auf Robinhood im Wert gestiegen waren. Chai soll demnach vor mindestens zehn Listing-Ankündigungen gehandelt haben, darunter Token wie MEW, MOODENG, ASTER, XPL, HYPE, ENA und AERO. Xiang habe im März 2025 erstmals mit POPCAT-Perpetuals gehandelt und sei danach in mindestens zehn weiteren Fällen aktiv gewesen.
Robinhoods interne Richtlinie untersagte Mitgliedern dieser Gruppe laut DOJ ausdrücklich den Handel auf Robinhood oder jeder anderen Plattform innerhalb von 24 Stunden vor und nach einer Listing- oder Delisting-Ankündigung. Jeder Beschuldigte soll dabei mehr als 50.000 US-Dollar Gewinn erzielt haben. Wer sich näher mit der regulatorischen Einordnung solcher Handelsregeln beschäftigen möchte, findet ergänzenden Kontext in unserem Beitrag zum US-Krypto-Steuergesetzentwurf, der ähnliche Fragen zu Marktintegrität und Handelsregeln aufgreift.
Warum der Fall über Robinhood hinausgeht
US-Attorney Jamie McDonald erklärte laut DOJ sinngemäß, dass Unternehmensinsider geltende Wertpapier- und Rohstoffgesetze nicht dadurch umgehen könnten, dass sie missbrauchte Informationen über Perpetuals, tokenisierte Wertpapiere oder vergleichbare Instrumente handeln. Diese Formulierung ist entscheidend: Sie zeigt, dass Ermittler bestehende Betrugstatbestände direkt auf dezentrale Derivatemärkte anwenden, statt auf neue, krypto-spezifische Gesetze zu warten.
Der Primärbericht zieht selbst eine Parallele zum Coinbase-Insiderhandelsfall aus dem Jahr 2023, bei dem ein früherer Mitarbeiter vertrauliche Listing-Informationen genutzt hatte, um direkt mit den zugrunde liegenden Token zu handeln. Der Robinhood-Fall unterscheidet sich davon in einem zentralen Punkt: Statt Spot-Assets zu kaufen, sollen Chai und Xiang über Perpetual-Futures auf einer dezentralen Plattform gehandelt haben – ein Konstrukt, das die Reichweite klassischer Insiderhandelsregeln in DeFi-Derivatemärkte testet.
Für Anleger, die verstehen wollen, wie US-Aufsichtsbehörden Listing-Prozesse und Marktzugang regulatorisch einordnen, lohnt ein Blick auf unsere Analyse zur CLARITY-Act-Abstimmung im US-Senat, die den breiteren Rahmen für SEC- und CFTC-Zuständigkeiten bei Krypto-Handel absteckt.
Was als Nächstes zu beobachten ist
Beide Beschuldigten sehen sich je einem Vorwurf nach dem Commodity Exchange Act gegenüber, der eine Höchststrafe von 10 Jahren Haft vorsieht, sowie einem Vorwurf des Wire Fraud mit bis zu 20 Jahren Höchststrafe. Es handelt sich ausdrücklich um Anschuldigungen – Chai und Xiang gelten bis zu einer möglichen Verurteilung als unschuldig.
Cointelegraph hatte Robinhood um eine Stellungnahme gebeten, bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung jedoch keine Antwort erhalten. Eine spätere Reaktion des Unternehmens dürfte für die Einordnung interner Kontrollmechanismen und Informationsbarrieren relevant werden, insbesondere mit Blick darauf, wie technische Produktfunktionen regulatorische Pflichten auslösen können – ein Thema, das auch unser Beitrag zu MiCAR-Pflichten für App-Funktionen bei Krypto-Startups vertieft.
Der Ausgang der Strafverfahren gegen Chai und Xiang bleibt der zentrale nächste Schritt. Ob zusätzliche zivilrechtliche Maßnahmen folgen, ist derzeit nicht bestätigt und sollte nicht vorschnell als angekündigte Behördenreaktion dargestellt werden.
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