Coinbase plant für den 9. September die Migration seiner International Exchange zu Deribit – doch ein aktueller Snapshot zeigt, wie konzentriert das angezeigte Open Interest schon jetzt ist. Ein Abruf des Coinbase-Derivate-Dashboards am 1. September um 15:42 UTC verzeichnete 40,65 Milliarden Dollar tägliches Open Interest über drei Venues, wovon bereits 39,26 Milliarden Dollar beziehungsweise rund 96,6 Prozent bei Deribit lagen. Wichtig für die Einordnung: Open Interest misst ausstehende Derivatepositionen zu einem bestimmten Zeitpunkt – nicht Kundenvermögen, Umsatz oder die Solvenz einer Börse.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Deribit vereinte am 1. September 39,26 Milliarden Dollar bzw. 96,6 Prozent des über drei Venues angezeigten Coinbase-Open-Interest von 40,65 Milliarden Dollar
  • Am 9. September sollen Konten, Positionen und Salden der International Exchange (226,98 Millionen Dollar Open Interest) zu Deribit migrieren
  • Der Cutover bringt laut Coinbase rund 30 Minuten Downtime, Force-Settlement zum Markpreis und neue API-Zugangsdaten für institutionelle Kunden
  • Ein CFTC-Schreiben vom 29. Mai schafft einen bedingten regulatorischen Rahmen, unter dem Coinbase Financial Markets Kundenkollateral über Coinbase Bermuda an Deribit weiterleiten darf

Coinbase plant Migration der International Exchange zu Deribit

Die Verteilung im Snapshot vom 1. September ist eindeutig: Deribit hielt 39,26 Milliarden Dollar (96,6 Prozent), Coinbase Derivatives 1,17 Milliarden Dollar (2,9 Prozent) und die International Exchange lediglich 226,98 Millionen Dollar (0,6 Prozent) des angezeigten Open Interest. Am 9. September sollen genau dieser kleinere INTX-Block – Kundenkonten, offene Positionen und Salden – zu Deribit übertragen werden, während das bereits bei Deribit liegende Open Interest unverändert dort bleibt.

Screenshot of the Deribit trading interface showing a BTC-PERPETUAL candlestick chart and order book
The Deribit trading platform interface displaying Bitcoin perpetual contract data.

Coinbase betont in seinen Migrationsunterlagen, dass der Termin von der Bereitschaft der Kunden und von regulatorischen Genehmigungen abhängt und sich verschieben kann. Auffällig ist zudem eine kleine Diskrepanz im Dashboard selbst: Die Kopfzahl lag beim gleichen Abruf bei 40,55 Milliarden Dollar, während das Venue-Panel 40,65 Milliarden Dollar auswies – für den Vergleich zwischen den Handelsplätzen ist laut Coinbase das Venue-Panel maßgeblich. Wer die Marktstruktur rund um aktuelle Bitcoin-Derivatedaten verfolgt, erkennt darin ein zusätzliches Datum zur ohnehin schon hohen Konzentration im Markt.

Abwicklung und Infrastruktur ändern sich für institutionelle Kunden

Auch wenn der übertragene Anteil klein ist, ist der Cutover operativ folgenreich. Coinbase rechnet mit rund 30 Minuten Downtime: Alle offenen Orders der International Exchange werden storniert, Positionen zum Markpreis abgewickelt, Gewinn und Verlust realisiert und Funding ausgezahlt. Die resultierenden Salden werden anschließend übertragen und die Positionen über abgestimmte Migrationstrades zum selben Abwicklungspreis auf Deribit neu erstellt.

