Auf rund 161,2 Millionen Tonnen Gold in Venezuela hat US-Präsident Trump jetzt Zugriff. Möglicherweise wurde der Militäreinsatz gegen Maduro auch mit Bitcoins aus den Reserven bezahlt. Bei den Zentralbanken steht Gold als Wertspeicher ganz oben auf der Liste. Rund um den Globus kaufen die Staaten trotz hoher Preise immer mehr Gold. Auch Venezuela hatte seine Goldreserven in den vergangenen Monaten kontinuierlich ausgebaut.
Allein im vergangenen Jahr führte der Goldpreis mit 50 neuen Allzeithochs die Liste der wertvollsten Vermögenswerte an. Bei der Rendite gab es für Anleger mehr als 60 % zu holen. Eine Kombination aus erhöhter geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheit, die mit dem schwächeren US-Dollar einhergeht, hat zu einer starken Nachfrage nach Gold geführt. Auch die Zentralbanken erhöhen ihre Goldbestände, was auch 2026 wahrscheinlich weitere Preissteigerungen nach sich ziehen wird.
Warum kaufen Zentralbanken mehr Gold?
Die Unsicherheiten an den Märkten führen die Anleger in die Hände von Gold. Zusammen mit dem War of Rare Metals, dem Kampf um seltene Erden, und den immer höheren Prozessanteilen, in denen Metalle wie Gold, Silber, Kupfer oder Platinum benötigt werden, ist ein Katalysator entstanden, der eine Schlüsselrolle bei der Stabilität von Währungen einnimmt. Aber Gold wird vor allem in zahlreichen systemrelevanten Produkten und Prozessen benötigt.
Die Verteidigungsindustrie, der Goldmarkt und die KI-Technologie erleben einen beispiellosen Boom. Während Konflikte und Wettrüsten die Nachfrage nach Hightech-Militärlösungen in die Höhe schnellen lassen – deutsche Rüstungskonzerne verzeichnen zweistellige Wachstumsraten –, erreichen die Goldpreise Rekordhöhen.
Rund 11 % der gesamten globalen Goldproduktion werden in der Industrie benötigt. Da kommt Gold beispielsweise in Anwendungen der Medizin, der Elektronik und der Automobilindustrie, aber auch bei der Verteidigung und der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz. Aber die USA gehen unter der Führung des republikanischen Präsidenten Donald Trump einen neuartigen Weg.
Dieser Bruch bedingt eine neue Rolle der USA in der Weltordnung, wie auch die aktuellen Ereignisse um die Festsetzung von Maduro zeigen.
Gold ist von enormem industriellem Wert, der ausschließlich auf seinen physikalischen und chemischen Eigenschaften beruht. Der Verteidigungssektor kommt nicht ohne Gold aus, denn es findet sich in zahlreichen Bauteilen, die für extreme Bedingungen entwickelt wurden. Darunter beispielsweise:
- Komponenten für Flug-, Verteidigungs- und Raumfahrtanwendungen
- Bauteile für missionskritische Anwendungen
- Steuerungssysteme zur Navigation von Satelliten
- Raketenleitsensoren für kryogene Kälte und intensive Hitze
- Komponenten für die maritime Verteidigung
- Bauteile zur Übertragung sensibler Daten in widrigen Umgebungen
- Triebwerksensoren und -aktoren
- HF Wellenleiter und Antennen
Was hat der Angriff der USA mit den Goldreserven zu tun?
Anfang Dezember 2025 stufte BlackRock das Risiko für ein umfassenderes Vorgehen der USA gegen Venezuela als hoch ein. Die USA hatten im November das Cartel de Soles, eine Gruppe, die nach Auffassung der USA vom jetzt verhafteten venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro geführt wird, als ausländische Terrororganisation eingestuft.
BlackRock sah es als sehr wahrscheinlich an, dass die monatelange regionale Präsenz des US-Militärs der Beginn eines gezielten Vorgehens gegen Venezuela sein könnte. Sie sollten Recht behalten.
Für die Europäer indes ist die Nachricht über den Maduro Coup sehr schlecht, denn, so Focus Online, wird der Einflussbereich der USA in der westlichen Hemisphäre neu definiert.
Die Doktrin verfolgt nicht nur das Ziel der militärischen und wirtschaftlichen Vorherrschaft in Amerika, sondern stellt auch den Zugang und Einfluss Europas infrage. Dies ebnet den Weg für verstärkte globale Spannungen und eine fragmentiertere Weltordnung.
Neben Gold dürfte es auch Öl sein, das im Fokus der neuen Machtverhältnisse durch die USA in dem lateinamerikanischen Land steht. Ob Trump den Venezuela Angriff indes mit Bitcoins finanziert hat, ist unklar. Allerdings dürften die hohen Kosten kaum im normalen Etat einkalkuliert sein und die US-Reserven sind genau für solche außergewöhnlichen Fälle da.
Die USA haben jedoch keine nennenswerten Mengen Bitcoins an den Krypto Börsen veräußert, doch im Hintergrund dürften auch Kryptowährungen für das Kriegsministerium bereitstehen.
Was bedeutet das für die allgemeine Marktstabilität?
Rohstoffe reagieren auf politische Ereignisse extrem sensibel. Die militärischen Aktivitäten der vergangenen Monate durch die USA haben vielleicht auch die Preise für Gold nach oben getrieben, das kann man jedenfalls nicht ganz ausschließen. Trotz der hohen Preise haben weitere Zentralbanken neue Goldreserven angelegt und ihre Bestände aufgestockt.
J.P. Morgan geht von weiter steigenden Goldpreisen aus, das dürfte allerdings nicht davon abhalten, dass rund um den Globus immer mehr Gold den Weg in die staatlichen Tresore findet.
Insgesamt prognostiziert J.P. Morgan Global Research einen Durchschnittspreis von 5.055 US-Dollar pro Unze im vierten Quartal 2026, der bis Ende 2027 auf fast 5.400 US-Dollar pro Unze steigen soll.
Mit Gold kommt ein politisch neutraler, resistenter Vermögenswert in die Zentralbanken, der im Falle von weiterhin schwachen US-Dollarkursen und Sanktionen auf Dollarreserven die Grundlage für eine sichere Reserve darstellt. Mit den allgegenwärtigen geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten hat sich Gold gegenüber Bitcoin, oft als digitales Gold bezeichnet, durchsetzen können und gilt mehr denn je als sinnvolle Absicherung. Die globalen Kapitalströme werden derzeit mehr von Neuausrichtungen beeinflusst, als von Kryptowährungen.
Nach Angaben von El País verfügt Venezuela nicht nur über die größten Ölreserven der Welt, sondern auch über die sechstgrößten Erdgasreserven, die größten Goldvorkommen Lateinamerikas, Eisen (Platz 12 weltweit), Bauxit (Platz 15) und bedeutende Diamantenreserven.
Gold übernimmt daher wieder eine wichtige Rolle bei den Zentralbanken, was angesichts der aktuellen Meldungen über den Angriff in Venezuela neue Wirkkraft erhält.
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