DogeOS hat am Mittwoch, dem 30. September 2026, das öffentliche Chikyū-Testnet gestartet und bringt damit EVM-kompatible Smart Contracts auf eine Anwendungsebene für Dogecoin. DOGE könnte dadurch über Zahlungen und Handel hinaus eingesetzt werden; das Netzwerk ist jedoch noch eine frühe Testversion und beruht derzeit auf zusätzlichen Vertrauensannahmen.
Das Wichtigste im Überblick:
- Chikyū ist ein EVM-kompatibles Zero-Knowledge-Rollup-Testnet, bei dem DOGE als Token für Transaktionsgebühren dient.
- Die Dogecoin-Basisschicht bleibt unverändert; Dogecoin selbst überprüft die ZK-Beweise derzeit nicht.
- Ein Mainnet-Termin steht nicht fest. Entscheidend sind nutzbare Apps, tatsächliche DOGE-Aktivität und Fortschritte bei der Sicherheit.
Chikyū bringt EVM-Anwendungen auf Dogecoin
Der von The Block beschriebene Start ergänzt Dogecoin um eine separate Anwendungsschicht, statt die bestehende Basiskette zu verändern. Chikyū ist als Zero-Knowledge-Rollup mit EVM-Kompatibilität konzipiert: Entwickler können damit Ethereum-nahe Smart Contracts sowie vertraute Programmiersprachen, Abhängigkeiten, Wallets und Werkzeuge verwenden. Ein Rollup bündelt Aktivitäten auf einer zusätzlichen Schicht; Zero-Knowledge-Proofs (ZK-Beweise) sollen die Gültigkeit von Transaktionen kryptografisch nachweisen.

Die Gebühren im Testnet werden in DOGE bezahlt. Als mögliche Einsatzfelder nennt DogeOS Handel, Kreditvergabe, Stablecoins, Prognosemärkte, Gaming und Marktplätze. Damit ist ein technischer Weg zu weiteren Anwendungsfällen angelegt, aber noch kein Beleg dafür, dass daraus Nachfrage nach DOGE oder ein funktionierendes App-Ökosystem entsteht.
Die Dokumentation führt die dezentralen Anwendungen (dApps) weiterhin als „coming soon“. Das ist ein wichtiger Unterschied zwischen dem Zugang für Entwickler und einem fertigen Produkt für Nutzer: Das öffentliche Testnet soll Anwendungen erproben, doch eine ausgereifte Auswahl verfügbarer Apps lässt sich daraus noch nicht ableiten. Wer die technische Grundlage der Zero-Knowledge-Proofs einordnen möchte, sollte zudem zwischen kryptografischen Nachweisen und der Sicherheit des gesamten Netzwerks unterscheiden.
DogeOS-CEO Jordan Jefferson ordnete den öffentlichen Testlauf als Phase ein, in der Entwickler Anwendungen bauen und testen und das Team das Netzwerk überprüft. Einen Zeitplan für das Mainnet will das Projekt demnach erst anhand weiterer Entwicklungsmeilensteine bekannt geben. Ein Start mit echtem Kapital ist damit nicht terminiert.
Sicherheitsmodell ist noch nicht vollständig vertrauensfrei
Die zentrale Einschränkung liegt in der heutigen Sicherheitsarchitektur: DogeOS ist laut The Block noch nicht vollständig vertrauensfrei. Das System stützt sich auf Validatoren, eine zugangsbeschränkte Sequencer-Instanz und eine Trusted Execution Environment (TEE), also eine geschützte Ausführungsumgebung. Dogecoin selbst kann die ZK-Beweise derzeit nicht auf der Basisschicht bestätigen.
Für Transfers über die Bridge sind laut Bericht gültige Beweise, die Signaturen einer Mehrheit der Validatoren und die Signatur eines TEE erforderlich. Diese zusätzlichen Abhängigkeiten bedeuten, dass die Sicherheit nicht allein aus einer direkten Prüfung durch Dogecoin folgt. Das DogeOS-Team hat zwar ein Upgrade für Dogecoin Core vorgeschlagen, das die Verifizierung von ZK-Beweisen auf der Basisschicht ermöglichen würde. Es ist aber weder beschlossen noch umgesetzt; bis dahin bleiben weitere Vertrauensannahmen bestehen.
Für Anleger ist deshalb nicht nur entscheidend, ob die Technik funktioniert, sondern auch, wie sich Sequencer, Validatoren und Bridge entwickeln. Eine vorgeschlagene Verbesserung ist noch keine implementierte Sicherheitsgarantie. Das gilt besonders, wenn später größere Werte über die Anwendungsschicht bewegt werden sollten.
Nutzerbasis allein schafft noch keine Liquidität
BitInfoCharts zufolge verfügten rund 8,5 Millionen Dogecoin-Adressen über ein positives Guthaben. Adressen entsprechen jedoch nicht eins zu eins einzelnen Personen: Ein Anleger kann mehrere Adressen kontrollieren, und eine Adresse kann gemeinschaftlich genutzt werden. CoinGecko bezifferte die DOGE-Marktkapitalisierung am Donnerstag, dem 1. Oktober 2026, auf rund 14,7 Milliarden US-Dollar. Diese Größenordnung zeigt die Reichweite des Assets, aber nicht, wie viele Halter tatsächlich Apps auf DogeOS nutzen werden.
Zum Vergleich nennt The Block auf Basis von DefiLlama rund 6,3 Milliarden US-Dollar an gebundenem Kapital (TVL) auf Base, 1,4 Milliarden auf Arbitrum und 487 Millionen auf OP Mainnet. Diese Werte illustrieren, wie viel Liquidität etablierte EVM-Rollups bereits anziehen; sie sind kein Hinweis darauf, dass DogeOS über ähnliche Mittel verfügt. Neue Netzwerke müssen Nutzer, Entwickler und Kapital erst gewinnen. Dabei ist auch das Verhalten großer DOGE-Halter relevant, doch Wal-Bewegungen bei Dogecoin wären für sich genommen kein Nachweis einer Nutzung des Testnets.
Am 1. Oktober lag DOGE laut den im Bericht genannten CoinGecko-Daten bei etwa 0,0945 US-Dollar, rund 0,3 Prozent höher als 24 Stunden zuvor. Die Handelsspanne betrug ungefähr 0,0929 bis 0,0979 US-Dollar. Diese kurze Momentaufnahme belegt weder eine dauerhafte Marktreaktion noch einen Zusammenhang zwischen Testnet-Start und Kursbewegung; auch die mögliche Umwandlung von Entwicklerinteresse in Nutzung und Liquidität lässt sich daraus nicht ablesen.
Für den DOGE-Handel und Transfers über bestehende Anbieter gelten weiterhin die jeweiligen Plattformbedingungen; der Start des Testnets ändert daran nichts. Dogecoin bei Trade Republic zu handeln ist dabei nicht dasselbe wie DOGE in Anwendungen auf DogeOS einzusetzen.
Die nächsten aussagekräftigen Signale sind konkrete Apps statt einer weiterhin mit „coming soon“ markierten Liste, tatsächliche Nutzer und DOGE-denominierte Aktivität sowie messbare Liquidität. Ebenso wichtig ist, ob Dogecoin-Core-Beitragende die vorgeschlagene Proof-Verifizierung prüfen und ob DogeOS seine Abhängigkeit von Validatoren, dem zugangsbeschränkten Sequencer und der TEE verringern kann. Solange weder diese Fortschritte noch ein Mainnet-Termin feststehen, bleibt DogeOS eine technische Option für zusätzliche DOGE-Nutzung – nicht bereits ein Beleg für zusätzliche Nachfrage.
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