Nach dem 9. September unterstützen die bisherigen API-Endpunkte der International Exchange keinen Handel mehr – Kunden benötigen neue Deribit-Zugangsdaten für REST, WebSocket, FIX oder SBE. Historische Order- und Handelsdaten sollen über die alten Schnittstellen noch etwa zwölf Monate abrufbar bleiben. Institutionelle Kunden treffen dabei auf unterschiedliche Abwicklungslogik: Während die International Exchange Perpetuals alle fünf Minuten abrechnet und Funding stündlich ohne Obergrenze erhebt, rechnet Deribit einmal täglich um 08:00 UTC ab und wendet eine kontinuierliche Funding-Logik mit einem Dämpfer nahe dem Index sowie Caps von 0,5 Prozent für BTC, 1 Prozent für ETH und 5 Prozent für USDC- beziehungsweise USDT-Kontrakte an – Details, die auch für die Einordnung von Optionsverfall und Volatilität auf Deribit relevant sind.

Je nach Kundentyp ändert sich zudem die Gegenpartei: Coinbase Bermuda Limited agiert als Broker und Verwahrer, wer bereits auf beiden Venues handelt, hat künftig Deribit FZE als direkte Gegenpartei, und bestimmte Kunden mit Drittverwahrung wechseln zu Deribit Panama (DRB Panama, Inc.).

Regulatorischer Rahmen für die neue Struktur

Der Umzug ist nicht nur ein technischer Venue-Wechsel. Die US-Aufsichtsbehörde CFTC erklärte am 29. Mai, dass die von Coinbase Financial Markets beschriebenen digitalen Commodity-Perpetuals als ausländische Futures eingeordnet werden können. In einem begleitenden Schreiben räumt die Behörde eine bedingte No-Action-Position ein, die es dem registrierten Futures Commission Merchant erlaubt, geeignete Kundendigitalwerte und Zahlungs-Stablecoins über Coinbase Bermuda an Deribit zur Margin von ausländischen Futures und Optionen zu übertragen.

Logo for the Commodity Futures Trading Commission featuring a US flag motif, a red bar chart with a trend line, and CFTC text.

Die Rollenverteilung ist klar abgegrenzt: Coinbase Financial Markets fungiert als US-registrierter Futures Commission Merchant, Coinbase Bermuda als ausländischer Broker und Deribit FZE als ausländischer Venue – wodurch Deribit weiterhin getrennt von Coinbase Derivatives bleibt. Die neun Bedingungen der Behörde umfassen unter anderem die vollständige Eigentümerschaft innerhalb von Coinbase Global, eine Part-30-Vereinbarung, Zugang zu geprüften Finanzberichten und dem SOC-2-Bericht sowie Vorgaben zu Risikokontrollen, Sicherheitsabschlägen und Segregation. Diese fact-abhängige Position kann von der CFTC jederzeit geändert oder zurückgezogen werden.

Was bis zum 9. September zu beobachten ist

Mehrere offene Punkte entscheiden, wie glatt der Übergang verläuft. Zunächst bleibt fraglich, ob der Termin wegen Kundenbereitschaft oder ausstehender Genehmigungen bestätigt wird oder sich verschiebt. Ebenso relevant ist, ob die rund 30-minütige Downtime samt Force-Settlement und Rebooking tatsächlich planmäßig abläuft und ob betroffene Institutionen ihre neuen Deribit-Zugangsdaten rechtzeitig eingerichtet haben.

Langfristig entscheidet sich an der praktischen Umsetzung von Settlement, Funding, Verwahrung und Gegenparteirisiko, wie sich die Bündelung der Ausführung bei Deribit auf institutionelle Positionierung auswirkt – ein Aspekt, der auch für die Lesart von institutionellen CME- und Coinbase-Positionsdaten relevant bleibt.

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Patrick Krauss
Patrick Krauss
Krypto-Analyst & Review-Faktenchecker

Patrick Krauss ist Krypto-Analyst und Autor bei 99Bitcoins und verantwortlich für das Faktenchecking von Krypto-Börsen- und Broker-Reviews. Er prüft sämtliche Inhalte auf fachliche Richtigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit und stellt sicher, dass Angaben zu Gebühren, Handelsbedingungen, Regulierung, Sicherheitsstandards und Risikohinweisen korrekt... Mehr lesen

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