Die Aktivität in datierten Bitcoin-Futures auf den von Glassnode beobachteten Offshore-Handelsplätzen liegt rund 97 Prozent unter dem Niveau von 2021. Verschwunden ist der Handel damit aber nicht – er hat sich verlagert: Perpetual-Kontrakte übernehmen den einfachen, gerichteten Hebel, während Optionen zunehmend Absicherung, Volatilitätshandel und Downside-Schutz abdecken. Wichtig für die Einordnung: Der Rückgang bezieht sich ausschließlich auf Offshore-Venues, denn die CME ist aus diesem Vergleich explizit ausgenommen.
Das Wichtigste im Überblick:
- Datierte Bitcoin-Futures auf Offshore-Venues liegen laut Glassnode rund 97 Prozent unter ihrem Niveau von 2021.
- Optionen wuchsen von rund einem Viertel auf fast die Hälfte des Open Interest bei krypto-nativen Bitcoin-Derivaten.
- Ein Binance-Snapshot vom 18. September zeigt Perpetual-Open-Interest von rund 9,93 Milliarden Dollar gegenüber nur 77 Millionen Dollar in den beiden datierten Kontrakten.
- Die CME bleibt für institutionelle Akteure relevant, da der Glassnode-Futures-Vergleich diese Börse ausdrücklich ausschließt.
97 Prozent weniger auf Offshore-Venues
Der Vergleich basiert auf den von Glassnode getrackten Offshore-Börsen und stellt die aktuelle Aktivität dem Niveau von 2021 gegenüber. Parallel dazu ist der Anteil von Optionen am Open Interest krypto-nativer Bitcoin-Derivate von rund einem Viertel auf fast die Hälfte gestiegen – und zwar in vier der fünf Marktregime, die Glassnode seit 2019 untersucht hat.
Wie deutlich sich die Präferenz verschoben hat, zeigt ein Snapshot von Binance vom 18. September: Der BTCUSDT-Perpetual verzeichnete rund 108.289 BTC Open Interest, der BTCUSDC-Perpetual weitere 19.465 BTC – zusammen etwa 9,93 Milliarden Dollar zu den jeweiligen Mark-Preisen. Die beiden USD-margenierten datierten Kontrakte mit Verfall am 25. September und 25. Dezember kamen dagegen nur auf rund 77 Millionen Dollar zusammen, was einem etwa 129-fachen Unterschied entspricht. Es handelt sich um eine einzelne Börse und einen einzelnen Zeitpunkt, nicht um eine marktweite Kennzahl.
Marktreaktion: Hebel wandert, Risiken teilen sich auf
Perpetuals verzichten auf ein Verfallsdatum und halten den Kontrakt über wiederkehrende Funding-Zahlungen nahe am Spotpreis – praktisch für alle, die kontinuierlich gehebelt long oder short bleiben wollen, ohne eine Position rollen zu müssen. Optionen übernehmen dagegen zunehmend die komplexeren Aufgaben: Hedging, Volatilitätshandel, Downside-Schutz und Positionen, die an einen bestimmten Preis oder Termin gebunden sind.
Im Januar 2026 erreichte das Open Interest in Bitcoin-Optionen laut der Primärquelle rund 74,1 Milliarden Dollar gegenüber etwa 65,22 Milliarden Dollar in Futures. Das ist ein Vergleich zwischen Optionen und Futures – nicht zwischen Optionen und Perpetuals, und die beiden Produkte bilden auch keine gleichartigen Risiken ab. Ein Dollar Perpetual-Open-Interest ist überwiegend linear, während der Wert einer Option von Strike, Laufzeit, Volatilität und dem aktuellen Bitcoin-Preis abhängt. Wenn Händler Optionen verkaufen und ihr Delta absichern, kaufen oder verkaufen sie Bitcoin oder Futures – die Optionsseite fließt damit direkt in die Spot- und Perpetual-Liquidität ein.
Warum Optionen wichtiger werden
Spot-ETFs, Unternehmens-Treasuries und Fonds halten Bitcoin oft über längere Zeiträume und wollen nicht unbedingt mehr oder weniger Exposure – sie wollen das Risiko um ihre bestehende Position herum steuern. Puts schützen vor einem Rückgang, ohne dass Bitcoin verkauft werden muss, gedeckte Calls tauschen etwas Aufwärtspotenzial gegen Erträge, und Volatilitätstrades vermeiden die Richtungsentscheidung ganz.
Laut Glassnode hat sich der Markt zudem von coin-basiertem Collateral hin zu stabileren Sicherheiten verschoben, was das Risiko verringert, dass die Margin während eines Ausverkaufs gleichzeitig mit Bitcoin fällt – mehr dazu im Zusammenhang mit Liquidationskaskaden und Open Interest. Der Anteil von Bybit am beobachteten Bitcoin-Optionsvolumen stieg von unter 10 auf 28 Prozent, das Optionsbuch wuchs von 529 Millionen auf 2,33 Milliarden Dollar – diese Zahlen stammen jedoch aus einer gemeinsam mit Bybit erstellten Studie und sollten entsprechend eingeordnet werden.
CME bleibt die institutionelle Ausnahme
Der Glassnode-Vergleich für Optionen deckt krypto-native Venues ab, während die Futures-Studie sich auf Offshore-Börsen bezieht und die CME explizit ausschließt. Regulierte Vermögensverwalter, Hedgefonds, Banken und Basis-Trader greifen oft weiterhin zu standardisierten CME-Kontrakten, weil diese in bestehende Clearing-, Compliance- und Risikosysteme passen.
Spot-ETFs begünstigen zudem Basis-Trades, bei denen Investoren Spot-Exposure halten und gleichzeitig Futures shorten – dazu passt der Blick auf Short-Positionen an der CME. Datierte Futures verschwinden also nicht überall, ihre Rolle wird nur spezifischer.
Was als Nächstes zu beobachten ist
Offen bleibt, ob sich der Rückgang datierter Futures auf Offshore-Venues weiter fortsetzt oder nach der Verlagerung zu Perpetuals stabilisiert. Ebenso relevant ist, ob Optionen ihren Open-Interest-Anteil auch in weiteren Marktregimen ausbauen, über die von Glassnode bereits erfassten vier von fünf Phasen hinaus.
Interessant dürfte auch sein, ob sich Liquidität und Volatilität künftig stärker zwischen Spot, Perpetuals, Optionen und CME-Futures verteilen, statt sich in einem einzelnen Produkt zu konzentrieren – ein Muster, das sich auch in der Verlagerung von Open Interest zu Deribit andeutet. Die vollständige Analyse liefert CryptoSlate.
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