Sechs Bitcoin-Wallets, die seit 2011, 2012 und 2014 unangetastet blieben, haben zwischen dem 16. und 26. August zusammen 553,59 BTC im Wert von rund 40,15 Millionen US-Dollar bewegt. Laut aktuellen Daten von Galaxy Research stirrt die älteste Bitcoin-Kohorte damit 2026 auffälliger als in den meisten Vorjahren.
Das Wichtigste im Überblick:
- Galaxy Research registriert ungewöhnlich starke Bewegungen von Bitcoin-Beständen, die seit über zehn Jahren ruhten
- Sechs Wallets aus 2011, 2012 und 2014 bewegten zwischen dem 16. und 26. August 553,59 BTC (~40,15 Mio. USD)
- Eine Adresse mit 40 BTC aus Mai 2012 landete bei Boerse Stuttgart Digital – ein Gewinn von 1.535.911 Prozent
- Zwei mögliche Treiber: der Noah-Doe-Rechtsstreit um 39.069 als „verlassen“ eingestufte Adressen sowie der Coldcard-Hardware-Wallet-Exploit
- Bitcoin fiel auf 76.877 USD, nachdem Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole eine restriktive Haltung signalisierte
Wallets aus der Frühzeit von Bitcoin werden aktiv
Ein von Galaxy Research veröffentlichtes Chart zeigt, wie viel Bitcoin aus jedem Jahrgang seit 2012 pro Kalenderjahr „aufgewacht“ ist, gestaffelt nach Alterskohorten. Der auffälligste Balken gehört 2026: Ein deutlich sichtbares Band aus Coins, die mindestens ein Jahrzehnt lang ruhten, ist rot markiert und schraffiert, weil das laufende Jahr noch nicht abgeschlossen ist.

Unter den bewegten Beständen sticht eine Adresse mit 212 BTC heraus, die seit August 2012 unangetastet blieb – bei einer Kostenbasis von rund 12 US-Dollar entspricht das einem Gewinn von etwa 557.640 Prozent. Eine weitere Wallet mit 10,74 BTC war seit Juni 2011 inaktiv. Am lukrativsten war eine Adresse mit 40 BTC aus Mai 2012, die bei der deutschen Verwahrstelle Boerse Stuttgart Digital landete und einen Wertzuwachs von 1.535.911 Prozent verzeichnete.
Rechtsstreit und Sicherheitslücke als mögliche Auslöser
Mehrere der reaktivierten Wallets tragen laut Galaxy Research die Markierung „Salomon Client Dusted“, die mit dem Noah-Doe-Fall in Verbindung steht. In dieser New Yorker Klage wird versucht, rund 39.069 dormante Bitcoin-Adressen rechtlich als aufgegebenes Eigentum einstufen zu lassen. Seit ein Richter das Verfahren im Juni pausierte, bewegen sich die namentlich genannten Wallets regelmäßig.
Parallel dazu verließen rund 233.000 BTC Langzeit-Wallets im Zuge des Coldcard-Hardware-Wallet-Exploits, da verunsicherte Halter ihre Bestände in sicherere Verwahrung überführten. Ob es sich bei den jüngsten Bewegungen um Verkäufe, Umlagerungen oder Konsolidierungen handelt, lässt sich anhand der Chain-Daten allein selten eindeutig klären. In den meisten Fällen flossen die Mittel jedoch in Richtung professioneller Infrastruktur statt auf den offenen Markt.

Marktumfeld bleibt angespannt
Die Aufwach-Bewegungen fallen in eine volatile Marktphase: Bitcoin fiel am Freitag zeitweise auf 76.877 US-Dollar, nachdem Fed-Chef Kevin Warsh in seiner ersten Jackson-Hole-Rede vor anhaltend hoher Inflation warnte und signalisierte, dass die Notenbank noch „Arbeit vor sich hat“. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September stieg laut CME FedWatch auf etwa 56 Prozent, nach 35 Prozent am Vortag.
Der längerfristige Ausblick bleibt dennoch stützend: US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten über acht aufeinanderfolgende Tage Zuflüsse von 2,8 Milliarden US-Dollar, die längste Serie seit April. Wer die derzeitige Gemengelage aus Derivate-Stress und Kapitalflüssen einordnen will, findet ergänzende Einblicke in unserer Analyse zu Bitcoin-Liquidationen und Open Interest.
Worauf Anleger jetzt achten sollten
- Noah-Doe-Verfahren: Anstehende Anträge auf Klageabweisung könnten zeigen, ob die Theorie des „aufgegebenen Eigentums“ juristisch Bestand hat.
- Coldcard-Migration: Weitere Firmware-Updates dürften zusätzliche Umlagerungen alter Bestände auslösen.
- Fed-Kurs im September: Die Zinsentscheidung dürfte kurzfristig stärker auf den Kurs wirken als die On-Chain-Signale selbst.
Wer verstehen möchte, wie sich solche On-Chain-Warnsignale in ein größeres Bild einordnen lassen, findet weiterführende Einordnungen zu weiteren Kapitulationssignalen im Bitcoin-Markt sowie zur Frage, wie unterschiedliche Indikatoren aktuell die Marktlage einschätzen.
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