Bitcoin-Anleger brauchen derzeit starke Nerven. Während die großen Aktienindizes in den USA immer neue Rekordstände markieren, bleibt Bitcoin weit hinter seinen früheren Höchstständen zurück. Der Abstand zum Allzeithoch beträgt weiterhin rund 50 Prozent, viele Altcoins notieren sogar noch deutlich tiefer.

Zwar gab es zuletzt immer wieder Erholungsversuche, doch nachhaltiges Momentum fehlt. Gewinne werden regelmäßig abverkauft, die Marktstimmung bleibt fragil und der übergeordnete Abwärtstrend ist weiterhin intakt. Entsprechend wächst die Unsicherheit, wie lange sich dieser Bärenmarkt noch hinziehen könnte.

Während viele Investoren vor allem einen weiteren Kurseinbruch fürchten, sieht der bekannte CryptoQuant-Gründer Ki Young Ju eine ganz andere Gefahr. Seiner Einschätzung nach könnte nicht der nächste Crash das größte Problem für Bitcoin werden, sondern eine langanhaltende Phase der Stagnation.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Bitcoin bleibt im Bärenmarkt, langfristige Erholungschancen bestehen dennoch weiterhin klar.
  • Analyst warnt vor Stagnation statt Crash als größtem Risiko künftig.
  • Fehlende Narrative könnten institutionelle Nachfrage und Marktinteresse deutlich bremsen.
  • Percent Supply in Profit signalisiert historisch attraktive Bewertungszone aktuell.

Bitcoin-Experte warnt vor dem gefährlichsten Szenario

Für Ki Young Ju liegt das größte Risiko für Bitcoin nicht in einem plötzlichen Kurseinbruch, sondern in jahrelanger Langeweile. Seine These: Ein scharfer Crash kann überstanden werden, solange Anleger weiterhin an die nächste große Rallye glauben. Wesentlich gefährlicher sei dagegen ein Markt, der über Jahre seitwärts läuft und keinerlei neue Impulse liefert.

Besonders kritisch sieht er dies im Zusammenhang mit Michael Saylors Strategy-Modell. Dessen Kapitalbeschaffungsmaschine funktioniert vor allem deshalb, weil Investoren an steigende Bitcoin-Kurse glauben und bereit sind, neue Finanzprodukte wie STRC oder andere Bitcoin-basierte Wertpapiere zu kaufen. Sollte Bitcoin jedoch über längere Zeit keine überzeugende Wertentwicklung liefern, könnte die Nachfrage sinken. Die Bewertungsaufschläge von Strategy würden schrumpfen und die Finanzierung neuer Bitcoin-Käufe schwieriger werden.

Darüber hinaus sieht Ki Young Ju ein grundlegenderes Problem: Bitcoin fehlen zunehmend neue Geschichten, die Anleger begeistern können. In früheren Zyklen gab es starke Narrative. Bitcoin galt als digitales Gold, als Freiheitstechnologie oder später als institutionelles Investment. Viele dieser Entwicklungen haben sich inzwischen bereits verwirklicht. Die Spot-ETFs wurden zugelassen, große Finanzhäuser sind eingestiegen und selbst politische Unterstützung für Bitcoin ist heute deutlich größer als noch vor einigen Jahren.

Genau darin erkennt der Analyst jedoch eine Herausforderung. Die großen Meilensteine, auf die der Markt lange gewartet hatte, wurden bereits erreicht. Dadurch fehlt vielen Investoren ein neuer, leicht verständlicher Kurstreiber. Konzepte wie Bitcoin-Banking oder digitales Kreditwesen, die Michael Saylor derzeit vorantreibt, seien für institutionelle Anleger zwar interessant. Für den durchschnittlichen Marktteilnehmer seien sie jedoch deutlich schwerer greifbar als frühere Narrative.

