Bitcoin bewegt sich heute weitgehend seitwärts und notiert aktuell im Bereich von rund 63.000 US-Dollar. Damit bleibt der übergeordnete Bärenmarkt weiterhin intakt, auch wenn der jüngste Rücksetzer unter die Marke von 60.000 US-Dollar zunächst gekauft wurde. Besonders wichtig ist dabei, dass die zentrale Supportzone kurzfristig gehalten hat und Bitcoin nicht dynamisch nach unten durchgereicht wurde.

Für langfristig orientierte Anleger kann genau eine solche Phase interessant werden, da starke Abverkäufe in der Vergangenheit häufig auch attraktive Einstiegszonen geschaffen haben. Allerdings fehlt laut Glassnode weiterhin eine klare Bestätigung, dass der Boden bereits ausgebildet wurde.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Bitcoin hält wichtige Supportzone, doch der Bärenmarkt bleibt weiterhin klar intakt.
  • Glassnode sieht Deep Value, aber noch keine bestätigte Bodenbildung bei Bitcoin.
  • Long-Term-Holder realisieren hohe Verluste, was späte Kapitulation signalisieren könnte.
  • Historische Verlustmetriken sprechen für Bodenbildung, garantieren aber keine schnelle Erholung.

Glassnode: Bitcoin ist günstig bewertet – doch die Bodenbildung bleibt unbestätigt

Die aktuelle Analyse von Glassnode zeichnet ein gemischtes Bild. Einerseits befindet sich Bitcoin laut den On-Chain-Daten bereits seit Monaten in einer sogenannten Deep-Value-Zone. Der Kurs handelt demnach unter wichtigen Bewertungsniveaus wie dem True Market Mean bei rund 76.600 US-Dollar und der Kostenbasis kurzfristiger Halter bei etwa 72.200 US-Dollar. Solche Bereiche gelten historisch oft als Zonen, in denen Bitcoin im Verhältnis zu den realisierten Kapitalströmen eher günstig bewertet ist. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der Markt bereits einen nachhaltigen Boden gefunden hat.

Ein zentrales Problem bleibt der Verkaufsdruck langfristiger Halter. Laut Glassnode ist der Anteil realisierter Verluste dieser Anlegergruppe deutlich gestiegen. Während Anfang Februar noch rund 15 Prozent des realisierten Werts auf Verluste langfristiger Halter entfielen, liegt dieser Anteil nun bei 43 Prozent. Auch die täglichen realisierten Verluste erreichten zwischenzeitlich 280 Millionen US-Dollar und damit den höchsten Stand seit Dezember 2022. Das zeigt, dass selbst erfahrene Marktteilnehmer zunehmend kapitulieren oder Positionen abbauen. Historisch kann eine solche Kapitulation zwar Teil einer Bodenbildung sein, sie muss aber erst auslaufen.

Auch auf institutioneller Seite fehlt bislang die klare Trendwende. Die ETF-Abflüsse haben sich zwar von 193 Millionen auf 88,9 Millionen US-Dollar pro Tag verringert, bleiben aber negativ. Zudem liegt das tägliche ETF-Handelsvolumen mit 650 bis 950 Millionen US-Dollar deutlich unter früheren Spitzenwerten. Das spricht dafür, dass die Nachfrage großer Marktteilnehmer noch nicht stabil zurückgekehrt ist.

Bei Derivaten gibt es erste Entspannungssignale. Das Put/Call-Verhältnis im Optionsmarkt fiel auf 0,56 und damit auf ein 2026er-Tief. Zugleich zeigt die Options-Skew jedoch weiterhin Nachfrage nach Absicherung gegen fallende Kurse. Glassnode sieht Bitcoin daher möglicherweise in einer späten Phase der Bodenbildung. Bestätigt wäre diese aber erst, wenn der Verkaufsdruck langfristiger Halter nachlässt, ETF-Flows stabilisieren und Bitcoin wichtige Kostenbasis-Niveaus zurückerobert.

Long-Term-Holder im Verlust: Warum diese Metrik für eine Bodenbildung spricht

Eine weitere Metrik, die für eine fortgeschrittene Bodenbildung bei Bitcoin spricht, ist der Anteil der Long-Term-Holder-Supply im Verlust. Gemeint sind damit Coins, die von langfristigen Anlegern gehalten werden und aktuell unter ihrem jeweiligen Einstandspreis notieren. Historisch war genau diese Kennzahl an wichtigen Zyklustiefs besonders aussagekräftig. Laut der Analyse von Adam Livingston lag der Anteil dieser langfristig gehaltenen Bitcoin-Bestände im Verlust bei früheren Tiefpunkten erstaunlich ähnlich: 33,8 Prozent im Januar 2015, 33,8 Prozent im Dezember 2018 und 36,2 Prozent im November 2022. Aktuell liegt der Wert erneut bei rund 36,2 Prozent.

Das ist deshalb relevant, weil Bitcoin-Bärenmärkte häufig nicht einfach durch Zeit enden, sondern durch Kapitulation. Wenn ein großer Teil der langfristigen Halter im Verlust sitzt, bedeutet dies, dass fast alle Coins, die während der vorherigen Hausse bewegt wurden, inzwischen unter Wasser liegen. Viele schwächere Hände haben dann bereits verkauft. Der Markt nähert sich einem Punkt, an dem kaum noch neue Verkäufer übrig bleiben.

Zugleich sei die Short-Term-Holder-Supply im Verlust zuletzt deutlich gefallen. Das deutet darauf hin, dass neue Käufer ihre Kostenbasis im Bereich der Tiefs aufgebaut haben. Der Schmerz wurde also zunehmend von alten Verkäufern auf neue, geduldigere Käufer übertragen. Genau diese Umschichtung kann eine Bodenbildung begünstigen, auch wenn daraus noch kein sofortiger neuer Bullenmarkt folgt. Möglich bleibt zunächst auch eine längere Seitwärtsphase.

Dazu passt auch die aktuelle Einordnung von The Block. Demnach erreichte die Kapitulation langfristiger Bitcoin-Halter zuletzt rund 280 Millionen US-Dollar pro Tag – der höchste Wert seit Dezember 2022. Genau solche Verlustrealisierungen treten häufig in späten Phasen eines Bärenmarkts auf, wenn selbst geduldige Anleger aufgeben.

Für eine Bodenbildung ist das konstruktiv, weil der Verkaufsdruck dadurch zunehmend bereinigt wird. Eine Garantie für sofort steigende Kurse ist es jedoch nicht.


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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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