Der US-Bankenverband Independent Community Bankers of America (ICBA) hat am Freitag, dem 2. Oktober, vor einem Bundesgericht in Washington Klage gegen die Aufsichtsbehörde OCC eingereicht. Im Kern geht es um die rechtliche Grundlage nationaler Trust-Bank-Lizenzen für Krypto-Unternehmen – und damit um den Zugang zu regulierter Verwahrung, Stablecoin-Diensten und Zahlungsinfrastruktur.
Das Wichtigste im Überblick:
- Die ICBA will die OCC-Regel für nationale Trust-Banken und Interpretive Letter 1176 gerichtlich aufheben lassen.
- Laut dem Verband hat die OCC 21 Trust-Banken genehmigt oder bedingt genehmigt, darunter 13 mit Krypto-Bezug.
- Wie stark bestehende und geplante Angebote betroffen wären, hängt von den Geschäftsmodellen und dem späteren Gerichtsbeschluss ab.
Was die ICBA an der OCC-Regel beanstandet
Die Beschwerde verlangt laut CryptoSlate, die Regel für nationale Trust-Banken sowie Interpretive Letter 1176 aufzuheben. Die ICBA argumentiert, die OCC habe ihre Befugnisse überschritten, indem sie den begrenzten Trust-Bank-Rahmen auf Fintech- und Krypto-Unternehmen ausgeweitet habe.
Der Rechtsstreit folgt auf eine Reihe von Zulassungen. Zwei Wochen vor der Klage genehmigte die OCC Agora National Trust Bank, Catena Trust Bank und Bastion Platforms; nach Angaben der ICBA hat die Behörde insgesamt 21 Trust-Banken genehmigt oder bedingt genehmigt, 13 davon mit Krypto-Bezug.
Die OCC finalisierte ihre Regel im Februar; sie trat am 1. April in Kraft. Dabei ersetzte sie eine enge Bezugnahme auf treuhänderische Tätigkeiten durch eine weiter gefasste Formulierung zu den Geschäften einer Trust-Gesellschaft und damit verbundenen Aktivitäten. Die Behörde verweist außerdem auf 12 U.S.C. 24(Seventh) als Grundlage für nicht treuhänderische Verwahrung und verwandte Dienstleistungen.

Der Streit dreht sich damit nicht nur um einzelne Zulassungen, sondern um die Reichweite des bundesweiten Lizenzwegs. Für Unternehmen, die auf eine OCC-Zulassung setzen, ist diese Grundsatzfrage ebenso relevant wie die jüngste bedingte OCC-Genehmigung für eine kryptonahe Bank.
Welche Krypto-Dienste besonders betroffen sein könnten
Die mögliche Tragweite hängt vom jeweiligen Geschäftsplan ab. Reine treuhänderische Verwahrung liegt laut der Primärquelle am weitesten vom Zentrum des Streits entfernt; näher daran liegen nicht treuhänderische Verwahrung, Stablecoin-Ausgabe und Reserveverwaltung sowie Zahlungsabwicklung, Konvertierung und Ausführung.
Das zeigt sich an den jüngsten Vorhaben: Agora plant Stablecoin-Ausgabe, Reserveverwaltung, nicht treuhänderische Verwahrung sowie Zahlungs- und Abwicklungsdienste. Catena verbindet Verwahrung und Vermögensverwaltung mit Konvertierung, Clearing und Ausführung; Bastion bietet unter anderem Stablecoin-Ausgabe für andere Anbieter, Verwahrungs-Wallets und Konvertierung an.
Sollte ein Gericht die OCC-Regel bestätigen, würde das den nationalen Trust-Bank-Weg für Krypto-Verwahrung und Stablecoin-Infrastruktur stärken. Wird die Regel dagegen aufgehoben oder eingeschränkt, könnten Geschäftsmodelle mit mehreren nicht treuhänderischen Angeboten Umstrukturierungen oder Vereinbarungen mit Partnerbanken benötigen. Daraus folgt nicht automatisch, dass Verwahrung insgesamt wegfällt: Entscheidend wären der genaue Umfang des Urteils und die rechtliche Grundlage einzelner Aktivitäten.
Die OCC hatte in ihrer Regel auf die Entscheidung Loper Bright des Obersten Gerichtshofs verwiesen. Nach ihrer Darstellung müssen Gerichte bei Streit über die gesetzliche Grundlage einer Trust-Bank-Lizenz die Auslegung des Gesetzes eigenständig prüfen. Der Konflikt berührt damit unmittelbar die Frage, wie weit die Behörde ihre Befugnisse auslegen darf – ein zentraler Punkt für die künftige regulierte Krypto-Verwahrung in den USA.
Auch der Widerstand traditioneller Banken gegen Krypto- und Stablecoin-Angebote bildet einen breiteren Hintergrund der Auseinandersetzung. Die Klage der ICBA richtet den Blick jedoch konkret auf die Zuständigkeit der OCC und die Rechtsgrundlage ihrer Trust-Bank-Lizenzen.
Offen bleibt, wie die OCC mit Anträgen weiter verfährt
Die ICBA beantragt neben der Aufhebung der Regel auch eine gerichtliche Feststellung und eine Unterlassungsanordnung. Wie bestehende Lizenzen behandelt würden, hängt laut CryptoSlate davon ab, wie ein Gericht zwischen endgültigen, bedingten und vorläufigen Genehmigungen unterscheidet.
Zu den bei der OCC aufgeführten Antragstellern zählen zerohash, Dakota National Trust Bank, Payward (Kraken), Lorum National Trust Bank, EDX Trust und PAYO Digital Bank. Die Behörde erklärte im August, innerhalb von rund 18 Monaten 40 Anträge auf neue Bank-Charter erhalten zu haben; Comptroller Jonathan Gould ordnete 23 davon dem Bereich digitaler Vermögenswerte zu.
Damit steht auch für noch nicht entschiedene Anträge eine praktische Frage im Raum: Bearbeitet die OCC sie während des Verfahrens weiterhin zu denselben Bedingungen? Für Anleger ist die Klage vor allem ein regulatorisches Risiko für die Infrastruktur hinter Verwahrung, Stablecoins und Zahlungsdiensten – kein unmittelbares Urteil über einzelne Kryptowährungen oder deren Marktpreis.
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