Die Diskussion über den aktuellen Zyklus nimmt erneut Fahrt auf. Hintergrund sind Aussagen des Marktstrategen Tom Lee, der Parallelen zu früheren Vierjahreszyklen zunehmend infrage stellt. Trotz zwischenzeitlicher Kursrückgänge bleibt Bitcoin strukturell stabil, während On-Chain-Daten, makroökonomische Faktoren und intermarktbasierte Signale ein uneinheitliches Bild liefern. Für Marktbeobachter stellt sich damit zunehmend die Frage, ob sich der klassische Vierjahresrhythmus tatsächlich verändert oder ob lediglich kurzfristige Abweichungen vorliegen. Lees Einschätzung liefert dafür mehrere datenbasierte Argumentationslinien für eine Krypto Prognose.
Das Wichtigste im Überblick:
- Tom Lee sieht aktuell keinen klassischen vierjährigen Bitcoin-Marktzyklus mehr.
- Steigende On-Chain-Daten widersprechen historischen Mustern typischer Bitcoin-Zyklusspitzen bisher deutlich.
- Früher Leverage-Abbau könnte Marktbereinigung bereits vor möglicher Hochphase ausgelöst haben.
- Schwache ISM-Konjunkturdaten passen historisch nicht zu bisherigen Bitcoin-Marktspitzenphasen eindeutig.
- Gold bleibt stärker als Kupfer, ungewöhnlich für typische Risiko-on-Bitcoin-Marktphasen aktuell.
On-Chain-Daten zeigen ungewöhnliche Aktivität
Ein zentrales Argument betrifft die Entwicklung der Blockchain-Aktivität. Laut Tom Lee steigen zentrale Kennzahlen aktuell eher an, statt – wie bei früheren Zyklusspitzen – zurückzugehen. Dazu zählen unter anderem aktive Adressen, Transaktionsvolumen sowie der in DeFi-Protokollen gebundene Gesamtwert. Historisch fiel diese Aktivität meist deutlich ab, sobald sich ein Marktzyklus seinem Höhepunkt näherte. Aktuell zeigt sich dagegen ein stabileres oder sogar wachsendes Nutzungsniveau.
Besonders auffällig ist dabei die Entwicklung im Ethereum-Ökosystem, wo steigende Adresszahlen und höhere Nutzung auf eine weiterhin aktive Infrastruktur hindeuten. Das deutet aus analytischer Sicht darauf hin, dass der Markt noch nicht die typische Sättigungsphase erreicht hat. Allerdings weisen einige Analysten darauf hin, dass neue Layer-2-Strukturen, institutionelle Nutzung und strukturelle Marktveränderungen die Vergleichbarkeit mit früheren Zyklen erschweren könnten.
Frühzeitiger Abbau von Markt-Leverage
Ein weiterer Punkt betrifft die Entwicklung der Marktverschuldung. Lee argumentiert, dass ein signifikanter Abbau gehebelter Positionen bereits früh im Zyklus stattgefunden habe. Insbesondere ein stärkerer Kursrückgang im Oktober führte zu Liquidationen, die laut Marktbeobachtern teils umfangreicher waren als während der bekannten Marktverwerfungen Ende 2022. Solche Ereignisse gelten häufig als „Bereinigungsphasen“, in denen übermäßiges Risiko aus dem Markt entfernt wird.
Historisch traten vergleichbare Leverage-Washouts oft näher an zyklischen Hochpunkten auf. Dass dieser Prozess diesmal früher erfolgt sein könnte, verändert die klassische Zykluslogik zumindest teilweise. Gleichzeitig bleibt offen, ob der Markt tatsächlich nachhaltiger stabilisiert wurde oder ob neue Hebelpositionen inzwischen wieder aufgebaut wurden.
🔥TOM LEE: “THIS DOESN’T LOOK LIKE A 4-YEAR BITCOIN CYCLE.”
Lee argues this cycle is behaving differently from every prior Bitcoin cycle:
1️⃣ On-chain activity is rising.
ETH addresses, usage, and TVL are moving higher — the opposite of prior cycle tops.
2️⃣ Leverage washout… pic.twitter.com/vOLxjGTQx0
— Coin Bureau (@coinbureau) February 4, 2026
Makrodaten sprechen laut Lee gegen Zyklusspitze
Auch makroökonomische Indikatoren spielen in Lees Analyse eine wichtige Rolle. Besonders verweist er auf den US-Industrieindex ISM, der seit längerer Zeit unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten liegt. Historisch erreichte Bitcoin seine zyklischen Höchststände meist in Phasen stärkerer konjunktureller Dynamik. Eine schwächere industrielle Aktivität deutet dagegen eher auf wirtschaftliche Zurückhaltung hin. Nach Lees Interpretation passt dieses Umfeld nicht zu einem klassischen Marktpeak.
Gleichzeitig bleibt der Zusammenhang zwischen Makrodaten und Kryptomarkt komplex. Bitcoin reagiert inzwischen stärker auf Liquiditätsbedingungen, Geldpolitik und institutionelle Kapitalflüsse als noch in früheren Jahren. Dadurch verschiebt sich die Bedeutung einzelner Wirtschaftsindikatoren. Dennoch zeigt der Vergleich, dass makroökonomische Rahmenbedingungen weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Gesamtanalyse bleiben.
Gold über Kupfer als ungewöhnliches Marktsignal
Ein weiteres von Lee angeführtes Argument betrifft intermarktbasierte Signale. Historisch ging ein Bitcoin-Hoch häufig mit einer Phase einher, in der Industriemetalle wie Kupfer besser abschnitten als Gold. Kupfer gilt traditionell als Konjunkturindikator, während Gold eher als Sicherheitsanlage wahrgenommen wird. Aktuell zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Gold weist relative Stärke auf, während Kupfer weniger dynamisch erscheint.
Für einige Analysten deutet das auf ein vorsichtigeres globales Marktumfeld hin. In früheren Zyklen hätte ein solches Verhältnis eher gegen eine ausgeprägte Risikobereitschaft gesprochen. Gleichzeitig hat sich auch die Rolle von Bitcoin verändert. Institutionelle Investoren behandeln die Kryptowährung teilweise selbst als makroökonomischen Absicherungswert. Dadurch könnten klassische Rohstoffrelationen künftig weniger eindeutig auf den Kryptomarkt übertragen werden.
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