Die Debatte um den sogenannten Boomer-Soli nimmt in Deutschland Fahrt auf. Kern der Initiative ist es, eine 10%-Solidarabgabe auf Alterseinkünfte, die einen monatlichen Freibetrag (1.000 Euro) überschreitet. Die Einnahmen sollen dabei in ein Sondervermögen fließen und dazu dienen, die Rentenkassen zu stabilisieren. Doch im Zuge der weiter wachsenden Bedeutung von digitalen Assets stellt sich daher die Frage, ob in Zukunft auch Gewinne aus Kryptowährungen unter diese neue Abgabe fallen. Die Antwort darauf rüttelt an grundlegenden Gerechtigkeits- und Rechtsfragen im deutschen Steuersystem. 

Was ist der Boomer-Soli?

Die Boomer-Soli-Idee geht auf das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zurück. Hier heißt es: 

“Der Boomer-Soli ist eine gezielte, sozial ausgewogene Antwort auf die demografische Herausforderung.” 

Das Konzept sieht dabei vor, dass Ruheständler mit Alterseinkünften oberhalb des Freibetrags in Höhe von rund 1.000 Euro pro Monat einen Zuschlag auf ihre Einkünfte entrichten. Die Einnahmen sollen dabei ein Sondervermögen speisen, das gezielt zur Entlastung der gesetzlichen Rentenversicherung dient und damit die wachsende Armut eindämmen. Dass diese Ideen bei den Bürgern, insbesondere bei den Boomern, nicht gut ankommen, liegt ganz klar auf der Hand. 

Meinungen und politische Debatte zu Boomer-Soli

Die Meinungen dazu könnten kaum geteilter sein. Befürworter wie das DIW, verschiedene Finanzmedien und T-Online sprechen von einer schnellen und zielgerichteten sowie steuerlich leicht umsetzbaren Maßnahme. Kritiker, wie unter anderem die CDU/CSU

“Eine solche Abgabe gefährdet das Äquivalenzprinzip uns ist Eigentumseingriff ohne echte Rechtsform.”, 

das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) wie auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) 

„Wir brauchen eine Rentenreform, keine Sonderabgabe, die soziale Spaltung verstärkt.”

und das Handelsblatt warnen vor Problemen mit dem Äquivalenzprinzip und zweifeln die Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit der Abgabe an. Darüber hinaus bemängeln sie auch die Gefahr, dass es sich eher um Symbolpolitik handelt und mit einer wirklichen Rentenreform nichts zu tun hat. 

Derzeit ist der Boomer-Soli nicht gesetzlich geregelt. Allerdings wird er von der Rentenkommission geprüft. Die Entscheidung hierzu ist frühestens im Jahre 2027 zu erwarten. Die politische Lagerbildung ist jedoch ganz deutlich. Während die konservative Seite den Boomer-Soli massiv ablehnt, erhält er eine aktive Unterstützung links der Mitte. 

Fallen Krypto-Gewinne zukünftig unter den Boomer-Soli?

Im Zentrum der aktuellen Debatte steht die juristische Frage, ob Gewinne aus Kryptowährungen vom Boomer-Soli erfasst werden können. Das deutsche Steuerrecht sieht unter anderem vor, dass Kryptowährungen als “sonstige Wirtschaftsgüter” nach § 23 Einkommenssteuergesetz behandelt werden. Das bedeutet, wer seine Coins länger als ein Jahr hält, verkauft sie steuerfrei. Unterhalb der 12-Monatsfrist hingegen greift eine Freigrenze von 1.000 Euro Gewinn pro Jahr. 

Die Entscheidung, ob Gewinne aus Kryptowährungen in die Kategorie “Alterseinkünfte” fallen, ist natürlich maßgeblich für die mögliche Anwendbarkeit des Solis für Boomer. In der aktuellen Rechtslage zählen dazu vor allem gesetzliche Rente, Pensionen, sowie Betriebsrenten und private Rentenversicherungen. Veräußerungsgewinne, zu denen Krypto-Gewinne zählen, und Kapitalerträge sind hingegen noch nicht standardmäßig in diesem Begriff enthalten. Sieht der Gesetzgeber aber vor, dass die Einkünfte aus dem Verkauf von Bitcoin & Co. einbezogen werden sollen, muss er eine klare, explizite Regelung schaffen. Dies heißt dann auch, dass es noch etwas länger dauern könnte, bis hier eine Einigung erzielt wird. 

Die steuerliche Mechanik von Krypto-Gewinnen in der Kurzübersicht: 

  • Haltefrist: Steuerfrei ab einer Haltedauer von 12 Monaten
  • Freigrenze: 1.000 Euro pro Jahr für private Veräußerungsgeschäfte
  • Besteuerung beim Verkauf innerhalb eines Jahres: progressiver Steuersatz je nach persönlicher Steuerklasse

Hier stellt sich dann natürlich die Frage, ob Krypto-Gewinne als Alterseinkünfte gelten könnten. Allerdings wirft das erhebliche praktische und juristische Herausforderungen auf. Denn einerseits handelt es sich in der Regel um eine einmalige Kapitalbewegung und keine wiederkehrenden Renten- oder Pensionszahlungen. Auf der anderen Seite könnte der Staat auch einfach die Krypto-Gewinne als Teil des “Alterseinkommens” werten, wenn sie im Ruhestand erzielt werden. 

