Der Stablecoin-Emittent Tether hat sein Bitcoin-Mining-Projekt in Uruguay eingestellt, nachdem ein Streit über die vertraglich zugesicherte Strommenge eskaliert war. Eine Reuters-Recherche beziffert die Kosten des gescheiterten Vorhabens auf schätzungsweise 120 Millionen US-Dollar. Uruguay war dabei als erster Schritt und Teststandort für weitere Mining-Pläne in Südamerika vorgesehen.
Das Wichtigste im Überblick
- Tether investierte nach Einschätzung eines ehemaligen Vertragspartners rund 60 Millionen US-Dollar in jeden der beiden Mining-Standorte im Departement Florida.
- Streitpunkt war die Auslegung eines Vertragsparagrafen: Tether verstand die vereinbarte Strommenge als Mindestwert, UTE als feste Obergrenze.
- Nach offenen Rechnungen kappte UTE am 25. Juli 2025 die Stromversorgung. Im November 2025 wurde die Einstellung des Betriebs bei den Arbeitsbehörden gemeldet.
- Der Fall verdeutlicht, wie wichtig Energiekosten, Stromverfügbarkeit und Vertragsbedingungen für die Wirtschaftlichkeit des Bitcoin-Minings sind.
Der Streit um die Stromlieferung
Im Mai 2023 bezeichnete Tether Uruguay als geeigneten Standort für Bitcoin-Mining und verwies auf erneuerbare Energien sowie ein robustes Stromnetz. Die lokale Tochtergesellschaft Microfin betrieb zwei Standorte im ländlichen Departement Florida. Nach Angaben von zwei ehemaligen Vertragspartnern liefen die Anlagen zunächst zuverlässig und erzielten Einnahmen.

Der Konflikt mit dem staatlichen Versorger UTE begann spätestens im November 2024. Tether interpretierte eine Vertragsklausel als Mindestlieferung, die später aufgestockt werden könne, während UTE dieselbe Menge als maximale Obergrenze verstand. Mit steigendem Strombedarf der Mining-Anlagen wurde die Differenz zum Problem: Laut einem ehemaligen Vertragspartner stand an den Standorten zeitweise über mehrere Tage nicht ausreichend Strom zur Verfügung.
Politischer Wechsel verschärft die Verhandlungen
Im März 2025 übernahm eine linksgerichtete Regierung in Uruguay die Amtsgeschäfte und besetzte die Führung von UTE neu. Ein ehemaliger Vertragspartner berichtete Reuters, die neue Leitung habe eine härtere Linie bei der angestrebten Neuverhandlung des Energievertrags verfolgt.
Zwei Monate später stellte Microfin die Stromzahlungen ein und teilte UTE im Juni 2025 mit, die Verträge beenden zu wollen. Beide Seiten versuchten zeitweise, die Vereinbarung mit einem überarbeiteten Vertragstext zu retten. Der UTE-Vorstand billigte ein Memorandum und neue Vertragstexte, doch Tether-Vertreter erschienen laut den von Reuters eingesehenen Sitzungsprotokollen nicht zur Unterzeichnung. Am 25. Juli 2025 kappte UTE daraufhin die Stromversorgung an beiden Standorten.
Nach einem Bericht der uruguayischen Zeitung El Observador informierte Tether die Arbeitsbehörden am 25. November über die geplante Betriebseinstellung und den Abbau des Großteils der Belegschaft. Microfin beglich die offenen Rechnungen im Dezember, wie UTE Reuters mitteilte.
Bitcoin-Mining unter wachsendem Druck
Der Fall fällt in eine Phase, in der Bitcoin-Mining nach Einschätzung von Analysten weniger profitabel geworden ist. Als Faktoren nennt die Reuters-Recherche die Halbierung der Bitcoin-Belohnung im April 2024 sowie einen deutlichen Rückgang des Bitcoin-Kurses gegenüber einem Hoch im Jahr 2025. Tanay Ved, Senior Research Analyst bei Talos, zufolge reagieren Miner unter anderem mit effizienterer Hardware, günstigerem Strom oder der Nutzung von Rechenleistung für KI und High-Performance-Computing.

Der Mining-Experte Nicolas Ribeiro beschrieb die Branche gegenüber Reuters als stark in Bewegung, da Betreiber Standorte fortlaufend eröffnen, schließen oder verlagern. Uruguays zuverlässiges Stromnetz und die gute Internetanbindung seien seiner Einschätzung nach besser für KI-Rechenzentren geeignet als für Mining, weil dieses besonders stark von günstigem Strom abhänge. Uruguay verfüge zwar über einen hohen Anteil erneuerbarer Energien, die Stromkosten seien jedoch relativ hoch.
Was der Fall für die Branche bedeutet
Pete Howson, Assistenzprofessor an der Northumbria University, ordnete das schnelle Ende des Projekts als Beispiel für die hohe Mobilität des Bitcoin-Minings ein. Die Infrastruktur könne vergleichsweise leicht an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden, weshalb für Gastländer häufig keine langfristigen Arbeitsplätze oder Vorteile entstünden.
Für Tether war Uruguay nach Angaben eines ehemaligen Vertragspartners als erster Schritt und Teststandort vor möglichen größeren Märkten wie Brasilien, Paraguay und Argentinien gedacht. Tether hat inzwischen Investitionen in Bitcoin-Mining und Plattformen in Brasilien angekündigt. Der Streit in Uruguay zeigt zugleich, wie eng die Rentabilität einzelner Mining-Standorte mit Energiepreisen, gesicherter Stromversorgung und klaren Vertragsbedingungen verbunden ist.
Die vollständige Reuters-Recherche mit den zugrunde liegenden Dokumenten ist bei Reuters nachzulesen.
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