Bitcoin notiert am 21. August bei rund 79.668 US-Dollar und damit deutlich unter seinem Allzeithoch, während Matthew Sigel, Leiter der Forschung für digitale Vermögenswerte bei VanEck, an seinem Kursziel von 100.000 Dollar für 2027 und 500.000 Dollar für 2029 festhält. Die Prognose steht in einem auffälligen Kontrast zu VanEcks eigenen kurzfristigen Daten, die zuletzt acht von zwölf Kapitulationssignalen auslösten.

Das Wichtigste im Überblick:

  • VanEcks Matthew Sigel hält an seinem Bitcoin-Kursziel von 100.000 Dollar für 2027 und 500.000 Dollar für 2029 fest.
  • Bitcoin notiert am 21. August bei rund 79.000 Dollar, VanEcks Chaincheck zeigte am 18. August 8 von 12 Kapitulationssignalen.
  • Langfristige Halter verkauften innerhalb von 30 Tagen 356.000 BTC, ihr Anteil am Gesamtangebot fiel erstmals seit Monaten unter 60 %.
  • Das langfristige Ziel stützt sich auf den vorgeschlagenen Bitcoin Act von 2024, der US-Staatskäufe von bis zu 1 Million BTC vorsieht.

Bitcoin nähert sich der 80.000-Dollar-Marke

Der Kurs hat die psychologisch wichtige Schwelle von 75.000 US-Dollar deutlich überschritten und bewegt sich damit in einem der stärkeren Abschnitte der jüngsten Erholung. Trotzdem bleibt der Abstand zum Allzeithoch beträchtlich, was die Debatte um die Nachhaltigkeit der aktuellen Bewegung befeuert.

Institutionelle Zuflüsse haben sich zuletzt stabilisiert, und die kryptofreundliche Politik unter Präsident Trump hat bereits mehrere neue Allzeithochs bei anderen Assets begünstigt. Wie stark diese institutionelle Nachfrage tatsächlich trägt, lässt sich unter anderem an den ETF-Zuflüssen der vergangenen Wochen ablesen.

Donald Trump raising his fist in front of a Bitcoin 2024 and Xapo Bank backdrop
Donald Trump speaks at a cryptocurrency-themed event featuring Bitcoin 2024 branding.

Acht von zwölf Kapitulationssignalen aktiv

VanEcks „Chaincheck“-Bericht von Mitte August zeigte zum 18. August acht von zwölf Kapitulationssignalen, wobei alle zwölf Indikatoren in den vorangegangenen drei Monaten zeitweise im Kapitulationsbereich lagen. Langfristige Halter verkauften innerhalb von 30 Tagen 356.000 BTC, wodurch ihr Anteil am Gesamtangebot erstmals seit Monaten unter 60 % fiel – ein Muster, das historisch mit Erschöpfungsphasen nahe Zyklustiefs einhergeht.

  • Zeitfenster: VanEcks Forscher verweisen auf September bis November als möglichen Wendepunkt, basierend auf früheren Korrekturen mit durchschnittlich 12,7 Monaten von Höchst- zu Tiefststand.
  • Wichtiger Vorbehalt: Historisch fielen die Renditen über die folgenden 90 und 180 Tage nach so vielen gleichzeitigen Kapitulationssignalen unter Bitcoins übliche Basislinie aus – die Signale zeigen also eher Stress an, als den exakten Boden zu markieren.

Eine ausführlichere Einordnung dieser zwölf Indikatoren findet sich in unserer separaten Analyse zu VanEcks Kapitulationssignalen.

Warum Sigel trotzdem an 500.000 Dollar festhält

Sigel bekräftigte seine Haltung diese Woche gegenüber CNBC und erklärte, er erwarte weiterhin einen Anstieg auf 100.000 US-Dollar im kommenden Jahr, während 500.000 Dollar bis 2029 erreichbar blieben, sofern sich der aktuelle Zyklus wie gewohnt entwickle. Diese Einschätzung hatte er erstmals im April geäußert, als Bitcoin noch bei rund 68.510 Dollar notierte – die Zahlen selbst haben sich seither nicht verändert.

Matthew Sigel of VanEck sitting in a chair at a CNBC television studio set
Photo by Dušan Cvetanović on Pexels

Sigels Prognose bewegt sich innerhalb einer breiteren Bandbreite von Wall-Street-Einschätzungen. Er verweist etwa auf Bernsteins Sicht, wonach der vierjährige Halving-Zyklus faktisch zusammengebrochen sei, da anhaltende institutionelle ETF-Käufe die Panikverkäufe von Privatanlegern ausgleichen. Bernstein selbst sieht einen Jahresendkurs 2026 bei knapp 150.000 Dollar und einen Zyklushöhepunkt um 200.000 Dollar im Jahr 2027 – grob konsistent mit der von VanEck angesetzten Spanne von 180.000 bis 500.000 Dollar, wenn auch mit abweichendem Zeitrahmen.

Das längerfristige Ziel von 500.000 Dollar stützt sich auf eine andere Säule als die kurzfristigen Prognosen: den staatlichen Aufbau von Bitcoin-Beständen. VanEcks Analyse verknüpft den Wert für 2029 mit dem Bitcoin Act von 2024, einem im US-Senat eingebrachten Gesetzesentwurf, der das Finanzministerium anweisen würde, bis 2029 bis zu 1 Million BTC zu erwerben – etwa 4,8 % des Gesamtangebots. Wichtig ist hier die Unterscheidung: Es handelt sich um einen vorgeschlagenen Entwurf, kein laufendes Programm. VanEck geht davon aus, dass staatliche Käufe dieser Größenordnung einen sich selbst verstärkenden Nachfragezyklus auslösen könnten, bei dem Bitcoin als Reservewährung legitimiert wird und andere Staaten zu ähnlichen Allokationen veranlasst werden könnten – ein Argument, das auch in der Diskussion um Bitcoin als Absicherung gegen wachsende Staatsschulden immer wieder auftaucht.

Fazit: Zwei Zeitachsen müssen zusammenlaufen

VanEck argumentiert im Kern, dass die aktuelle Phase nahe 80.000 Dollar nur eine vorübergehende Schwankung innerhalb eines mehrjährigen Aufwärtstrends darstellt. Ob diese These trägt, hängt davon ab, ob eine kurzfristige Erholung binnen Monaten und ein potenzielles Aufkaufprogramm des US-Finanzministeriums tatsächlich zusammenfinden – solange der Bitcoin Act nicht über das Gesetzgebungsverfahren hinauskommt, bleibt das langfristige Ziel eine bedingte Wette. Entscheidend für die kommenden Wochen bleibt, ob sich die Kapitulationssignale zwischen September und November tatsächlich in eine Bodenbildung übersetzen.

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Patrick Krauss
Patrick Krauss
Krypto-Analyst & Review-Faktenchecker

Patrick Krauss ist Krypto-Analyst und Autor bei 99Bitcoins und verantwortlich für das Faktenchecking von Krypto-Börsen- und Broker-Reviews. Er prüft sämtliche Inhalte auf fachliche Richtigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit und stellt sicher, dass Angaben zu Gebühren, Handelsbedingungen, Regulierung, Sicherheitsstandards und Risikohinweisen korrekt... Mehr lesen

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