Bitcoin notiert aktuell bei 78.113 US-Dollar (+0,72 %), doch die eigentliche Nachricht liegt nicht im Kurs, sondern in einer Prognose: Ki Young Ju, Gründer und CEO von CryptoQuant, sieht den Höhepunkt des laufenden Haussezyklus künftig weniger durch US-Fondsströme als durch institutionelles Kapital und ETF-Zugang außerhalb der Vereinigten Staaten bestimmt. Damit rückt eine Nachfragequelle in den Fokus, die bislang kaum systematisch erschlossen ist.

Das Wichtigste im Überblick:

  • CryptoQuant-Gründer Ki Young Ju erwartet, dass institutionelles Kapital und ETFs außerhalb der USA den Zykluspunkt von Bitcoin bestimmen könnten
  • Südkorea dient als Beispiel für verbleibende Zugangshürden: kein Spot-Bitcoin-ETF, kaum Börsenkonten für Unternehmen
  • Der Bitcoin Banking Adoption Index von Strategy beziffert die Akzeptanz bei 25 großen Banken auf 32 Prozent

Globale ETF-Nachfrage könnte Bitcoin-Zyklus bestimmen

In einem Beitrag vom 27. August auf X erklärte Ju, dass der Höhepunkt des aktuellen Haussezyklus wahrscheinlich durch institutionelles Kapital und ETFs außerhalb der USA bestimmt werde. Die US-Börsenaufsicht SEC hatte im Januar 2024 Spot-Bitcoin-Börsenhandelsprodukte genehmigt und damit den regulierten Zugang über klassische Broker- und Anlagekonten geöffnet.

Seither haben US-Spot-Fonds laut Primärbericht in den ersten zwei Jahren Nettozuflüsse von rund 57 Milliarden US-Dollar verzeichnet – eine Entwicklung, die auch in unserer Einordnung zu den ETF-Zuflüssen beleuchtet wird. Ju argumentiert nun, dass vergleichbarer Zugang in anderen Ländern die Beteiligung in der nächsten Zyklusphase erweitern könnte.

Close-up of Bitwise logo and stock tickers on displays at the New York Stock Exchange
Bitwise displays on the screens of the New York Stock Exchange.

Südkorea zeigt verbleibende Zugangshürden

Als Beispiel für bestehende Barrieren nannte Ju Südkorea. Das Land verfügt bislang über keinen eigenen Spot-Bitcoin-ETF, Privatanleger können keine im Ausland notierten Spot-Bitcoin-ETFs erwerben, und die meisten Unternehmen können weiterhin keine Börsenkonten zum Kauf von BTC eröffnen.

Ein Fahrplan der südkoreanischen Finanzaufsicht (FSC) sieht immerhin eine Phase für rund 3.500 börsennotierte Unternehmen sowie qualifizierte professionelle Anleger vor. Finanzunternehmen und andere Konzerne bleiben davon jedoch ausgeschlossen. Wie stark solche regulatorischen Fortschritte den Trend tatsächlich bestätigen, lässt sich auch mit Blick auf den Bitcoin Bull Score einordnen.

The skyline of Seoul's Yeouido district featuring skyscrapers and the National Assembly Building by the Han River.
The financial district skyline of Yeouido in Seoul, South Korea.

CryptoQuant sieht Infrastruktur für die nächste Phase

Neben dem ETF-Zugang verweist Ju auf strukturelle Bausteine, die eine breitere Akzeptanz stützen könnten. Der Bitcoin Banking Adoption Index von Strategy bewertete 25 große Institutionen in den Bereichen Handel, Verwahrung, Digital-Asset-Produkte, Finanzierung und Unternehmensbeteiligung – mit einer Gesamtakzeptanz von lediglich 32 Prozent, was noch erheblichen Spielraum nach oben zeigt.

Hinzu kommt der Markt für tokenisierte Real-World-Assets: Laut dem Global Market Overview von RWA.xyz lag der Wert verteilter Vermögenswerte am 29. August bei 38,63 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 2,65 Prozent gegenüber 30 Tagen zuvor. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sieht in Stablecoins zwar Potenzial für schnellere, programmierbare Zahlungen, warnt aber zugleich vor Risiken für finanzielle Integrität und Liquidität – ein Hinweis darauf, dass mehr On-Chain-Infrastruktur regulatorische Fragen nicht automatisch löst. Wie stark Zuflüsse in Anlageprodukte den Markt insgesamt bewegen können, zeigt auch der jüngste Zuflussrekord bei Bitcoin- und Gold-ETFs.

Ki Young Ju: Globale Institutionalisierung als nächster Schritt

Ju fasst seine Einschätzung so zusammen: „Bislang handelte es sich um eine US-amerikanische Erfolgsgeschichte, doch die nächste Phase ist die globale Institutionalisierung mit tieferer Stablecoin-Liquidität und RWA-Kanälen.“ Er erwartet, dass mehr Institutionen Bitcoin als strategischen Vermögenswert halten und sich der Zugang in den vielen Ländern verbessert, in denen es noch keine ETFs gibt.

Was Anleger als Nächstes beobachten sollten

Für Anleger im DACH-Raum lohnt sich der Blick auf konkrete Katalysatoren statt auf pauschale Zyklusprognosen: neue oder erweiterte ETF-Zulassungen außerhalb der USA, Fortschritte beim FSC-Fahrplan in Südkorea sowie die weitere Entwicklung von Stablecoin-Liquidität und tokenisierten RWA-Kanälen.

Ob diese internationale Infrastruktur tatsächlich zusätzliche institutionelle Bitcoin-Nachfrage erzeugt, bleibt ein Szenario von Ju – keine im Primärbericht bereits bestätigte Entwicklung. Nach unserer Einschätzung liefert die Prognose einen plausiblen Rahmen, ersetzt aber keine belastbare Kursaussage.

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Patrick Krauss
Patrick Krauss
Krypto-Analyst & Review-Faktenchecker

Patrick Krauss ist Krypto-Analyst und Autor bei 99Bitcoins und verantwortlich für das Faktenchecking von Krypto-Börsen- und Broker-Reviews. Er prüft sämtliche Inhalte auf fachliche Richtigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit und stellt sicher, dass Angaben zu Gebühren, Handelsbedingungen, Regulierung, Sicherheitsstandards und Risikohinweisen korrekt... Mehr lesen

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