Blockstream hat sich geweigert, für die Rückgabe von rund 598,5 BTC zu zahlen, die nach dem Exploit des Liquid Networks noch immer beim Angreifer liegen. Die Summe entspricht beim aktuellen Kurs etwa 47 Millionen US-Dollar und ist der Rest von ursprünglich rund 4.000 BTC, die am Sonntag aus der Sidechain abgezogen wurden.
Das Wichtigste im Überblick:
- Blockstream zahlt kein Lösegeld für die verbleibenden 598,5 BTC (~47 Mio. USD) aus dem Liquid-Hack
- Von ursprünglich rund 4.000 BTC (~320 Mio. USD) wurden bereits 3.400 BTC zurückgegeben
- Ursache war ein Fehler im Caching von Range-Proof-Verifizierungen, der ungedecktes L-BTC ermöglichte
- Liquid verarbeitet wieder Transaktionen, Peg-outs bleiben vorerst deaktiviert
Blockstream verweigert Lösegeld für verbleibende Bitcoin
Die Angreifer hatten am Sonntag rund 4.000 BTC aus der Sidechain abgezogen, damals im Wert von etwa 320 Millionen US-Dollar. Am Montag gaben sie 3.400 BTC zurück – etwa 85 Prozent der Beute – und ließen 598,5 BTC an der Abhebeadresse liegen, wo sie laut Blockchain-Daten von mempool.space bislang unangetastet blieben.
Blockstream bezeichnete das Zurückhalten der Gelder am Freitag über X als kriminellen Akt und nicht als verantwortungsvolle Offenlegung einer Sicherheitslücke. Die Firma stellte klar, dass es sich nicht um White-Hat-Aktivität, sondern um Diebstahl handle. In einer On-Chain-Nachricht vom Mittwoch hatten die Angreifer eigene Forderungen formuliert: Sie warfen Blockstream vor, nur 1,5 Millionen US-Dollar für die Sicherung von Vermögenswerten im Umfang von 5 Milliarden US-Dollar bereitgestellt zu haben, und verlangten 10 Prozent der Summe als selbstfinanzierte Bug-Bounty. Andernfalls drohten sie den Nutzern einen Verlust von 15 Prozent an. Weitere Hintergründe zur Rückgabe fasst unser Bericht zur Bitcoin-Rückgabe im Liquid Network zusammen.
Blockstreams offizielle Position
Blockstream erklärte, keinen Präzedenzfall schaffen zu wollen, bei dem Entwickler von Open-Source-Software für Lösegeldforderungen haften müssten, die weit über ihre wirtschaftliche Beteiligung hinausgehen. Nutzerverluste würden nicht durch einen sogenannten Haircut auf Guthaben ausgeglichen, so die Firma. Stattdessen kündigte Blockstream an, jeden rechtlich möglichen Weg zu gehen und dafür mit Strafverfolgungsbehörden, Börsen und forensischen Spezialisten zusammenzuarbeiten, sollten die restlichen Mittel nicht zurückgegeben werden.
Was hinter dem Liquid-Hack steckt
Ursache des Vorfalls war ein Fehler im Caching von Range-Proof-Verifizierungen auf Liquid-Nodes. Dieser erlaubte es den Angreifern, ungedecktes L-BTC zu erzeugen und es über SideSwap – ein Föderationsmitglied mit Peg-out-Berechtigung – gegen echte Bitcoin-Reserven einzutauschen. Die Reserve fiel dadurch auf 197 BTC.
Blockstream patchte die betroffenen Bridge-Nodes binnen zehn Stunden und veröffentlichte am Mittwoch die Version Elements v23.3.4. Am Donnerstag nahm Liquid die Blockproduktion und Transaktionsverarbeitung wieder auf, Peg-outs bleiben jedoch vorsorglich deaktiviert, während die finale Phase der Wiederherstellung läuft. Mehr zum technischen Ablauf des Angriffs liefert unser Artikel zum ursprünglichen Sicherheitsvorfall.
Was als Nächstes zu beobachten ist
Entscheidend bleibt, ob die verbliebenen 598,5 BTC zurückfließen oder unbewegt bleiben. Blockstream verweist darauf, dass Bitcoin-Transaktionen nachverfolgbar sind und die Spur der Beweise nicht verschwindet – ein Argument, das die angekündigte Zusammenarbeit mit Ermittlern und Forensikern stützt.
Parallel dazu warnte Liquid vor Betrügern, die Node-Betreiber mit gefälschten Update-Webseiten ins Visier nehmen. Wie unterschiedlich Netzwerke nach einem Exploit mit Wiederherstellung und Governance umgehen, zeigt auch der Vergleich zu einem früheren Rollback nach einem Exploit auf Cronos. Bis die restlichen Mittel identifiziert oder zurückgegeben sind, bleibt der Fall ein Testfall dafür, wie Bitcoin-Infrastrukturprojekte künftig auf Erpressungsversuche reagieren.
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