Am 11. September fanden die Mining-Pools Spiderpool und Antpool auf Blockhöhe 966.500 zwei gültige Blöcke, die auf denselben Vorgänger-Block verwiesen. Antpools Version setzte sich durch, weil ihre Kette mehr kumulierte Arbeit ansammelte. Spiderpools ebenfalls gültiger Block wurde am Ende verworfen – ein sogenannter Ein-Block-Reorg, der laut Galaxy Research zu den normalen Betriebsvorgängen des Bitcoin-Netzwerks gehört.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Am 11. September entdeckten Spiderpool und Antpool auf Blockhöhe 966.500 zwei gültige Blöcke mit demselben Parent-Block.
  • Antpools Kette setzte sich mit der meisten kumulierten Arbeit durch, Spiderpools gültiger Block wurde verworfen.
  • Galaxy Research bezeichnete den Vorfall als dritten Ein-Block-Reorg innerhalb von vier Wochen – nach Vorfällen am 16. und 24. August.
  • Der Primärbericht stellt tiefere Reorganisationen bei Monero (18 Blöcke) und Bitcoin SV (100 Blöcke) als deutlich gravierendere Vergleichsfälle gegenüber.

Bitcoin-Miner liefern sich kurzen Wettlauf um Block 966.500

Der Vorgang, den Krypto-Insider als Chain-Reorg bezeichnen, entstand dadurch, dass zwei Mining-Pools nahezu gleichzeitig einen gültigen Block auf dieselbe Blockhöhe setzten. Beide Blöcke verwiesen auf denselben Parent-Block, konnten aber nicht gemeinsam Teil derselben Kette bleiben. Galaxy Research beobachtete die Anomalie über einen eigenen, privaten Node und dokumentierte den Ablauf öffentlich.

Laut dem Primärbericht sah der Node von Galaxy Research den Antpool-Block erst, nachdem dieser bereits bestätigt war und die Kette darauf aufbaute. Das ist typisch für solche Situationen: Blöcke verbreiten sich nicht augenblicklich im gesamten Netzwerk, sodass unterschiedliche Netzwerkteilnehmer kurzzeitig unterschiedliche Kettenspitzen sehen können. Am Ende folgen alle Nodes der Regel, die für die Stabilität des Bitcoin-Netzwerks entscheidend ist: Es gewinnt die gültige Kette mit der größten kumulierten Arbeit.

Galaxy Research ordnet die Reorganisation ein

Galaxy Research kommentierte den Vorfall auf X und bezeichnete ihn ausdrücklich als üblich. Wörtlich schrieb der Account: „Bitcoin experienced a small 1 block reorg this morning. This is common: the third time in four weeks (962,722 on Aug. 16, 963,853 on Aug. 24). Here, Spiderpool had its chain obviated by Antpool.“

Damit ist der Vorfall vom 11. September bereits der dritte dokumentierte Ein-Block-Reorg innerhalb von vier Wochen. Die beiden vorangegangenen Fälle ereigneten sich am 16. August auf Höhe 962.722 und am 24. August auf Höhe 963.853. Eine Häufung, die Galaxy Research selbst nicht als Alarmsignal, sondern als Teil des normalen Netzwerkbetriebs einstuft.

Warum ein gültiger Block verworfen werden kann

Bei einem Ein-Block-Reorg baut das Netzwerk am Ende auf genau einem der beiden konkurrierenden Blöcke weiter. Der Block, dessen Kette die meiste kumulierte Arbeit vorweisen kann, bleibt erhalten – der andere wird verworfen und gilt fortan als Orphan-Block. Für den unterlegenen Pool bedeutet das den Verlust der Block-Belohnung, für das Netzwerk als Ganzes ändert sich nichts an der Sicherheit.

Der Primärbericht stellt diesen kurzen Vorfall bewusst tieferen Reorganisationen gegenüber, um die Größenordnung einzuordnen. Bei Monero ersetzte eine 18-Block-Reorganisation ab Höhe 3.499.659 einen erheblichen Teil der jüngsten Kette. Noch drastischer war eine 100-Block-Reorganisation bei Bitcoin SV im Sommer 2021. In solchen Fällen können Bestätigungen von Transaktionen, die in den ersetzten Blöcken enthalten waren, komplett verschwinden – ein Szenario, das Chain-Rollbacks bei anderen Netzwerken in Erinnerung ruft, auch wenn die technischen Ursachen jeweils unterschiedlich sind.

Mining-Wettbewerb und Netzwerkstabilität

Dass zwei Gruppen von Minern zeitgleich unterschiedliche gültige Blöcke sehen, ist eine direkte Folge der Art, wie Informationen sich in einem dezentralen Netzwerk verbreiten. Verzögerte Blockweitergabe führt gelegentlich dazu, dass konkurrierende Ketten kurzzeitig parallel existieren, bevor sich das Netzwerk auf eine Version einigt. Der Primärbericht macht deutlich, dass es sich beim Vorfall vom 11. September um keinen Konsensfehler und keinen erfolgreichen Angriff handelte.

Kleine Reorgs bleiben nach dieser Einordnung relativ selten, gehören aber zum normalen Betrieb eines Proof-of-Work-Netzwerks. Wer sich für den wirtschaftlichen Hintergrund solcher Vorfälle interessiert, findet weiterführenden Kontext zu Mining-Erträgen und dem Wettbewerbsdruck auf Pools, der die Anreize hinter dem Verhalten großer Mining-Pools wie Antpool und Spiderpool mitbestimmt.

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Patrick Krauss
Patrick Krauss
Krypto-Analyst & Review-Faktenchecker

Patrick Krauss ist Krypto-Analyst und Autor bei 99Bitcoins und verantwortlich für das Faktenchecking von Krypto-Börsen- und Broker-Reviews. Er prüft sämtliche Inhalte auf fachliche Richtigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit und stellt sicher, dass Angaben zu Gebühren, Handelsbedingungen, Regulierung, Sicherheitsstandards und Risikohinweisen korrekt... Mehr lesen

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