Durchsetzbarkeit und Kontrolle 

Ein weitere sehr zentrale Herausforderung ist vor allem die Kontrollierbarkeit. Klassische Renteneinkünfte werden zentral erfasst. Krypto-Gewinne hingegen entstehen oft dezentral, auf privaten Wallets, aus dem Ausland oder auch über anonyme Transaktionen. Das bedeutet, dass der Staat umfangreiche Meldepflichten, Blockchain-Analysen sowie Kontrollen bei Krypto-Plattformen einführen muss. 

Kaum auszudenken, da das Internet nach wie vor Neuland ist und auch Kryptowährungen für die meisten Politiker ein Spuk ist, über den man nicht spricht und den man besser totschweigt. Denn durch das Totschweigen könnte es ja passieren, dass sich die Kryptos in Luft auflösen. Eine solche Kontrolle mag für manche Staaten durchführbar sein – für Deutschland hingegen eher nicht. Zum einen, weil es an der Bürokratie scheitert und zum anderen, weil es mit dem Gleichheits- und Äquivalenzprinzip kaum vereinbar wäre. Wer also jetzt noch Kryptowährungen handeln möchte und in diese Branche einsteigen möchte, hat nach wie vor alle Chancen. 

Wie sieht es mit der Gerechtigkeit, Effektivität und Alternativen aus? 

Man muss sich dann natürlich auch fragen, wer die Hauptlast des Boomer-Solis auf Krypto-Gewinne überhaupt tragen würde. Wahrscheinlich nur ein kleiner Teil der Ruheständler, die größere Vermögenswerte in digitalen Assets aufweisen können. Für Niedrigverdiener in der Rente würde diese Abgabe vollkommen unerheblich bleiben. Allerdings profitieren sie auch nicht spürbar. Daher bleibt auch nach wie vor die Kritik an der Zielgenauigkeit der Maßnahme. 

Denn kann Altersarmut wirklich mit dieser Idee bekämpft werden? Eher nicht. Im Grunde ist es eine Geste, die gnadenlos an einer zu schwachen gesetzlichen Rente vorbei zielt. Denn egal, wie es gedreht und gewendet wird. Die wenigen vermögenden Rentner, die Kryptowährungen besitzen, werden den restlichen Großteil der Ruheständler nicht aus der Altersarmut führen können. Besser wären da die alternativen Forderungen einer grundlegenden Rentenanpassung, die Erhöhung der Mindestrente, breite Vermögenssteuern oder auch die Einbindung von Immobilienwerten in die Finanzierung. 

Noch bleibt der Boomer-Soli eine theoretische Option und ein Traum der linken Mitte. Es gibt weder eine wirkliche Ausgestaltung noch ein bindendes Gesetz. Die Umsetzung ist in Deutschland in den nächsten Jahren kaum machbar, egal wie viele Befürworter es für den Boomer-Soli gibt. Am Ende wird es wohl einfach ein Nebenschauplatz sein, der schnell wieder vergessen wird und auch nur kurzzeitig für Aufsehen erregt hat.

Warum Sie 99Bitcoins vertrauen können

10+ Jahre

99Bitcoins wurde 2013 gegründet und verfügt über ein Team von Experten, deren Erfahrung bis in die Anfänge der Kryptozeit zurückreicht.

90hr+

Wöchentliche Recherche

100k+

Monatliche Leser

50+

Experten

2000+

Krypto-Projekte unter die Lupe genommen

Google News Icon
Folgen Sie 99Bitcoins in Ihrem Google News Feed.
Erhalten Sie die neuesten Updates, Trends und Einblicke direkt auf Ihr Gerät.
Jetzt abonnieren
Paul Schröder
Paul Schröder

Paul ist hauptberuflicher Content-Writer mit einem Schwerpunkt auf Kryptowährungen und Finanzthemen. Seine Leidenschaft für Krypto begann 2016, als er seinen ersten Bitcoin für rund 900 Dollar kaufte. Seitdem hat er sich immer wieder intensiv mit dem Markt beschäftigt. 2024 machte er... Mehr lesen

Kostenloser Bitcoin-Crashkurs

  • Von über 100.000 Lesern genutzt
  • Eine E-Mail pro Tag, sieben Tage lang.
  • Kurz und lehrreich, garantiert!

0 % Gebühren. Voller Profit.

  • Komplett gebührenfrei Kryptos kaufen.
  • 1% Extra-Cashback auf Ihre Einzahlung.
  • Sicheres Wallet ohne Schlüssel-Verwaltung.
0 % Gebühren. Voller Profit.
Nach oben