Beim Liquid Network, der Bitcoin-Sidechain von Blockstream, wurden am Wochenende rund 4.000 BTC (etwa 320 Millionen US-Dollar) aus der Federation-Wallet abgezogen. Die Angreifer haben inzwischen rund 85 Prozent der Summe zurücküberwiesen, doch ein Fehlbetrag von knapp 600 BTC bleibt offen – und damit ein reales Risiko für die 1:1-Deckung von L-BTC.
Das Wichtigste im Überblick:
- Rund 4.000 BTC (~320 Mio. USD) wurden aus der Liquid-Federation-Wallet abgezogen, etwa 95 % der Gesamtreserven.
- Die Angreifer gaben rund 3.400 BTC (~269,2 Mio. USD, etwa 85 % der Summe) zurück, nachdem Blockstream eine Softwarelücke gepatcht hatte.
- Rund 598,5 BTC bleiben weiterhin bei den Angreifern – über deren Verbleib gibt es bislang keine offizielle Kommunikation.
- Bridge-Nodes sind eingefroren, Bitfinex und die Aqua Wallet haben L-BTC-Einzahlungen und -Abhebungen ausgesetzt.
Wie der Exploit ablief und was zurückkam
Liquid ist eine föderierte Layer-2-Sidechain von Bitcoin, die vor allem von Börsen für vertrauliche, schnelle Transfers genutzt wird. Die Angreifer nutzten eine Softwarelücke aus, mit der sich ungedeckte L-BTC-Token erzeugen und gegen echte Bitcoin einlösen ließen – ein Vorgang, der laut der ursprünglichen Berichterstattung zum Vorfall rund 95 Prozent der gesamten Reserven betraf.
Bemerkenswert: Die Gruppe bezeichnete sich selbst als „Whitehats“ und knüpfte die Rückgabe der Gelder an eine Bedingung. Erst nachdem Blockstream die Sicherheitslücke gepatcht hatte, überwiesen die Angreifer rund 3.400 BTC zurück an die Multisig-Wallet der Federation. Die übrigen 598,5 BTC halten sie bislang weiter – weder von den Angreifern noch von Blockstream gibt es dazu eine Stellungnahme.
Marktreaktion und Risiko für den L-BTC-Peg
Als unmittelbare Reaktion auf den Vorfall deaktivierten Blockstream und die Federation-Mitglieder die Bridge-Nodes und froren damit das gesamte Peg-Out-System ein. Bitfinex und die Aqua Wallet folgten und setzten alle L-BTC-Einzahlungen und -Abhebungen aus, um den Schaden zu begrenzen. Der aktuelle Status ist also eine Sperrung, kein wiederaufgenommener Handel.
Tokenisierte Vermögenswerte wie das auf Liquid basierende USDT sowie Real-World-Assets waren von dem Vorfall nicht betroffen. Entscheidend bleibt jedoch die fehlende Deckung: Solange die rund 600 BTC nicht zurückfließen, könnte L-BTC gegenüber Bitcoin mit einem Abschlag handeln, sollte der Markt das Vertrauen in die vollständige Deckung verlieren – ein Szenario, das laut Quelle auch Kapitalflucht auslösen und den Wert von L-BTC zusätzlich drücken könnte. Eine bereits eingetretene Kursabweichung ist derzeit nicht belegt.
Offizieller Status: Blockstream schweigt noch
Liquid Network bestätigte den Sicherheitsvorfall öffentlich und teilte mit, dass rund 4.000 BTC aus der Federation-Wallet abgeflossen seien. Das Blockstream-Team versuche demnach, die Angreifer über eine signierte On-Chain-Nachricht zu kontaktieren. Die letzte bekannte Mitteilung der Federation-Mitglieder beschränkt sich darauf, dass man weiterhin an einer Lösung arbeite.
Blockstream-Mitgründer und CEO Adam Back hat sich bislang nicht öffentlich zu dem Vorfall geäußert. Details zum weiteren Vorgehen bei der verbleibenden Deckungslücke stehen damit weiter aus, wie auch Coinpedia berichtet.
Was jetzt zu beobachten ist
Für Anleger, die L-BTC oder andere gebrückte Bitcoin-Varianten halten, sind drei Punkte entscheidend: Ob die restlichen 598,5 BTC zurückfließen, ob die Bridge-Nodes sowie Ein- und Auszahlungen wieder freigeschaltet werden, und ob die Deckungslücke von rund 600 BTC vollständig geschlossen wird. Bleibt sie offen, warnt die Quelle explizit vor einem möglichen Abschlag von L-BTC gegenüber Bitcoin und einer Kapitalflucht aus der Sidechain.
Der Fall verdeutlicht, wie stark das Vertrauen in Liquid von der lückenlosen 1:1-Bindung zwischen L-BTC und tatsächlich hinterlegten Bitcoin abhängt. Weitere Hintergründe zum ursprünglichen Abfluss und dem aktuellen Rückgabestand finden sich in der Übersicht zur bisherigen Rückgabe der Gelder sowie in der Analyse von Cryptopolitan zu den offenen Fragen der Reservebilanzierung.
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