Der Clarity Act zielt darauf ab, Kryptowährungen klar zwischen Securities (SEC) und digitalen Commodities (CFTC) zu unterscheiden. Das Gesetz könnte jedoch durch strenge Reifekriterien für Blockchains viele Kryptowährungen und sogar Bitcoin vor regulatorische Hürden stellen.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Der Clarity Act wurde am 17. Juli 2025 mit 294-134 Stimmen im US-Repräsentantenhaus verabschiedet, wartet jedoch auf Senatsgenehmigung.
  • Im Gegensatz zum Clarity Act, der die CFTC stärkt, fordert der alternative RFIA-Entwurf eine dominantere SEC-Rolle und strengere Regulierungen für Entwickler, Validatoren und Wallets, inklusive neuer Kategorien wie „ancillary assets“.
  • Nach dem Regierungsshutdown ab Oktober 2025, der am 10. November endete, drängen Parlamente auf schnelle Umsetzung
  • Der Clarity Act klassifiziert Blockchains als „mature“ nur wenn sie open source sind, transparenten Quellcode-Regeln folgen und bei fehlender einseitiger Kontrolle durch Personen oder Gruppen.
  • Selbst Bitcoin könnte durch Upgrades wie SegWit oder Lightning Network als nicht “reif” gelten, was den Act potenziell zu einer Quelle für FUD macht, statt zum erhofften Marktboost.

Clarity Act vs strengeren Gegenvorschlag

Der Clarity Act wurde bereits am 17. Juli 2025 vom US-Repräsentantenhaus mit breiter überparteilicher Unterstützung verabschiedet. Der  (294-134 Stimmen)  wartet jedoch noch auf die Genehmigung des Senats. Stand November 2025 liegt das Gesetzentwurf beim Senatsausschuss für Bankenwesen (Senate Banking Committee).

Der Act soll u.a. klare Definitionen über Grundbegriffe bei Kryptowährungen und Blockchain-Definitionen liefern. Im Kern geht es darum, bei Kryptowährungen zwischen “Wertpapieren” (securities) und “Rohstoffen” bzw. “digitalen Rohstoffen” (digital commodities)  zu unterscheiden. Letztere Kategorie erfordert deutlich weniger regulatorische Konsequenzen, wenn Anleger Bitcoin kaufen

Zugleich sollen damit auch die Zuständigkeiten zwischen SEC (Security Exchange Commission) und CFTC (Commodity Futures Trading Commission) geklärt werden. Derzeit konkurriert der Clarity Act, wie ihn der US-Repräsentantenhaus verabschiedet hat, mit einem alternativen Entwurf (Responsible Financial Innovation Act of 2025, RFIA) konkurriert.

Streitpunkte

Der RFIA sieht hauptsächlich eine stärkere Rolle der SEC vor, während der Clarity Act sich stark auf die CFTC fokussiert. Der RFIA ist deutlich strenger, was die Regulation von Entwicklern, Validatoren und Krypto Wallets angeht. Er schafft sogar völlig neue Kategorien (wie z.B. “ancillary assets” ein.

Nach dem Regierungsshutdown wollen die Parlamente mit Hochdruck die neue Regulation umsetzen. Vor allem die Rollen- und Machtverteilung zwischen SEC spielt dabei eine wichtige Rolle. Erste Stimmen deuten dabei darauf hin, dass sich die SEC aus der Regulation weitestgehend zurückzieht. Darauf deuten Aussagen von Paul S. Atkins, dem Vorsitzenden der SEC, selbst. Er stellte vor rund einer Woche in einer Rede eine Taxonomie für die Kryptomärkte vor.

“Reife Blockchain” – Clarity Act stellt klare Voraussetzungen auf

Erste Stimmen deuten darauf hin, dass es durchaus zu einem regulatorischen Schock für viele Kryptowährungen kommen könnte.

Allerdings braucht es hier keine Experten-Meinungen zu dem Thema. Schon aus dem Clarity Act selbst gehen Voraussetzungen für die Einstufung als “digitaler Rohstoff” hervor, die Bitcoin und viele weitere Kryptowährungen vor regulatorische Schwierigkeiten bringen könnte.

Im Abschnitt “TITLE II—OFFERS AND SALES OF DIGITAL COMMODITIES” definiert der Clarity Act, dass die Reife (maturity) einer Blockchain entscheidend für die Klassifizierung ist. Für diese Reife stellt der Act einige Bedingungen auf. Zu diesen gehören, dass ein System seine Funktionsweise „ausschließlich auf vorab festgelegten, transparenten Regeln basieren, die direkt im Quellcode des Blockchain-Systems kodiert sind“. 

Weitere Bestimmungen lauten, dass keine einseitige Kontrolle der Assets bestehen darf. Keine “Person oder Gruppe von Personen unter gemeinsamer Kontrolle” darf die „einseitige Befugnis“ (unilateral authority) besitzen, „die Funktionalität, den Betrieb oder die Konsens- oder Zustimmungsregeln des Blockchain-Systems oder des zugehörigen digitalen Rohstoffs zu kontrollieren oder wesentlich zu verändern“.

Bedingungen könnten zu regulatorischen Konflikten führen

Viele Kryptowährungen dürften bei diesen Definitionen in einen regulatorischen Konflikt geraten. Viele Kryptowährungen unterliegen ständigen Protokolländerungen, die teilweise gravierend sind. Zu denken ist hier z.B. an die Rolle der Ethereum Foundation und ihre Entscheidung, Proof-of-Stake zu implementieren. 

Selbst bei Bitcoin wird es fragwürdig, inwiefern Bitcoin Core und die Einführung von SegWit und das Lightning-Netzwerk gravierende, einseitige Protokolländerungen sind. Sollte der Clarity Act in dieser Form zum Gesetz werden, könnte der Clarity Act statt einem erhofften Boost für einen neuen Crypto Bull Run eine starke Ursache für FUD zum Ende des Jahres werden.

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Michael Sprick
Krypto Journalist

Michael Sprick ist ein freiberuflicher Journalist und Content Writer mit Schwerpunkt Blockchain und Web3 und wohnt in Barcelona. In der Vergangenheit hat er u.a. für btc-echo.de und für die BSV Blockchain Association gearbeitet. Mehr lesen

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