Bitcoin galt lange als Profiteur einer expansiven Geldpolitik. Immer dann, wenn die globale Geldmenge M2 stieg und Zentralbanken Liquidität in die Märkte pumpten, folgte oft auch der Bitcoin-Kurs. Doch in den vergangenen Monaten hat sich dieses Bild verändert. Während die globale Liquidität weiter zulegte, konnte Bitcoin nicht mehr mithalten.

Statt neuer Höchststände folgte eine scharfe Korrektur, der Kurs liegt inzwischen fast 40 Prozent unter seinem Allzeithoch. Viele Anleger fragen sich deshalb: Ist der Bullenmarkt vorbei und Bitcoin endgültig im Bärenmarkt angekommen? Genau dieser Frage widmet sich nun eine neue Studie der University College London, die untersucht hat, ob Bitcoin tatsächlich ein Schutz gegen Notenbanken und Geldpolitik ist.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Bitcoin entkoppelt sich von M2, bleibt abhängig geldpolitischer Erwartungen.
  • Hawkishe Notenbank-Narrative belasten Bitcoin oft vor tatsächlichen Zinsschritten.
  • Studie sieht Bitcoin als Liquiditätsbarometer, nicht sicheren Inflationsschutz.

Studie zeigt: Bitcoin reagiert stärker auf Notenbank-Rhetorik als auf Zinsschritte

Die Studie „Is Bitcoin A Hedge Against Central Banking?“ kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Bitcoin verhält sich nicht wie ein unabhängiger Gegenpol zum Finanzsystem, sondern reagiert äußerst sensibel auf geldpolitische Erwartungen. Die Forscher analysierten dafür mehr als 118.000 Nachrichten von Investoren aus den Jahren 2014 bis 2025 und nutzten ein KI-Modell, um die Stimmung gegenüber der US-Geldpolitik zu messen. Daraus entstand ein sogenannter Monetary Policy Expectations Index (MPE), der hawkishe und dovishe Erwartungen quantifiziert.

Besonders interessant: Nicht die tatsächlichen Zinsschritte der Federal Reserve waren der wichtigste Treiber für Bitcoin, sondern die Erwartungen der Marktteilnehmer. Sobald Investoren eine restriktivere Geldpolitik erwarteten, reagierte Bitcoin häufig bereits negativ, obwohl die Notenbank die Zinsen noch gar nicht angehoben hatte. Die Autoren sprechen deshalb von Bitcoin als einem „Barometer für Zentralbank-Kommunikation“.

Die statistischen Auswertungen zeigten zudem, dass hawkishe Narrative Bitcoin-Renditen über mehrere Wochen hinweg beeinflussen können. Besonders auffällig war, dass der entwickelte MPE-Index Bitcoin-Renditen mit einem Vorlauf von drei bis fünf Wochen prognostizieren konnte. Gleichzeitig fanden die Forscher nur eine geringe direkte Korrelation zwischen dem Index und dem tatsächlichen Leitzinsniveau. Das bedeutet: Der Markt handelt nicht nur die Geldpolitik selbst, sondern vor allem die Erwartungen darüber.

Für Anleger ist das eine wichtige Erkenntnis. Die Studie legt nahe, dass Bitcoin in Phasen steigender Liquidität zwar profitieren kann, gleichzeitig aber extrem empfindlich auf jede Andeutung geldpolitischer Straffung reagiert. Damit ähnelt Bitcoin deutlich stärker einem risikobehafteten Wachstums-Asset als einem klassischen Schutz vor Zentralbanken.


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Kein digitaler Goldersatz? Das spricht dagegen

Noch spannender sind die Schlussfolgerungen der Wissenschaftler. Die Autoren stellen die weit verbreitete These infrage, Bitcoin sei ein verlässlicher Inflationsschutz oder eine Art digitales Gold. Ihre Analysen zeigen, dass Bitcoin langfristige Inflationserwartungen kaum abbildet. Stattdessen reagiert der Markt vor allem auf Veränderungen der Liquiditätsbedingungen und auf die Erwartung zukünftiger Zinspolitik.

Besonders deutlich wurde dies während des aggressiven Zinserhöhungszyklus 2022. Damals stiegen die US-Leitzinsen innerhalb kurzer Zeit von nahezu null auf rund 4,5 Prozent. In dieser Phase brach Bitcoin massiv ein. Laut Studie war nicht allein die tatsächliche Straffung entscheidend, sondern bereits die zuvor aufgebaute Erwartung einer restriktiven Geldpolitik. Bitcoin wurde dadurch wie andere Risikoanlagen neu bewertet.

Die Forscher kommen deshalb zu dem Schluss, dass Bitcoin eher als Indikator für globale Liquidität verstanden werden sollte. Wenn Anleger mit lockerem Geld, Zinssenkungen oder Stimulus rechnen, profitiert der Kurs. Entsteht dagegen die Erwartung höherer Zinsen oder knapperer Liquidität, gerät Bitcoin unter Druck – selbst wenn die Notenbank noch gar nicht gehandelt hat.

Damit liefert die Studie ein differenziertes Bild. Bitcoin ist nicht vollständig von Zentralbanken abhängig, aber auch keineswegs von ihnen entkoppelt. Vielmehr scheint die Kryptowährung die „Schattenseite“ der Geldpolitik zu handeln: Erwartungen, Narrative und Kommunikation. Für Investoren bedeutet das, dass Aussagen von Notenbankern, Inflationsdaten und Veränderungen der Marktstimmung künftig ebenso wichtig bleiben könnten wie die Entwicklung der Geldmenge M2 selbst. Die Autoren bezeichnen Bitcoin daher als einen „hochsensiblen Barometer globaler Liquidität“ – und nicht als klassischen Hedge gegen Zentralbanken.


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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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