Trotzdem bleibt Ki Young Ju langfristig optimistisch. Er glaubt weiterhin an steigende Bitcoin-Kurse, mehr institutionelle Adoption und einen wachsenden Kapitalzufluss. Entscheidend werde jedoch sein, ob Bitcoin in den kommenden Jahren eine neue Identität und ein neues überzeugendes Narrativ entwickeln kann. Aus seiner Sicht braucht Bitcoin nicht nur frische Liquidität, sondern einen neuen Mittelpunkt, der Anleger und Überzeugungstäter wieder vereint.

Die aktuelle Bitcoin-Bewertung erinnert an frühere Bärenmarktphasen

Starke Kritik an Bitcoin gehört zu jedem Bärenmarkt dazu. Immer wenn die Kurse über Monate fallen, das Momentum verschwindet und Anleger Verluste erleiden, werden die gleichen Fragen gestellt. Ist Bitcoin gescheitert? Kommt diesmal keine Erholung mehr? Historisch wurden solche Phasen immer wieder von pessimistischen Schlagzeilen begleitet. Dennoch gelang Bitcoin bislang in jedem Zyklus ein Comeback und später sogar die Markierung neuer Höchststände.

btc

Genau darauf deutet aktuell auch die Glassnode-Metrik „Percent Supply in Profit“ hin. Sie misst, welcher Anteil aller existierenden Bitcoin aktuell im Gewinn liegt. Hohe Werte von über 95 Prozent traten in der Vergangenheit meist nahe wichtiger Hochpunkte auf, da fast alle Anleger bereits Buchgewinne verzeichneten. Niedrige Werte signalisieren dagegen Schmerz, Kapitulation und eine deutlich schlechtere Marktstimmung.

Derzeit liegt die Kennzahl nur noch knapp über der Marke von 50 Prozent. Das bedeutet, dass fast die Hälfte aller Bitcoin-Bestände bereits im Verlust notiert. Historisch bewegte sich dieser Bereich häufig in der Nähe langfristig attraktiver Bewertungszonen. Zwar erreichten die finalen Kapitulationsphasen vergangener Bärenmärkte teilweise sogar Werte zwischen 45 und 50 Prozent, doch das aktuelle Niveau zeigt bereits deutlich, wie stark die Bereinigung fortgeschritten ist.

Droht Bitcoin kurzfristig ein weiterer Rücksetzer?

Kurzfristig bleibt die Lage bei Bitcoin angespannt. Der bekannte Analyst Michaël van de Poppe verweist darauf, dass Bitcoin den wichtigen Widerstandsbereich bei 66.000 US-Dollar zuletzt nicht nachhaltig überwinden konnte. Die Ablehnung an diesem Niveau spricht zunächst für anhaltende Schwäche. Gleichzeitig sorgt das Umfeld für zusätzliche Unsicherheit. Aufgrund des Bankfeiertags ist die Liquidität an den traditionellen Finanzmärkten reduziert, wodurch bereits kleinere Orders stärkere Kursbewegungen auslösen können.

Van de Poppe hält deshalb einen erneuten Test der jüngsten Tiefs im Bereich um 60.000 US-Dollar für ein realistisches Szenario. Aus charttechnischer Sicht wäre ein solcher Rücksetzer jedoch nicht zwangsläufig bärisch. Vielmehr könnte sich dabei eine bullische Divergenz aufbauen, bei der der Kurs neue Tiefs markiert, während Momentum-Indikatoren bereits Stärke signalisieren. Historisch waren solche Konstellationen häufig Vorboten einer Trendwende.

Zusätzliche Unterstützung sieht der Analyst in der Nähe des 200-Wochen-Durchschnitts. Diese viel beachtete Kennzahl markierte in vergangenen Bärenmärkten regelmäßig den Bereich langfristiger Tiefpunkte. Solange Bitcoin diesen Unterstützungsbereich verteidigt, bleibt die Chance auf eine größere Erholung im zweiten Halbjahr bestehen.

Kurzfristig könnten die Bären zwar noch einmal Druck ausüben, doch ein finaler Ausverkauf würde gleichzeitig die Grundlage für eine nachhaltigere Bodenbildung schaffen.


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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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