SoFi Technologies hat als erste national lizenzierte Bank der USA die Abwicklung von Kartenzahlungen über einen Stablecoin auf Mastercards globalem Zahlungsnetzwerk live geschaltet. Das gesamte Debit- und Kreditkartenprogramm der Tochter SoFi Bank läuft künftig über den bankeigenen Stablecoin SoFiUSD, mit einem erwarteten Jahresvolumen von mehr als 25 Milliarden US-Dollar.
Das Wichtigste im Überblick:
- SoFi Bank migriert ihr komplettes 25-Milliarden-Dollar-Kartenprogramm auf Blockchain-basierte Abwicklung mit SoFiUSD
- SoFiUSD ist der erste Stablecoin, der von einer national lizenzierten US-Bank ausgegeben wird und 1:1 in Dollar rücktauschbar ist
- Händler benötigen keine eigene Blockchain-Infrastruktur, erhalten Gelder aber rund um die Uhr und ohne Abhebungsgebühren
- SoFi verhandelt bereits mit großen US-Händlern über weitere Abwicklungsvereinbarungen auf Stablecoin-Basis
Was SoFi und Mastercard konkret umgesetzt haben
Laut der offiziellen Mitteilung von SoFi Investor Relations sind Transaktionen bereits heute on-chain live. Die Partnerschaft war im März 2026 angekündigt worden, sechs Monate später folgt nun der produktive Einsatz.
SoFiUSD wird von der SoFi Bank, N.A. ausgegeben, einer von der OCC regulierten, national lizenzierten Bank, und ist vollständig 1:1 in US-Dollar rücktauschbar. Die Reserven bestehen laut Unternehmensangaben überwiegend aus Bargeld. Für Händler ändert sich operativ wenig: Über die Plattform Big Business Banking können sie Abwicklungsgelder sofort auf ein SoFi-Bank-Konto erhalten und rund um die Uhr kostenfrei in Bargeld umwandeln, ohne selbst Stablecoins zu halten oder eigene Blockchain-Infrastruktur aufzubauen.
Stimmen von SoFi und Mastercard
SoFi-CEO Anthony Noto betont, dass Mastercard und SoFi die Stablecoin-Abwicklung innerhalb von sechs Monaten von der Idee zu einem funktionierenden Produkt entwickelt haben, das spürbar verändert, wie Geld für Unternehmen bewegt wird. Händler müssten weder Stablecoins halten noch neue Infrastruktur aufbauen oder ihre Abläufe ändern, so Noto laut der Pressemitteilung.
Sherri Haymond, Global Head of Digital Commercialization bei Mastercard, ordnet den Schritt als Übergang von der Experimentierphase in den produktiven Einsatz ein. Nach ihrer Einschätzung werden Stablecoins erst dann relevant, wenn sie reale, alltägliche Probleme von Unternehmen lösen – genau das solle die Zusammenarbeit mit SoFi demonstrieren, während gleichzeitig das Vertrauen und die Sicherheitsmechanismen des Mastercard-Netzwerks erhalten blieben.
Einordnung: Bankregulierter Stablecoin auf einem globalen Kartennetzwerk
Der Fall ist insofern bemerkenswert, als SoFiUSD nach eigenen Angaben der erste Stablecoin ist, der von einer national lizenzierten US-Bank ausgegeben wird und gleichzeitig auf öffentlichen Blockchains läuft. Für Mastercard fügt sich der Launch in ein breiteres Programm ein: Laut crypto.news hatte das Unternehmen im Juni bereits sechs regulierte Stablecoins für seine Abwicklungsinfrastruktur zugelassen, darunter USDC, PayPal USD und Ripple USD, verteilt auf Netzwerke wie Ethereum, Solana, Polygon und die XRP Ledger.
SoFi selbst spricht davon, dass das 25-Milliarden-Dollar-Kartenprogramm nicht der Endpunkt ist. Das Unternehmen führt nach eigenen Angaben bereits Gespräche mit großen multinationalen Einzelhändlern und Technologie-Dienstleistungsplattformen über eigene Abwicklungsvereinbarungen auf Stablecoin-Basis. Auch grenzüberschreitende Zahlungen und Überweisungen sollen laut SoFi und Mastercard künftig geprüft werden.
Reaktion am Aktienmarkt
Die SoFi-Aktie (NASDAQ: SOFI) reagierte am Tag der Ankündigung mit einem Kursanstieg von rund 3 Prozent, wie Investing.com berichtet. Die Mastercard-Aktie (NYSE: MA) gab am selben Tag hingegen leicht nach, ein Hinweis darauf, dass Anleger die Neuigkeit vor allem als SoFi-spezifischen Katalysator einordneten und nicht als unmittelbaren Werttreiber für das Kartennetzwerk selbst.
Was als Nächstes zu beobachten ist
Für Anleger und Marktbeobachter bleiben mehrere Fragen offen, die den weiteren Verlauf bestimmen dürften:
- Händlerverträge: Ob und welche großen US-Einzelhändler tatsächlich eigene SoFiUSD-Abwicklungsvereinbarungen unterzeichnen.
- Grenzüberschreitende Anwendung: Ob SoFi und Mastercard konkrete Zeitpläne für Remittances und internationale Zahlungen vorlegen.
- Wettbewerb der Stablecoin-Modelle: Wie sich bankregulierte Token wie SoFiUSD im direkten Vergleich zu nichtbankbasierten Stablecoins wie USDC auf demselben Mastercard-Netzwerk schlagen.
Wie sich Stablecoins generell im Alltag etablieren, zeigt sich auch an anderer Stelle des Marktes: Ähnliche Integrationen in bestehende Zahlungs-Apps und -Netzwerke, etwa bei Ethena Pay oder der Dunamu-Visa-Kooperation, deuten darauf hin, dass regulierte Token zunehmend zur Standardinfrastruktur im Zahlungsverkehr werden.
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