Die US-Spot-ETFs von Bitcoin, Ethereum und XRP haben sich am Mittwoch in entgegengesetzte Richtungen bewegt. Während Bitcoin-Fonds 101,15 Millionen Dollar an frischem Kapital einsammelten, verzeichneten Ethereum-ETFs 48,08 Millionen Dollar und XRP-ETFs 7,2 Millionen Dollar an Nettoabflüssen, wie Daten von SoSoValue und Decrypt zeigen. Damit endeten zwei der längsten Zuflussserien der vergangenen Monate an einem einzigen Handelstag.
Das Wichtigste im Überblick:
- Bitcoin-ETFs verzeichnen 101,15 Mio. Dollar Zuflüsse, einen Tag nach einem Abfluss von 236,5 Mio. Dollar
- Ethereum-ETFs beenden mit 48,08 Mio. Dollar Abfluss eine 12-tägige Serie im Volumen von 1,62 Mrd. Dollar
- XRP-ETFs geben 7,2 Mio. Dollar ab und stoppen damit eine 11-tägige Serie, kumulierte Zuflüsse liegen bei 1,68 Mrd. Dollar
- Solana-ETFs verlieren am selben Tag 6,13 Mio. Dollar, nur Bitcoin legt zu
Bitcoin-ETFs drehen ins Plus, Ethereum- und XRP-Streaks enden
Die Ethereum-ETFs hatten zuvor zwölf Handelstage in Folge Nettozuflüsse verzeichnet und in dieser Zeit 1,62 Milliarden Dollar eingesammelt. Am Mittwoch kippte das Bild: BlackRocks ETHA führte die Abflüsse mit 53,4 Millionen Dollar an, Fidelitys FETH verlor 26,2 Millionen Dollar und Grayscales ETHE gab 23,5 Millionen Dollar ab. Etwas Gegenwind kam von BlackRocks gestaktem Ethereum-Fonds ETHB, der Zuflüsse von 52,9 Millionen Dollar verbuchte und den Nettoabfluss dadurch spürbar dämpfte. Mehr zu den jüngsten Ethereum-ETF-Zuflüssen und der Kursentwicklung zeigt, dass Kapitalzuflüsse nicht automatisch steigende Kurse bedeuten.

Bei XRP verlief das Muster ähnlich, nur in kleinerem Maßstab. Die elftägige Zuflussserie hatte rund 170 Millionen Dollar eingebracht und die kumulierten Zuflüsse auf 1,68 Milliarden Dollar gehoben, bevor am Mittwoch 7,2 Millionen Dollar abflossen – fast ausschließlich aus Bitwises XRP-Fonds. Die vier übrigen Anbieter Franklin, Canary, 21Shares und Grayscale verzeichneten weder Zu- noch Abflüsse. Einen Vergleich zwischen Handelsvolumen und tatsächlichen Kapitalzuflüssen liefert der Beitrag zum jüngsten XRP-ETF-Rekordvolumen.
Bitcoin bewegte sich in die Gegenrichtung. Der Zufluss von 101,15 Millionen Dollar am Mittwoch machte den Abfluss vom Vortag teilweise wett, der mit 236,5 Millionen Dollar laut Angaben von SoSoValue der größte einzelne Ausstieg seit dem 31. Juli war. IBIT führte die Erholung mit 115,45 Millionen Dollar an eigenen Zuflüssen an, während GBTC weiterhin 56,21 Millionen Dollar verlor. Einordnung zur aktuellen Bitcoin-Trendwende liefert der Beitrag über die jüngsten Bitcoin-ETF-Zuflüsse.
Kapital fließt vorerst eher in Bitcoin
Der Mittwoch war kein isoliertes Ethereum- und XRP-Phänomen. Auch Solana-ETFs verzeichneten mit 6,13 Millionen Dollar Abflüsse, sodass drei der vier großen Krypto-ETF-Kategorien zurückgingen – nur Bitcoin legte zu. Das ist ein engeres Signal als eine allgemeine Abkühlung des Kryptomarkts: Es spricht eher für eine mögliche Konzentration von Kapital speziell auf Bitcoin als für einen breiten Rückzug aus digitalen Assets.
Als Erklärung kommen mehrere Faktoren infrage. Bitcoin gilt in der Ökosystem-Logik als größerer und damit vermeintlich sichererer Vermögenswert, während Ethereum und XRP nach ihren jeweils längsten Zuflussserien seit Monaten schlicht reif für Gewinnmitnahmen waren. Belastbar beweisen lässt sich diese Rotationsthese anhand eines einzelnen Handelstages jedoch nicht.
Warum die Flows im größeren Trend wichtig sind
Die aktuelle Bewegung folgt auf einen starken August für Bitcoin-ETFs, die laut SoSoValue und Decrypt 3,52 Milliarden Dollar einsammelten – nach dieser Zählung der beste Monat des Jahres 2026. Ein einzelner Tag brachte dabei 606 Millionen Dollar, den größten Zufluss seit Mai. Das gesamte Nettovermögen der Kategorie liegt inzwischen bei 97,22 Milliarden Dollar, die kumulierten Zuflüsse seit dem Start im Januar 2024 bei knapp 54,7 Milliarden Dollar.
Historisch ist der September für Bitcoin kein einfacher Monat: In acht der vergangenen 13 Jahre schloss der Kurs niedriger als er startete, ein Muster, das im Markt auch als „Red September“ diskutiert wird. Mehr Kontext zur institutionellen Nachfrage liefert der Rückblick auf die jüngste ETF-Kaufwelle bei Bitcoin und Ethereum.
Fed-Entscheidung und weitere ETF-Flows im Blick
Der nächste Fixpunkt für die Flows ist die Zinsentscheidung der US-Notenbank am 15. und 16. September, die erste größere Debatte über eine mögliche Zinsanhebung seit dem Straffungszyklus 2022/2023. Nach den als hawkish eingestuften Äußerungen von Fed-Chair Kevin Warsh in Jackson Hole waren die Erwartungen für eine Zinsanhebung im September laut CME FedWatch Tool zuletzt auf über 60 Prozent gestiegen.

Ob Bitcoin-ETFs ihre Erholung nach dem Abfluss vom Dienstag fortsetzen und ob Ethereum- und XRP-Fonds nach dem Ende ihrer Serien wieder Zuflüsse verzeichnen, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen. Für Anleger bleibt entscheidend, dass ein einzelner Tag mit gegenläufigen Flows noch keine dauerhafte Kapitalrotation belegt, sondern zunächst nur ein Stimmungssignal liefert.
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